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Kolumne

(Ge)wissenschaft im Prüfungszeit-Chaos

Volle Aschenbecher, Kaffeetassen, Bücher und dazwischen der Laptop mit der halbfertigen Hausarbeit – typisch Prüfungszeit.

Ein überfüllter Aschenbecher, leere Kaffeebecher, Bücher und dazwischen der Laptop mit der halbfertigen Hausarbeit – bei unserem Tagebuch-Autor herrscht in der Prüfungszeit Chaos.
Ein überfüllter Aschenbecher, leere Kaffeebecher, Bücher und dazwischen der Laptop mit der halbfertigen Hausarbeit – bei unserem Tagebuch-Autor herrscht in der Prüfungszeit Chaos. Symbolfoto: Jens Schierenbeck/dpa/gms

Regensburg.Auf der einen Seite meines Schreibtischs stapelt sich leeres, schmutziges Geschirr, das langsam anfängt zu schimmeln, und dazwischen liegt ein überfüllter Aschenbecher, weswegen eine halbleere Kaffeetasse als Ersatz dienen musste. Auf der anderen Seite türmen sich Bücher und lose Zettel, vermischt mit Chipskrümel. In der Mitte thront mein Laptop, dessen Bildschirm ein kaltes Licht ausstrahlt. Ich nehme mir eine Kippe aus der Schachtel, denn zum Selbstdrehen bin ich zu faul, danach greife ich zu meinem Handy und ordere ein Pizza – Peperoni mit extra Käse.

Es ist mal wieder Januar: das Ende der Vorlesungszeit. Es ist ja nicht so, dass nur die Prüfungen wieder anstehen, nein, ich habe mein Referat auch wieder einmal so günstig gelegt, dass es zusätzlich zur Hausarbeit, die seit vorletztem Wintersemester aussteht, die Prüfungsphase zusätzlich erschwert. Und die Arbeit will ich so schnell wie möglich fertig schreiben, sonst verschiebt sich die aus diesem Semester auch wieder bis nächsten Winter.

Ich rauche aus. Ein Blick in die Tasse, in der keine Kippenstummel schwimmen: sie ist leer. Ich muss wohl Kaffeenachschub aus der Küche holen und stolpere auf dem Weg über Pfandflaschen. Bier- und Weinflaschen aus unbeschwerten Zeiten. Letzte Woche war so schön. Ich betrachte mich, die Tasse in der Hand haltend, kurz im Spiegel, der im Flur hängt. Wer ist dieser verwahrloste, unrasierte Kerl, der mich mit matten Augen anstarrt? Gerne würde ich mit einer aggressiven Handbewegung den gesamten Saustall von meine Tisch fegen. Zeit für erbauendes Liedgut: „Tonight I’m gonna have myself a real good time. I feel alive and the world I’ll turn it inside out, yeah. And floating around in ecstasy. So don’t stop me now, don’t stop me.“

Der Rauch des nächsten Glimmstängel füllt die schwere Luft des Raumes. „I’m having a ball, don’t stop me now!“ Zwölf von zwanzig Seiten, kein schlechter Schnitt, oder? Ich schließe kurz die müden Augen und atme kurz durch, soweit das möglich ist, denn zum Fenster öffnen bin ich fiel zu lethargisch. Ich nippe an meinem Kaffee und spucke einen Zigarettenstummel quer über den Tisch. Bevor ich mich über mich selbst ärgern kann, da ich anscheinend zu dumm bin aus der richtigen Tasse zu trinken, klingelt es auch schon an der Tür: Hoffentlich ist es der Pizzadienst

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