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Bildung

Junge Chemietalente fördern

Ein neues regionales MINT-Projekt zwischen Gymnasien und Universität unterstützt Schüler. Nachhaltige Forschung ist das Ziel.
Von Daniel Pfeifer

Organisatorin Petra Eichenseher (l.) bedankte sich bei der VR Bank. Sie fördert „MINT– Into a New Generation“ mit 5000 Euro.  Foto: Pfeifer
Organisatorin Petra Eichenseher (l.) bedankte sich bei der VR Bank. Sie fördert „MINT– Into a New Generation“ mit 5000 Euro. Foto: Pfeifer

Regensburg.Seit Wochen ziehen zigtausende Schüler über die Straßen Deutschlands. Mit der Forderung, die Welt schon heute zu verbessern und für eine lebenswerte Zukunft zu sorgen. Die Reaktionen auf die Fridays-for-Future-Aktion sind oft positiv, immer öfter aber schimpfen Kritiker über naive Schüler, die nur die Schule schwänzen wollten.

Frustrierend für die jungen Demonstranten. Dabei könnte dieses Engagement auch ganz anders genutzt werden, anstatt einfach zu verpuffen. Das zumindest meinen Chemielehrer und -Professoren in Ostbayern. Statt sich zu ärgern, dass jetzt der Schulaufgabenkalender mit der Fridays-for-Future-Aktion stressiger wird, möchten die Lehrer das Potenzial in tatsächliche zukünftige Forschung kanalisieren.

„MINT – Into a New Generation“ heißt ein nagelneues Kooperationsprojekt zwischen regionalen Gymnasien und der Fakultät für Chemie und Pharmazie an der Uni Regensburg. Ziel ist es, junge Talente besser zu fördern, durch Vorträge, Workshops und Mentoren der Universität. „Herzstück sind dabei die MINT-Camps,“ erklärt Petra Eichenseher, die sich an der Universität um die Koordination kümmert.

Jedes Jahr sollen zwanzig besonders engagierte Gymnasial-Schüler eine Woche lang an der Uni zusammentreffen und mit Chemie-Professoren und Doktoranden forschen und diskutieren. Das wichtige dabei: Die Schüler sollen ernst genommen werden. „Wenn wir unsere Zukunftsprobleme lösen wollen, müssen wir zusammenarbeiten, und zwar auf Augenhöhe,“ erklärt Studiendekan Prof. Dr. Hubert Motschmann.

Wissenschaftlicher Anspruch

Zwei Schülern im Jahr können die teilnehmenden Gymnasien aus Amberg, Cham, Bad Tölz, Passau, Regensburg und Burglengenfeld einen Platz in dem „New Generation Camp“ ermöglichen. Dazu kommen noch Restplätze, auf die sich Schüler selbst bewerben können. „Wir brauchen dabei nicht nur die Einserschüler, sondern diejenigen, die die Welt besser machen wollen,“ setzt Petra Eichenseher voraus, „sie brauchen aber auch Potenzial. Es wird ein forderndes Programm.“ Dazu gehören Vorträge und Führungen genauso wie knallharte Laborarbeit, Recherche und Protokollierung. Gerade Fragen wie: „Wo finde ich valides Wissen?“ sollen behandelt werden. Passend in einer Zeit von Facebook-Pseudofakten und anderem Internet-Halbwissen.

Es geht also weniger um die üblichen Show-Effekte mit Explosion, Rauch und spektakulären Experimenten. Sondern um die sehr realen Themen Energiezukunft, Ernährung der Weltbevölkerung, Impfstoffe sowie um die Entwicklung neuer nachhaltiger Kraftwerke und effizienter Materialien.

Das Premieren-Camp soll in diesem Jahr in der Woche vom 18. bis 22. November stattfinden – unter der Koordination von Chemielehrerin Dr. Beate Panzer vom Johann-Michael-Fischer-Gymnasium Burglengenfeld. Sie hatte auch schon Schüler zum Testlauf im vergangenen Herbst geschickt und zieht ein sehr positives Fazit: Ihre Schüler seien nach den intensiven Tagen „hochbegeistert, aber auch fix und fertig“ gewesen, erzählt sie.

MINT– was ist das?

  • Inhalt:

    MINT steht für die Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Seit Jahren finden an Schulen MINT-Aktionen und -Wettbewerbe statt.

  • Nachfrage

    Der Anteil an MINT-Studenten an der Gesamtzahl liegt bei 40 Prozent. Besonders hoch ist er bei ausländischen Studenten, bei Frauen dabei eher niedrig. Sie machen weniger als ein Drittel aller MINT-Studenten aus.

Umweltbewusster Unterricht

Interesse bei den Schülern sei auf jeden Fall reichlich vorhanden, betont Chemielehrerin Petra Lehner aus Burglengenfeld. Es lassen sich jedes Jahr Schüler finden, die auch bereit sind, ein paar Stunden ihrer Freizeit dafür einzusetzen. Besonders wenn es um die Themen Nachhaltigkeit und Umwelt geht. Der Unterricht habe sich sehr gewandelt, erzählt sie. Problemstellungen wie Plastikmüll, erneuerbare Energien, Abgasbelastung sind inzwischen Teil des Lehrplans für alle Jahrgangsstufen.

Prominenter Schirmherr für das neue Projekt ist Sportreporter Armin Wolf, selbst Chemie-Abiturient und ehemals Mitarbeiter und Umweltbeauftragter einer Chemiefirma. Damit die MINT-Kooperation auch finanziell gut anläuft, fördert sie die VR Bank Niederbayern-Oberpfalz mit 5000 Euro. Grund dafür sei der grundlegend grüne und soziale Aspekt der Aktion, so Michael Zinner von der VR Bank.

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