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Kolumne

„Make the campus great again“

Der neue Präsident Ronald Y. Drumpf regiert mit harter Hand an der Universität. Was ist schlimmer – Albtraum oder Realität?

Der amerikanische Präsidentschaftsbewerber Donald Trump: Im Albtraum unseres Autors wird ein Dozent namens Ronald Y. Drumpf zum neuen Präsidenten der Uni gewählt.
Der amerikanische Präsidentschaftsbewerber Donald Trump: Im Albtraum unseres Autors wird ein Dozent namens Ronald Y. Drumpf zum neuen Präsidenten der Uni gewählt. Foto: dpa

Regensburg.Ein neues Semester hat begonnen. Ein Sommersemester. Erste Strahlen eines milden Frühlingssonne kitzeln die grauen Gebeine der Universität Regensburg, Vögel zwitschern in der Luft, Hipster mit lächerlichen Bärten und extravaganten Brillen liegen auf der Wiese vor dem Haupteingang der Philosophisch-Theologischen Fakultät und lesen Bücher von Camus und Sartre, die sie nicht verstehen. Wie gerne spazierte ich an Anfangstagen vergangener Sommersemester wie diesem über unseren schönen Campus und ließ meinen Gedanken freien Lauf. Doch in diesen finsteren Zeiten ist die Idylle trügerisch. Denn ein dunkler Schatten liegt nun über den heiligen Hallen der Bildung und der Weg meiner Lieblingsstrecke von meiner Fakultät bis zum Botanischen Garten ist versperrt.

Wer Aufschluss über die Pathologie der einst ehrwürdigen Bildungseinrichtung erhalten will, muss nur einen Blick auf eine beliebige Fläche an der Fassade der Gebäude werfen. Denn überall, wo einst dank dem kapitalistischen Werbeunternehmen „lautlicht“ alle Plakate zu politischen und kulturellen Veranstaltungen rigoros entfernt wurden und sich nur nackter Botan fand, prangen sie nun: Die Propagandaplakate des neuen Präsidenten der Universität Ronald Y. Drumpf.

Es hatte alles als Spaß begonnen. Als der inzwischen 70-jährige und trotzdem noch nicht emeritierte Dozent für Kulturchauvinismus am Lehrstuhl für Xenophobie seine Kandidatur bekannt gab, erntete er unter der Studierendenschaft nur Hohn und Spott. Der ursprünglich aus New York eingereiste Populist machte mit kruden Forderungen auf sich aufmerksam. Er wollte das Gebäude, in dem geisteswissenschaftliche Studiengänge wie Philosophie und Geschichte untergebracht sind, durch eine Mauer von den anständigen Studenten vernünftiger Studiengänge wie Jura oder Betriebswirtschaftslehre trennen. „Sie nehmen Drogen, sie sind kriminell und sie liegen dem Staat durch BAföG auf der Tasche. Ohne diese langhaarigen Haschköpfe und Sodomiten sind wir besser dran“ – so eine seiner blumigen Wahlkampfparolen. Schließlich fand er zum Entsetzen der meisten Studierenden mit seinem griffigen Slogan „Make the campus great again“ eine knappe Mehrheit im Senat. Und nun ist aus Spaß letztlich doch ernst geworden.

Während ich wehmütig an der Mauer, die mich und Hunderte andere Studierende von den anderen Kommilitoninnen und Kommilitonen trennt, entlang schlendere und mir eine Zigarette der Marke „Ernte 23“ anzünden will, tönt plötzlich eine streng klingende Stimme durch einen der neu aufgestellten Lautsprecher: „Achtung! Achtung! Der Student mit der Nummer 1697756 wird hiermit auf Anordnung von Präsident Drumpf wegen campuszersetzender Aktionen exmatrikuliert.“ – „Oh Gott, das ist meine Matrikelnummer, jetzt ist es aus“, denke ich.

Ich wache schweißgebadet in der Küche meiner Studenten-WG auf. mein Schädel brummt gewaltig. Ich versuche, mich zu erinnern, was passiert ist. Neben mir auf der optisch fragwürdigen, mit roten und pinken Herzen verzierten Tischdecke meiner Mitbewohnerin liegen die Spuren des vergangenen Abends: Eine Schreibmaschine. Ein voller Aschenbecher. Ein angeschnittener Stechapfel und eine leer getrunkene Flasche Absinth. Mit einem Male fällt der substanzinduzierte Schleier von meinem Bewusstsein ab. Ich erinnere mich: Inspiration wollte ich mir verschaffen, um den Auftrag eines Kommilitonen zu erfüllen, der mich bat, einen Tagebuchartikel für die MZ zu verfassen, bevor er sich zu einem Saufgelage in die Landeshauptstadt aufmachte. Dieser Plan ging wohl daneben. Außer diesem kruden, bizarren Albtraum hat mein Verstand wiedermal nichts produziert. „Ronald Y. Drumpf“, murmle ich verschlafen vor mich hin. Was für eine abstruse Story. Als ob so ein Kandidat in irgendeinem zivilisierten Teil der Welt auch nur eine Stimme bekommen würde.

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