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Mindestlohn erreicht die Hochschulen

Studentische Hilfskräfte erhalten ab Januar mindestens 8,50 Euro pro Stunde. Einige Hochschulen rechnen mit hohen Mehrkosten.
Von Louisa Knobloch, MZ

Ab 1. Januar 2015 gilt in Deutschland ein gesetzlicher Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde – auch für studentische Hilfskräfte.
Ab 1. Januar 2015 gilt in Deutschland ein gesetzlicher Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde – auch für studentische Hilfskräfte. Foto: dpa

Regensburg.Sie unterstützen Dozenten bei der Organisation von Lehrveranstaltungen, leiten Übungen oder arbeiten als Aufsicht im Lesesaal der Bibliothek: „Studentische Hilfskräfte tragen einen wichtigen Teil zur Qualität von Studium und Lehre bei“, findet Yasmin Hopp, studentische Sprecherin an der Universität Regensburg. Ab dem 1. Januar 2015 gilt auch für die studentischen Hilfskräfte (SHK) an Hochschulen der gesetzliche Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde.

Im Bayerischen Wissenschaftsministerium macht man sich darüber offenbar wenig Sorgen: Die große Mehrzahl der bayerischen Hochschulen bezahle bereits heute bessere Stundenlöhne für die studentischen Hilfskräfte als nach dem ab 2015 gültigen gesetzlichen Mindestlohn, heißt es in einer Mitteilung des Ministeriums. Andere Hochschulen würden mit ihren derzeitigen Vergütungssätzen nicht weit unter dem Mindestlohn liegen. „Es wird daher für sie ohne größere finanzielle Mehrbelastungen möglich sein, ihre Vergütungen anzupassen.“

Wie eine Nachfrage der MZ unter den Hochschulen in der Region ergab, sind die Mehrkosten in einzelnen Fällen jedoch erheblich. An der Universität Regensburg erhalten die aktuell 870 studentischen Hilfskräfte bisher sieben Euro Stundenlohn – ab Januar müssen hier also 1,50 Euro mehr pro SHK und Stunde gezahlt werden. Laut Sprecher Alexander Schlaak rechnet man an der Universität Regensburg für 2015 im Vergleich zum Haushaltsjahr 2013 mit Mehrkosten in Höhe von 562 000 Euro. An der Universität Erlangen-Nürnberg erhalten studentische Hilfskräfte derzeit 7,50 Euro Stundenlohn. Rund 4000 SHKs beschäftigt die Uni pro Jahr, die meisten von ihnen haben jährlich zwei oder drei befristete Verträge. Bleibt die Zahl der Hilfskräfteverträge 2015 gleich, entstehen der Universität Erlangen-Nürnberg laut einer Sprecherin Mehrkosten von rund 600 000 Euro.

Höhere Kosten – weniger Stunden?

Auch die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU), die ihren aktuell 249 studentischen Hilfskräften derzeit sieben Euro Stundenlohn zahlt, muss ab Januar tiefer in die Tasche greifen. Bei gleichbleibender Zahl der Hilfskraftverträge erwarte man durch den Mindestlohn Mehrkosten von 119 398 Euro, so Sprecher Constantin Schulte Strathaus.

Die Liberalen Hochschulgruppen (LHG) Bayern befürchten, dass Hochschulen die Vertragsstunden oder die Stellen für studentische Hilfskräfte reduzieren könnten, um die durch den Mindestlohn entstehenden Mehrkosten auszugleichen. Das würde die Lehre erheblich verschlechtern, sagt der LHG-Landesvorsitzende Alexander Bagus. Er sieht die CSU in der Pflicht, im Staatshaushalt nachzubessern. Auch Studentenvertreterin Yasmin Hopp von der Universität Regensburg betont, der Freistaat müsse für eine ausreichende Ausfinanzierung der Hochschulen sorgen. „Gerade für staatliche Einrichtungen sollte es selbstverständlich sein, ihre Angestellten anständig zu bezahlen“, so Hopp. In einer Stadt wie Regensburg mit steigenden Mietpreisen und Lebenshaltungskosten sei eine Anhebung des Stundenlohns von SHKs dringend nötig.

Welche Auswirkungen der Mindestlohn an den Hochschulen tatsächlich haben wird, ist derzeit noch unklar. An der Universität Erlangen-Nürnberg plant die Universitätsbibliothek, die sehr viele Hilfskräfte beschäftigt, ab Januar die verlängerten Öffnungszeiten der Bibliotheken zurückzufahren. An der Universität Regensburg habe man einen Teil der anfallenden Mehrkosten bereits kompensieren können, so Schlaak. Man sei „überdies bestrebt, zusätzliche Mittel zur Deckung der Mehrkosten einzuwerben.“ Auch die KU Eichstätt plant „eine Anhebung der zugewiesenen Hilfskraftmittel, um nach Möglichkeit bedarfsgerecht adäquate Voraussetzungen zu schaffen“, sagt Schulte Strathaus.

Neun Euro Stundenlohn und mehr

Doch nicht allen Hochschulen bereitet der Mindestlohn Sorgen: An der Ostbayerischen Technischen Hochschule (OTH) Regensburg erhalten die aktuell 320 studentischen Hilfskräfte bereits jetzt neun Euro Stundenlohn – mit Mehrkosten durch den Mindestlohn muss die Hochschule also nicht rechnen. Die OTH Amberg-Weiden zahlt ihren aktuell 90 studentischen Hilfskräften sogar 9,90 Euro pro Stunde. An der Technischen Hochschule Deggendorf erhalten studentische Hilfskräfte laut Sprecher Christian Murauer seit Jahren mindestens 8,70 Euro Stundenlohn, Masterstudenten 10,20 Euro.

Geringfügige Beschäftigung

  • Mini-Job

    Bei der Tätigkeit als studentische Hilfskraft handelt es sich um eine sogenannte geringfügige Beschäftigung (Mini-Job). Die Entgeltgrenze dafür beträgt 450 Euro pro Monat.

  • Grenze

    Die Einführung des Mindestlohns von 8,50 Euro pro Stunde ab 1. Januar 2015 kann zur Folge haben, dass Mini-Jobber über die Geringfügigkeitsgrenze kommen und daher sozialversicherungspflichtig werden.

  • Uni Erlangen

    An der Universität Erlangen-Nürnberg werden daher laut einer Sprecherin auf ausdrücklichen Wunsch der Hilfskräfte ab dem 1. Januar viele der laufenden Verträge um eine Wochenstunde reduziert.

  • KU Eichstätt

    Auch die KU Eichstätt bietet Hilfskräften, die durch den Mindestlohn über die Geringfügigkeitsgrenze kommen, an, die Vertragssstunden zu reduzieren.

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