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Plagiate: Verjährungsfrist als Lösung?

Nach den aktuellen Plagiatsvorwürfen wird über eine Verjährungsregelung für wissenschaftliches Fehlverhalten diskutiert.

Nach den Plagiatsvorwürfen gegen die Doktorarbeit von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) ist eine Diskussion über Verjährungsfristen entbrannt.
Nach den Plagiatsvorwürfen gegen die Doktorarbeit von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) ist eine Diskussion über Verjährungsfristen entbrannt. Foto: Stephan Jansen/dpa

Berlin.Nach den Plagiatsvorwürfen gegen die Doktorarbeit von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) ist eine Diskussion über Verjährungsfristen entbrannt – wie schon bei früheren Verdachtsfällen. Von der Leyen hatte 1990, also vor 25 Jahren, promoviert. Ihre Arbeit zur Frauenheilkunde wird derzeit von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) auf Verstöße untersucht.

Der Ombudsmann für die deutsche Wissenschaft, Jura-Professor Wolfgang Löwer aus Bonn, sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Dienstag), ein Doktortitel solle nach 15 Jahren nicht mehr entzogen werden können. „Eine solche Verjährungsfrist kann aber nur der Gesetzgeber einführen.“ Löwer hatte sich schon bei früheren Plagiatsaffären, die wie im Fall von Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) zum Rücktritt führten, für die Einführung einer solchen Frist ausgesprochen.

Dagegen warnte der Juraprofessor der Berliner Humboldt-Universität, Gerhard Dannemann, am Dienstag im ZDF-“Morgenmagazin“: „Denken Sie nicht an die Politiker, denken Sie an die Wissenschaft.“ Er arbeitet seit Jahren bei der Internetplattform „Vroni-Plag“ mit, deren Nutzer von der Leyen Regelverstöße bei ihrer Doktorarbeit vorwerfen. Dannemann stört vor allem, dass von der Leyen als obere Dienstherrin mehrerer Bundeswehr-Universitäten den Eindruck vermittele, man könne wissenschaftlich so arbeiten.

Aus den Auswertungen auf „VroniPlag Wiki“ geht hervor, dass drei der beanstandeten Seiten der Leyen-Promotion zwischen 50 und 75 Prozent Plagiatstext enthalten und fünf Seiten mehr als 75 Prozent.

Löwer sagte zu seinem Vorstoß für eine Verjährungsfrist, es sei zwar richtig, dass der Doktortitel zu Beginn der Karriere Vorteile bringe – aber dieser Vorteil schwinde, je länger das Berufsleben andauere. „Durch den Entzug des Doktortitels wird der soziale Geltungsanspruch einer Person zerstört“, gab der Bonner Jura-Professor zu bedenken

Schavan hatte ihr Ministeramt im Februar 2013 aufgegeben, nachdem der Fakultätsrat der Uni Düsseldorf für die Aberkennung ihres 1980 erworbenen Doktortitels gestimmt hatte. Nach Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) war sie das zweite Kabinettsmitglied, das Kanzlerin Angela Merkel (CDU) durch eine Plagiatsaffäre verlor.

Im geringen Umfang der Arbeit von der Leyens (40 Seiten) sieht der Präsident der Berliner Humboldt-Universität, Jan-Hendrik Olbertz, noch keinen Anhaltspunkt für ein vermeintlich geringeres wissenschaftliches Niveau. Er sagte der „Bild“-Zeitung (Dienstag): „Die Länge einer Doktorarbeit sagt überhaupt nichts über ihre Qualität. Dann müssten ja die längsten Doktorarbeiten die besten sein.“ (dpa)

Vorwürfe gegen Politiker

  • Andreas Scheuer

    Plagiatsvorwürfe gegen den CSU-Generalsekretär haben sich nach Prüfung der Dissertation durch die Prager Karls-Universität nicht bestätigt. Das teilte die Hochschule im Oktober 2014 mit. Scheuer hatte in Prag 2004 ein „kleines Doktorat“ erworben. Da die akademischen Standards beider Länder nicht vergleichbar sind, darf er den „Dr.“ nicht landesweit, sondern nur in Berlin und Bayern führen. Nachdem er wegen der Verwendung auch anderswo kritisiert wurde, verzichtet Scheuer nun ganz auf Führen des Titels.

  • Annette Schavan

    Wenige Tage nach dem Entzug ihres Doktortitels durch die Universität Düsseldorf trat die damalige Bundesbildungsministerin im Februar 2013 zurück. Die Uni war zu dem Ergebnis gekommen, dass die CDU-Politikerin gut 30 Jahre zuvor „systematisch und vorsätzlich über die gesamte Dissertation verteilt gedankliche Leistungen vorgab, die sie in Wirklichkeit nicht selbst erbracht hatte“. Schavans Klage wies das Bundesverwaltungsgericht im März 2014 zurück.

  • Jorgo Chatzimarkakis

    Der FDP-Europaabgeordnete verlor seinen Titel im Juli 2011, da mehr als die Hälfte seiner Arbeit nach Angaben der Universität Bonn aus fremder Feder stammte. Zuvor waren im Internet Plagiatsvorwürfe laut geworden.

  • Silvana Koch-Mehrin

    Wegen Plagiatpassagen in ihrer Doktorarbeit entzog die Universität Heidelberg der FDP-Politikerin im Juni 2011 den Titel. Koch-Mehrin war bereits zuvor als Vizepräsidentin des Europaparlaments zurückgetreten.

  • Karl-Theodor zu Guttenberg

    Viele Passagen fremder Autoren in der Doktorarbeit des damaligen Verteidigungsministers sorgten im Februar 2011 für Aufsehen. Wenig später erkannte die Universität Bayreuth dem CSU-Politiker den Titel ab. Nach Protesten der Opposition und aus der Wissenschaft trat Guttenberg im März 2011 als Minister zurück. Die Uni erklärte in ihrem Abschlussbericht, er habe für seinen 2007 erworbenen Doktortitel vorsätzlich getäuscht.

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