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Einwanderer

Secondos-Programm an der Uni Regensburg

Für Kinder aus osteuropäischen Einwandererfamilien bietet die Regensburger Uni ein spezielles Förderprogramm.

Die Universität Regensburg ist die einzige Hochschule in Deutschland, die ein solches Programm anbietet.

Regensburg. „Die zwei Kulturen gehören zu unserer Identität. Nur wenn wir das akzeptieren, können wir selbstbewusst durchs Leben gehen“, sagt Mirella Delic. Die 22-Jährige studiert Politikwissenschaften in Regensburg. In wenigen Wochen wird sie nach Zagreb umziehen. Ein Jahr lang will die junge Frau in der ursprünglichen Heimat ihrer Familie leben und studieren. Möglich macht den Auslandsaufenthalt das Secondos-Programm - ein Spezialangebot für Studenten aus Zuwandererfamilien.

Die Universität Regensburg ist nach eigenen Angaben die einzige Hochschule in Deutschland, die ein derartiges Angebot speziell für Einwanderer vorhält. „Secondos“ soll deutschen Studenten mit familiären Wurzeln in Osteuropa helfen, Heimat, Kultur und Sprache ihrer Mütter und Väter besser kennenzulernen.

„Die Personalchefs brauchen solche Leute“

Die Teilnehmer erhalten Kurse in Sprache und Landeskunde, außerdem werden Praktika und Studienaufenthalte in den Herkunftsländern vermittelt. Solche Maßnahmen sollen aber nicht nur der Selbsterfahrung dienen. Die Besinnung auf ihre bikulturelle Herkunft verschaffe den Studenten auch beste Aussichten auf dem Arbeitsmarkt, betont Lisa Unger-Fischer, die Leiterin des Programms. „Die Personalchefs in den Firmen sagen zu uns, dass sie genau solche Leute brauchen, die sich problemlos in zwei verschiedenen Kulturen bewegen können.“

2009 wurde das Programm gestartet. Die Uni Regensburg hat bislang Verträge mit Partnerhochschulen in sechs osteuropäischen Ländern geschlossen: Russland, Ukraine, Polen, Rumänien, Ungarn und Kroatien. Mittelfristig soll „Secondos“ ausgebaut und zusätzlich für Studenten mit tschechischen und slowakischen Wurzeln geöffnet werden.

Viele Zuwanderer-Kinder leiden unter ihrer Herkunft

Warum aber brauchen Zuwanderer-Kinder diese besondere Betreuung? „Viele unserer Bewerber haben ihre Binationalität in ihrer Kinderzeit als Last empfunden“, erläutert Programmleiterin Unger-Fischer. So hätten die Kinder oft unter dem Spott der Gleichaltrigen zu leiden. „Die können zum Beispiel nicht begreifen, warum jemand eine andere Sprache zwar sprechen, diese aber nicht lesen oder schreiben kann.“ Das Bewusstsein, dass der bikulturelle Hintergrund nicht nur Last, sondern ein Geschenk sein kann, müssten sich die jungen Menschen oft erst mühsam erarbeiten.

So wie Daniel Danciu. Als seine Familie Anfang der 90er-Jahre in den Westen ging, hatte er mit seiner Heimat abgeschlossen. „Meine Familie hat in Rumänien schlimme Dinge erlebt“, berichtet er. Bislang verdingte sich Daniel als Koch und Musiker in Regensburg. Jetzt, mit 33 Jahren, hat er im Abendgymnasium das Abitur nachgemacht und stürzt sich gerade mit Elan in sein Studium für Deutsch, Englisch und Südosteuropa-Studien. Unter seiner Herkunft hat er lange gelitten. „Es war schwierig, die Minderwertigkeitskomplexe abzulegen“, sagt Daniel. „Aber jetzt kann ich wieder stolz sein auf Rumänien. Und ich will teilnehmen am Leben dort.“

Ana Begovac will später einmal Lehrerin für Deutsch und Geschichte werden. „Lehramt hätte ich auch zuhause in Passau studieren können“, sagt die 22-Jährige. Aber dann habe sie vom Professor einen Tipp bekommen, „dass ich hier etwas mit meinem Hintergrund machen kann“. Anas Vater stammt aus Kroatien, die Mutter aus Serbien. Die Tochter sagt: „Ich kann mir gut vorstellen, dass ich später mal nach Kroatien gehe und dort ein paar Jahre als Lehrerin arbeite.“ Das Rüstzeug für dieses Vorhaben will sich die 22-Jährige bei „Secondos“ holen.

Osteuropaforschung im Fokus

Die Universität Regensburg versucht, sich in der deutschen Hochschullandschaft als Zentrum für Osteuropaforschungen zu profilieren. Ein Programm für Einwanderer-Studenten aus dieser Region passt deshalb gut ins Portfolio. Tatsächlich wechseln Unger-Fischer zufolge mittlerweile immer mehr Studenten wegen Secondos nach Regensburg.

Auch Mirella Delic ist eigens aus Augsburg hergezogen, um an dem Programm teilzunehmen. Warum ihr das so wichtig ist? - „Dass ich in zwei Kulturen zuhause bin, ist ein großer Schatz. Der will gepflegt werden.“

(uni-regensburg.de/secondos)

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