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Begabtenförderung

Stipendien für muslimische Studierende

Das Avicenna-Studienwerk vergibt zum Wintersemester 2014/15 erstmals 50 Stipendien. Interessenten könnten sich bis Ende April bewerben.

Das Avicenna-Studienwerk vergibt zum Wintersemester 2014/15 erstmals 50 Stipendien an muslimische Studierende. Foto: Tobias Kleinschmidt/dpa

Osnabrück.Das neue bundesweite Begabtenförderungswerk für muslimische Studierende geht an den Start. Zum Wintersemester 2014/15 bietet das Avicenna-Studienwerk erstmals 50 Stipendien an. Interessenten könnten sich bis Ende April bewerben, teilte das Werk am Montag in Osnabrück mit. Das Bundesbildungsministerium stellt für Avicenna in den kommenden vier Jahren rund sieben Millionen Euro zur Verfügung.

Avicenna ist der lateinische Name des persischen Gelehrten Ibn Sina. Er lebte von 980 bis 1037 und wirkte nach langen Wanderjahren zuletzt hauptsächlich im heute iranischen Isfahan. Sein Lehrbuch „Canon medicinae“ galt bis ins 17. Jahrhundert hinein auch an europäischen Universitäten als medizinisches Standardwerk.

„Viele muslimische Studentinnen und Studenten leisten Herausragendes in ihrem Fach und für die Gesellschaft“, erklärte Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU). Diese Leistungen sollten noch besser anerkannt werden. „Außerdem zeigen wir, dass gerade in der Pluralität unserer Gesellschaft eine große Chance liegt“, so die Ministerin. Laut Bundesbildungsministerium sind rund drei Prozent der rund 2,5 Millionen Studierenden muslimischen Glaubens.

Der Vorsitzende des Studienwerks, Bülent Ucar, sprach von einem historischen Schritt für die Integration. Nach seinen Angaben plant das Werk bis zum Jahr 2017 die Vergabe von etwa 400 Stipendien. Dass es sich bei den Stipendiaten um bekennende Muslime handelt, werde erwartet, hatte der Direktor des Instituts für Islamische Theologie an der Universität Osnabrück zuvor erklärt. „Wir werden aber keine Fragen zur persönlichen Religionsausübung stellen.“ Ferner sei geplant, dass auch Nicht-Muslime gefördert würden, wenn sie sich in ihren Arbeiten etwa mit dem interreligiösen Dialog oder Themen beschäftigten, die für Muslime in Deutschland von besonderer Bedeutung seien.

Neben dem Avicenna-Studienwerk gibt es in Deutschland zwölf weitere Begabtenförderungswerke, die ebenfalls vom Bundesbildungsministerium unterstützt werden. Dazu zählen neben parteinahen Stiftungen, der Studienstiftung des deutschen Volkes sowie der Stiftung der Deutschen Wirtschaft auch das katholische Cusanuswerk, das Evangelische Studienwerk Villigst und das Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerk für jüdische Studenten.

Die Stipendiaten der Förderungswerke erhalten bis zu 670 Euro im Monat. Hinzu kommen ein Büchergeld sowie gegebenenfalls weitere Hilfen etwa bei einem Auslandsaufenthalt. Die Förderwerke verfügen zudem über ein breites Netzwerk, auf das die Stipendiaten auch nach ihrem Studium zurückgreifen können.

Die Stipendiengelder kommen vom Bundesbildungsministerium. Die Mittel dafür wurden in den zurückliegenden Jahren mehr als verdreifacht. Sie stiegen von 51,6 Millionen Euro 1998 auf fast 176 Millionen Euro 2012. Im gleichen Jahr, also 2012, wurden auf diese Weise bundesweit fast 30 000 Studenten und Promovierende unterstützt. (kna)

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