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Prozess

Studentin soll aus Zwang geklaut haben

Eine Regensburger Studentin steht ab Montag vor Gericht. Zum Diebesgut gehörten Quietsche-Entchen und Kehrschaufeln.
Von Marion von Boeselager, MZ

Eine 25-Jährige klaute wie ein Raabe. Ab Montag steht sie in Regensburg vor Gericht. Foto: dpa
Eine 25-Jährige klaute wie ein Raabe. Ab Montag steht sie in Regensburg vor Gericht. Foto: dpa

Regensburg.An Kleptomanie und einer Zwangsstörung soll eine 25-jährige Studentin der Universität Regensburg leiden, die sich ab Montag wegen einer Vielzahl von Diebstählen sowie wegen Unterschlagung, Betrugs und Hausfriedensbruchs vor dem Landgericht verantworten muss. Neben der gebürtigen Kelheimerin ist ein 24-jähriger Student aus Wien wegen Beihilfe zu einigen der Taten angeklagt. Er soll der jungen Frau als Chauffeur für ihre Beutezüge gedient haben. Der Gesamtwert des Diebesgutes wird auf rund 60 000 Euro geschätzt.

Kommilitonen in der Bibliothek bestohlen

So soll die 25-Jährige ab 2013 in und vor Bibliotheken der Uni Regensburg 19 Kommilitonen die Taschen, Rucksäcke und Handtaschen samt Inhalt wie Bargeld, Laptops, Handys, aber auch Lernunterlagen, Arbeitszeugnissen und Bewerbungsmappen entwendet haben. Weiter ließ sie nach Angaben der Staatsanwaltschaft in zahlreichen Regensburger Geschäften scheinbar wahllos und in großem Stil Kleidung, Kosmetikartikel, Lebensmittel, Elektrogeräte, Spielwaren, Haushaltsartikel, Kleinmöbel und Bettwäsche mitgehen – auch Dinge, die nur schwer zu transportieren waren oder kaum Wert besaßen. Danach verstaute sie beispielsweise 14 Plastikkehrschaufeln mit Besen, 32 Quietsche-Entchen, elf Zimmer-Springbrunnen, sechs Holztruhen, 38 Keramikmesser-Schneidesets, Hunderte von Brillen, unzählige Haar- und Interdentalbürsten sowie Hygieneartikel, 16 Wärmflaschen sowie 60 Zierbeleuchtungen in ihren Taschen.

Ab 2015 weitete die sammelwütige Frau ihren Aktionsradius aus, so die Vorwürfe weiter, und machte auch in Bad Abbach, Hohenbrunn, sowie im Chiemgau und Franken lange Finger. Ihr Komplize soll ihr beim Abtransport der Waren geholfen haben.

Geklaute Waren gegen Geld umgetauscht

In einigen Fällen soll die psychisch gestörte Frau später versucht haben, das Diebesgut zu Geld zu machen: Sie ging damit zur Kasse und behauptete wahrheitswidrig, sie wolle die zuvor gestohlenen Waren umtauschen. Sie finde aber den Kassenzettel nicht mehr. Mehrfach hatte sie mit diesem Trick Erfolg. Zudem soll sich die Studentin entsorgte Kassenzettel angeeignet haben, um so zuvor gestohlene Bücher in betrügerischer Absicht gegen Bargeld „umtauschen“ zu können. Selbst im Bezirksklinikum soll sich die 25-Jährige noch an der Geldbörse einer Mitpatientin vergriffen haben.

Der Prozess ist auf vier Verhandlungstage angesetzt.

Wir sind regelmäßig bei Prozessen in Regensburg vor Ort. Die Berichte finden Sie in unserem Spezial.

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