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Reform

Verbundpromotion stößt auf Zustimmung

Das neue Modell soll ab 2016 den Zugang zur Promotion für FH-Absolventen erleichtern. Von den Hochschulen kommt viel Lob.
Von Louisa Knobloch, MZ

Für FH-Absolventen soll der Weg zum Doktortitel künftig einfacher werden.
Für FH-Absolventen soll der Weg zum Doktortitel künftig einfacher werden. Foto: Jens Schierenbeck/dpa-tmn

Regensburg.Für Absolventen von Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAW) – den früheren Fachhochschulen – soll es künftig einfacher werden, einen Doktortitel zu erwerben. Ende Juni hatte Wissenschaftsminister Ludwig Spaenle (CSU) im Landtag das Modell zur sogenannten Verbundpromotion vorgestellt. Dieses sieht vor, dass Professoren von Universitäten und HAWs unter dem Dach des neuen Bayerischen Wissenschaftsforums (BayWISS) Doktoranden ab Januar 2016 gemeinsam betreuen und gleichberechtigte Gutachter und Prüfer sind.

Sicherheit durch klare Strukturen

Bei den Hochschulen in der Region stößt das neue Modell auf große Zustimmung: „Die Verbundpromotion stellt eine deutliche Verbesserung zu der bisherigen kooperativen Promotion dar“, sagt Prof. Dr. Wolfgang Baier, Präsident der OTH Regensburg. Die stärkere Institutionalisierung löse einige der derzeitigen Probleme, so Baier. Bei der kooperativen Promotion von HAW-Absolventen an einer Universität habe es keinen fest definierten Ablauf gegeben. „An den Universitäten hat in der Regel jede Fakultät ihre eigene Promotionsordnung.“ Die Einbindung der Studierenden sei von Fall zu Fall sehr unterschiedlich gewesen. Da es Fächer wie Soziale Arbeit, Gesundheitswissenschaften, aber auch einzelne Ingenieurswissenschaften an den Universitäten so nicht gibt, müssen die Doktoranden oft in Fächern wie Pädagogik oder Physik promovieren, die nicht genau zu ihrer bisherigen Ausbildung passen. Und obwohl die Masterabschlüsse an Uni und FH gesetzlich gleichgestellt sind, mussten HAW-Absolventen an der Universität häufig zusätzliche Prüfungen erbringen, um zur Promotion zugelassen zu werden. Das soll Baier zufolge künftig nicht mehr grundsätzlich der Fall sein, sondern nur wenn es in Einzelfällen sinnvoll erscheint.

Kooperative Promotionen

  • Bayern

    In Bayern liegt die Zahl der Hochschulabsolventen, die kooperativ promovieren, aktuell bei rund 500.

  • OTH Regensburg

    An der OTH Regensburg laufen derzeit 70 kooperative Promotionen, davon 40 mit bayerischen Universitäten.

  • OTH Amberg-Weiden

    An der OTH Amberg-Weiden gibt es aktuell acht kooperative Promotionsvorhaben an Universitäten in Bayern, in anderen Bundesländern und im Ausland.

„Durch die Verbundpromotion werden klare und verbindliche Strukturen für unsere Promovierenden geschaffen“, so Baier. Mehr Planungssicherheit lobt auch sein Amtskollege Prof. Dr. Erich Bauer, Präsident der OTH Amberg-Weiden. Die Suche nach einem universitären Betreuer für die Promotion werde künftig deutlich erleichtert, sagt Prof. Dr. Peter Sperber, Präsident der TH Deggendorf. Zudem würden durch die gemeinsamen Promotionskollegs auch die formalen Zugangshürden für Doktoranden aus den Hochschulen abgebaut. Da die HAW-Professoren künftig als Betreuer, Gutachter und Prüfer gleichberechtigt in das Promotionsverfahren eingebunden sind, wird auf der Promotionsurkunde neben der Universität auch die beteiligte Hochschule genannt – bei der kooperativen Promotion war das bislang nicht der Fall.

Diskussion um das Promotionsrecht

Eines ändert sich jedoch auch bei der Verbundpromotion nicht: Das Promotionsrecht liegt weiterhin alleine bei den Universitäten. Dort wird traditionell gleichermaßen gelehrt und geforscht, während die Fachhochschulen zu Beginn auf ein praxisorientiertes Studium ohne wissenschaftlichen Anspruch ausgerichtet waren. Mittlerweile wurde die anwendungsorientierte Forschung an den Hochschulen jedoch deutlich ausgebaut, weshalb es seit Jahren eine Auseinandersetzung darüber gibt, ob sie nicht auch das Promotionsrecht erhalten sollten.

„Wir hätten uns ein institutionelles Promotionsrecht für forschungsstarke Einheiten an Hochschulen unter Einbindung universitärer Gutachter gewünscht“, sagt Sperber. Die jetzt erreichte Lösung sei aber schon ein sehr guter Schritt in die richtige Richtung. Baier und Bauer zeigten sich mit dem von den Verbünden Universität Bayern und Hochschule Bayern ausgehandelten Modell der Verbundpromotion zufrieden. „Wir haben mit dem neuen Bayerischen Wissenschaftsforum einiges erreicht, die gelebte Praxis der nächsten Jahre wird zeigen, wo wir noch nachjustieren müssen“, so Bauer.

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