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Engagement

Verein bringt Europa an die Universität

Die Mitglieder von „Junges Europa“ organisieren Veranstaltungen mit prominenten Referenten – und lernen selbst viel dazu.
Von Louisa Knobloch, MZ

Mitglieder des Vereins „Junges Europa“ mit dem früheren ARD-Auslandskorrespondenten Robert Hetkämper: An der Universität Regensburg sprach er über das Thema „Journalismus zwischen den Kulturen“.
Mitglieder des Vereins „Junges Europa“ mit dem früheren ARD-Auslandskorrespondenten Robert Hetkämper: An der Universität Regensburg sprach er über das Thema „Journalismus zwischen den Kulturen“. Foto: Junges Europa

Regensburg.„Europa geht uns alle an“ – unter diesem Motto setzt sich der studentische Verein „Junges Europa“ an der Universität Regensburg seit seiner Gründung 1999 dafür ein, den europäischen Gedanken zu stärken und eine lebendige Diskussionskultur auf dem Campus zu fördern. „Im Hochschulalltag ist jeder nur mit dem eigenen Fach und den dortigen Kommilitonen beschäftigt“, sagt Katharina Späth, die Vorsitzende des Vereins. „Die Auseinandersetzung mit gesellschaftlich und politisch relevanten Themen kommt da oft zu kurz“, findet die Studentin, die derzeit ihren Master in Demokratiewissenschaft macht.

Diese Lücke will der Verein mit seinem Programm schließen: Jedes Semester organisieren die Mitglieder Vorträge und Podiumsdiskussionen zu aktuellen Themen. Am 3. Mai geht es um Sterbehilfe: Hat ein Mensch das Recht, seinem Leben selbst mithilfe eines Arztes ein Ende zu setzen oder sollte Sterbehilfe untersagt sein? Darüber werden zwei Ärzte und zwei Medizin-Ethiker diskutieren. Im vergangenen Jahr standen Themen wie die Asyl- und Migrationspolitik der Europäischen Union, die Freihandelsabkommen TTIP und CETA oder das Verhältnis zwischen Russland und der EU auf dem Programm. „Eine Herausforderung besteht darin, bei der Planung schon mehrere Monate im Voraus zu bedenken, was dann aktuell sein könnte“, sagt Johanna Freund, die beim Verein für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist.

Aktuelle Veranstaltungen

  • Informationsveranstaltung:

    Der Verein „Junges Europa“ stellt sich am Mittwoch, 27. April, um 19 Uhr im Café Couch (Nebenraum) in Regensburg vor.

  • Podiumsdiskussion:

    „Letzter Wille Sterben – Darf dem letzten Willen mithilfe eines Arztes nachgegangen werden?“ am 3. Mai um 18 Uhr an der Universität Regensburg (H4)

  • Vortrag:

    „Berichterstattung der humanitären Katastrophe an den EU-Außengrenzen“ von Erich Rathfelder (Auslandskorrespondent Balkanstaaten der taz) am 8. Juni um 18 Uhr an der Universität Regensburg (H4)

  • Podiumsdiskussion:

    „Rechtsruck in Europa – warum gewinnen Rechtspopulisten so stark an Einfluss?“ am 28. Juni um 18 Uhr an der Universität Regensburg (H4)

Viele Politiker waren schon zu Gast

Mit Michael Gotschlich (Bayerisches Wirtschaftsministerium), Ludwig Maier (DGB Bayern) und Anton Hofreiter (Bündnis 90/Die Grünen) diskutierten die Vereinsmitglieder am 12. Mai 2015 die Frage „Fairer Handel durch TTIP, CETA, TISA und Co.?“.
Mit Michael Gotschlich (Bayerisches Wirtschaftsministerium), Ludwig Maier (DGB Bayern) und Anton Hofreiter (Bündnis 90/Die Grünen) diskutierten die Vereinsmitglieder am 12. Mai 2015 die Frage „Fairer Handel durch TTIP, CETA, TISA und Co.?“. Foto: Junges Europa

Frühzeitige Planung ist wichtig, denn die prominenten Gäste, die vom Verein eingeladen werden, haben oft einen sehr vollen Terminkalender. „Für die Podiumsdiskussion zur Sterbehilfe hatten wir auch den Präsidenten der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, angefragt“, berichtet Vorstandsmitglied Christian Wapenhensch. „Leider hat er abgesagt.“ Viele andere waren dafür schon da: Der frühere Bundesinnenminister Gerhart Baum (FDP), Sahra Wagenknecht (Die Linke) oder Claudia Roth und Anton Hofreiter von den Grünen. Weit oben auf der Wunschliste von Katharina Späth steht noch Martin Schulz, der Präsident des Europa-Parlaments.

Mit solchen Personen ins Gespräch zu kommen – bei der Veranstaltung selbst oder beim gemeinsamen Abendessen im Anschluss – sei sehr bereichernd, findet Johanna Freund. Der Psychologie-Studentin gefällt an der Arbeit im Verein außerdem, „dass man Studierende aus anderen Fakultäten kennenlernt und gemeinsam etwas auf die Beine stellt.“ Durch das Engagement könne man sich selbst verwirklichen, findet auch Christian Wapenhensch – etwa, indem man eine Veranstaltung zu einem Thema organisiert, das einen auch persönlich besonders interessiert, oder einen speziellen Gast dazu einlädt.

Zum Thema „Deutschland und Saudi-Arabien – Chancen und Risiken einer Partnerschaft“ diskutierten am 11. Juni 2015 Dr. Dr. h.c. Harald Kindermann (Generalsekretär der DGAP), S.E. Prof. Dr. Ossama bin Abdul Majed Shobokshi, außerordentlicher und bevollmächtigter Botschafter Saudi-Arabiens, Moderator Dr. René Rieger (MEIA Research), Dr. Michael Krennerich (Nürnberger Menschenrechtszentrum) und Paul Walf (Bundesverband der deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie e.V.).
Zum Thema „Deutschland und Saudi-Arabien – Chancen und Risiken einer Partnerschaft“ diskutierten am 11. Juni 2015 Dr. Dr. h.c. Harald Kindermann (Generalsekretär der DGAP), S.E. Prof. Dr. Ossama bin Abdul Majed Shobokshi, außerordentlicher und bevollmächtigter Botschafter Saudi-Arabiens, Moderator Dr. René Rieger (MEIA Research), Dr. Michael Krennerich (Nürnberger Menschenrechtszentrum) und Paul Walf (Bundesverband der deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie e.V.). Foto: Gabi Schönberger

Auch für ihr späteres Berufsleben könnten die Vereinsmitglieder viele Erfahrungen sammeln, ist Katharina Späth überzeugt. „Von Veranstaltung zu Veranstaltung wächst man an seinen Aufgaben, man wird souveräner, reagiert professioneller.“ Als ein Beispiel nennt sie den Besuch des saudi-arabischen Botschafters im vergangenen Sommer. „Eines unserer Vereinsmitglieder hat ihn vom Flughafen in München abgeholt. Während der Fahrt Small Talk zu machen, während hinten zwei Sicherheitsbeamte im Auto sitzen, ist eine Herausforderung.“

Neue Mitglieder sind willkommen

Finanziert werden die Veranstaltungen aus Mitgliedsbeiträgen. Zehn Euro pro Semester werden dafür fällig. „Das sollte sich jeder leisten können“, sagt Vorstandsmitglied David Metzger. Etwa 120 Mitglieder hat der Verein derzeit, davon zehn bis 15 Aktive. „Neue Mitglieder sind jederzeit willkommen“, sagt Späth. Das Studienfach ist egal, allerdings gibt es eine Altersgrenze von 32 Jahren für aktive Mitglieder. Wer darüber liegt, kann dem Verein als Fördermitglied beitreten.

Der Vorstand des Vereins „Junges Europa“: Hannah Riede, Christian Wapenhensch, Katharina Späth, David Metzger und Johanna Freund (v.l.)
Der Vorstand des Vereins „Junges Europa“: Hannah Riede, Christian Wapenhensch, Katharina Späth, David Metzger und Johanna Freund (v.l.) Foto: Knobloch

Die Veranstaltungen finden zwar in der Regel auf dem Campus statt, „Junges Europa“ will aber auch das städtische Publikum ansprechen. Wenn dann – wie etwa beim Thema TTIP – rund 200 Besucher in den Hörsaal strömen und sich eine angeregte Diskussion zwischen Referenten und Publikum entspinnt, dann können die Vereinsmitglieder zufrieden sein.

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