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Jubiläum

Von Martin Wiese bis zum NSU

Bernd von Heintschel-Heinegg war an vielen großen Verfahren beteiligt. Zum 70. Geburtstag würdigen Kollegen den Juristen.
Von Louisa Knobloch, MZ

Für Aufsehen sorgte der Prozess gegen den Neonazi Martin Wiese 2004 in München. Bernd von Heintschel-Heinegg war damals Vorsitzender Richter am Bayerischen Obersten Landesgericht.
Für Aufsehen sorgte der Prozess gegen den Neonazi Martin Wiese 2004 in München. Bernd von Heintschel-Heinegg war damals Vorsitzender Richter am Bayerischen Obersten Landesgericht. Foto: dpa

Regensburg.Auch mit 70 Jahren denkt Prof. Dr. Bernd von Heintschel-Heinegg noch nicht daran, kürzerzutreten. Der Jurist, der am Mittwoch (24. Juni) seinen runden Geburtstag feierte, wertet seit Dezember 2014 als Ermittlungsbeauftragter Akten für die NSU-Untersuchungsausschüsse der Landtage in Baden-Württemberg, Hessen und Nordrhein-Westfalen aus. Daneben ist er als Rechtsanwalt mit den Schwerpunkten Familienrecht und Strafrecht in der Straubinger Kanzlei Wittmann & Kollegen tätig und hält als Honorarprofessor zusammen mit seinem Kollegen, dem Strafrechtler Dr. Jan Bockemühl, Vorlesungen und Seminare an der Universität Regensburg.

An die damals neugegründete Universität war Heintschel-Heinegg nach zwei Semestern in München 1968 gewechselt. Nach der Mindeststudienzeit von sieben Semestern schloss er sein Studium der Rechtswissenschaft 1970 mit dem Ersten Staatsexamen ab. „Seitdem bin ich der Universität Regensburg immer treu geblieben“, sagt Heintschel-Heinegg. Während seiner Zeit als Rechtsreferendar arbeitete er als wissenschaftlicher Assistent, später als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Straf- und Strafprozessrecht seines Doktorvaters Prof. Dr. Hans-Joachim Hirsch. 1975 schloss er seine Promotion über „Die Gewalt als Nötigungsmittel im Strafrecht“ ab.

Aufsehenerregende Prozesse

Im selben Jahr trat Heintschel-Heinegg in den bayerischen Justizdienst ein, zunächst als Staatsanwalt, später als Richter am Amtsgericht Straubing. Am 1. April 1993 wurde er zum Richter am Oberlandesgericht Nürnberg ernannt. Ab 1996 leitete er als Oberstaatsanwalt die Zweigstelle der Staatsanwaltschaft Regensburg in Straubing. Zum 1. Februar 2000 wurde Heintschel-Heinegg Richter, 2004 Vorsitzender Richter am Bayerischen Obersten Landesgericht in München. Nach dessen Auflösung 2006 war er bis zu seinem 65. Lebensjahr als Vorsitzender Richter am Oberlandesgericht München tätig.

Für Aufsehen sorgte etwa der Prozess gegen den Neonazi Martin Wiese wegen des geplanten Sprengstoffanschlags auf die Grundsteinlegung des neuen Jüdischen Kulturzentrums 2003 in München, den Heintschel-Heinegg als Vorsitzender Richter leitete. Er verhandelte mit dem Staatsschutzsenat auch zwei Prozesse zur islamistischen Terrorgruppe Ansar al Islam. „Das waren die ersten Prozesse in Deutschland, die sich mit Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung befassten“, erinnert er sich.

Einblicke in die rechte Szene

Als Ermittlungsbeauftragter des NSU-Untersuchungsausschusses – zunächst im Deutschen Bundestag, nun in den Landtagen – hat er erneut Einblicke in die rechte Szene bekommen. Die Aufarbeitung der Taten des NSU sei auch ein Stück Zeitgeschichte. „Es ist spannend, da mitarbeiten zu können“, sagt Heintschel-Heinegg. Wichtig sei es, die Fälle verhältnismäßig zeitnah aufzuklären und nicht mit so großen zeitlichen Abstand wie es jetzt beim Oktoberfest-Attentat der Fall sei.

Werdegang und Würdigung

  • Studium

    Geboren wurde Bernd von Heintschel-Heinegg am 24. Juni 1945 in Reichenberg/Tschechien. Nach Abitur und Wehrdienst studierte er von 1967 bis 1970 in München und Regensburg Rechtswissenschaften.

  • Justizdienst

    Von 1975 bis 2010 war er im bayerischen Justizdienst tätig, u.a. als Vorsitzender Richter am Bayerischen Obersten Landesgericht und später am Oberlandesgericht München. Seit 2010 arbeitet er als Rechtsanwalt in Straubing.

  • Lehre

    Seit seiner Promotion 1975 übernahm Heintschel-Heinegg regelmäßig Lehraufträge an der Universität Regensburg. 1997 wurde er zum Honorarprofessor für Strafrecht und Strafprozessrecht ernannt.

  • Festschrift

    Mit einer Festschrift zum 70. Geburtstag würdigen die drei Regensburger Lehrstuhlinhaber für Strafrecht, Prof. Dr. Katrin Gierhake, Prof. Dr. Henning Ernst Müller und Prof. Dr. Tonio Walter, sowie Dr. Jan Bockemühl als Herausgeber die Verdienste von Bernd von Heintschel-Heinegg um die Rechtswissenschaft und Rechtspraxis.

Nachdem er mit 65 Jahren aus dem aktiven Justizdienst ausgeschieden war, erhielt Heintschel-Heinegg 2010 die Zulassung als Rechtsanwalt in Straubing. An der Universität Regensburg hatte er seit Abschluss seiner Promotion immer wieder Lehraufträge übernommen. 1997 wurde er zum Honorarprofessor für Strafrecht und Strafprozessrecht ernannt. Heute sei der Frauenanteil in der Rechtswissenschaft sehr viel höher als noch zu seiner Studienzeit, hat Heintschel-Heinegg festgestellt. „Ich hoffe, dass ich den Studenten etwas mitgeben kann – Berufsethos und Einblicke in die Praxis.“ In den Seminaren würden auch aktuelle Fälle diskutiert.

Dass Kollegen und Weggefährten ihn zum 70. Geburtstag mit einer umfangreichen Festschrift würdigen, sei eine „große Ehre und Freude“, wie Heintschel-Heinegg im Gespräch mit der MZ betont. Überreicht wird das im C.H. Beck-Verlag erschienene Werk mit mehr als 40 Beiträgen am Freitagabend im Haus Heuport.

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