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Förderung

Zu guten Leistungen angestiftet

Junge Talente profitieren von Stipendien nicht nur finanziell. Kontakte entstehen und sozialer Einsatz wird gewürdigt.
Von Dagmar Unrecht

Jura-Studentin Pia Wilczek ist Deutschlandstipendiatin an der Universität Regensburg. Foto: Lex
Jura-Studentin Pia Wilczek ist Deutschlandstipendiatin an der Universität Regensburg. Foto: Lex

Regensburg.Die Idee kam von Mama: „Bewirb dich für ein Stipendium, du hast doch so gute Noten.“ Pia Wilczek aus Wasserburg am Inn hat sich diesen Rat zu Herzen genommen – und ist heute Deutschlandstipendiaten an der Universität Regensburg. Die 23-Jährige studiert Jura im siebten Fachsemester und bereitet sich gerade auf ihr erstes Staatsexamen vor. Auch Michael Simon aus Tännesberg in der nördlichen Oberpfalz ist Stipendiat. Die Biologielehrerin seines Bruders brachte ihn auf die Idee, sich bei der Regensburger „Scheubeck-Jansen Stiftung“ zu bewerben, die „Talente aus der Praxis“ fördert. Der 21-Jährige hat bereits eine Berufsausbildung als „Mechatroniker für Automatisierungstechnik“ absolviert und studiert heute im dritten Semester Maschinenbau an der OTH Regensburg. Eine hohe Leistungsbereitschaft, gute Noten und dazu eine Portion Ehrgeiz – das haben beide Stipendiaten gemeinsam. Ihre bisherigen Berufswege sind allerdings recht verschieden.

Als Michael Simon 2012 die Realschule mit einer glatten Zwei abschließt, freut er sich darauf, endlich praktisch zu arbeiten und Geld zu verdienen. Der damals 16-Jährige wird Auszubildender bei der Firma Witron, die Logistiksysteme entwickelt. Ein Jahr verbringt er in der Fertigung, dann wechselt er ins Büro und beschäftigt sich mit dem Aufbau und der Simulation von Anlagen. Das Thema Maschinenbau fasziniert ihn immer mehr. „Mir wurde klar, dass man mit einer Ausbildung eher eingeschränkt ist“, erzählt Michael Simon. Er kann seine Ausbildung um sechs Monate auf insgesamt drei Jahre verkürzen und schließt 2015 als bester Lehrling seines Jahrgangs und damit als „Kammersieger“ ab.

Michael Simon war der beste Lehrling seines Jahrgangs. Foto: Lex
Michael Simon war der beste Lehrling seines Jahrgangs. Foto: Lex

Es folgt die BOS in Weiden und ein Jahr später hat Simon sein Fachabitur (Note 1,8) in der Tasche. Heute studiert er im dritten Semester an der OTH Regensburg mit dem Ziel, einen „Bachelor of Engineering“ zu erlangen. Er kann sich auch vorstellen, noch den Master zu machen. Die „Scheubeck-Jansen Stiftung“ – von den Gründerfamilien der Maschinenfabrik Reinhausen im Jahr 2000 errichtet – unterstützt Michael Simon mit 300 Euro im Monat. „Davon kann ich leben, die Miete für meine kleine Wohnung in Regensburg verdiene ich mir in den Semesterferien dazu“, erzählt der Oberpfälzer. So hat er auch Zeit für Sport: Regelmäßiges Krafttraining ist sein Ausgleich zum Studienalltag.

Wertvoller Erfahrungsaustausch

Die finanziellen Freiheiten, die ihm das Stipendium ermöglicht, sind für Michael Simon ein großer Pluspunkt. Er profitiert aber vor allem vom Kontakt zu den anderen Stipendiaten. „Dieser Erfahrungsaustausch ist für mich sehr wertvoll“, sagt der junge Mann. So bekomme er zum Beispiel Tipps fürs Studium oder Informationen über Auslandspraxissemester. Die Stipendiaten referieren bei den regelmäßigen Treffen auch über ihre Praktika und Bachelorarbeiten. „Da kriegt man viel mit.“ Alle kommen aus der Praxis und machen den gleichen Weg.

Lesen Sie auch: Wer als Stifter Gutes tun will, braucht zweierlei: Geld und einen Zweck. Vom Engagement profitiert die Gesellschaft.

Den Rücken freihalten

Pia Wilczek beschreibt ihre Verbindung zu den anderen Deutschlandstipendiaten an der Universität Regensburg – gut 70 sind es derzeit – als „loses Netzwerk“. Zentrales Treffen sei die alljährliche Stipendienvergabefeier. Darüber hinaus gebe es keinen regelmäßigen Austausch, erzählt die angehende Juristin. Ein Treffen sei aber in Planung. Mit Deutschlandstipendien werden Studenten aus den verschiedensten Fachbereichen gefördert. Jedes Jahr müssen sich die Kandidaten erneut bewerben.

Auch Pia Wilczek erhält 300 Euro pro Monat – die eine Hälfte kommt bei ihr aus Bundesmitteln, die andere stammt von einem privaten Förderer aus dem Raum Regensburg, der nicht öffentlich genannt werden möchte. Pia Wilczek kennt ihren Gönner persönlich. „Das ist spannend, denn solche Menschen trifft man sonst nicht.“ Einen Erwartungsdruck spüre sie nicht. „Er freut sich, wenn es bei mir gut läuft und er mit den Rücken freihalten kann.“

Möglichkeiten ausschöpfen

Die Oberbayerin beschreibt sich selbst als aktiv und ehrgeizig. Sie sei bereit, Dinge auszuprobieren und versuche, Möglichkeiten, die sich böten, auszuschöpfen. Warum gerade sie als Stipendiatin ausgewählt wurde, darüber kann die junge Frau nur mutmaßen. Ihre hervorragende Abiturnote (1,1) hat dabei sicher eine Rolle gespielt. Deutschlandstipendiaten sollen laut Stipendienbeschreibung aber nicht nur leistungswillig sein, sondern auch gesellschaftliches und soziales Engagement vorweisen. Pia Wilczek war als Schülerin Klassensprecherin, gab Nachhilfe und spielte in der Gottesdienstband. Nach dem Abitur 2012 unterrichtete sie in Indien an einer Klosterschule drei Monate lang Englisch. Als Studentin war sie anfangs in der Fachschaft aktiv, heute arbeitet sie als studentische Hilfskraft und engagiert sich für das Projekt „Refugee Law Clinic Regensburg“ (RLC). Dabei handelt es sich um eine studentisch organisierte, ehrenamtliche Initiative, die Geflüchteten eine kostenlose Rechtsberatung bietet. Das Projekt war dieses Jahr auch für den Sparkassen-Bürgerpreis nominiert.

Pia Wilczek engagiert sich für das Projekt „Refugee Law Clinic Regensburg“ (RLC). Foto: Lex
Pia Wilczek engagiert sich für das Projekt „Refugee Law Clinic Regensburg“ (RLC). Foto: Lex

„Das Stipendium macht mich unabhängiger“, sagt Pia Wilczek. Sie werde zwar auch von den Eltern unterstützt, habe aber durch die zusätzliche Finanzspritze mehr Zeit – zum Lernen, für ihr soziales Engagement und auch für Sport. Sie spielt regelmäßig Volleyball und gehört zu den Parkour-Sportlern der Universität Regensburg – dabei geht es darum, ohne technische Hilfsmittel Hindernisse zu überwinden, zum Beispiel über Mauern zu klettern. Körperbeherrschung und Präzision stehen dabei für Pia Wilczek im Mittelpunkt. „Ich mache keine gefährlichen Sachen.“

Dass das Deutschlandstipendium politisch unabhängig ist, also keine Partei im Hintergrund steht, war für Pia Wilczek ein wichtiges Kriterium. Dazu kommt, dass das Stipendium Türen öffnet, zum Beispiel bei der Bewerbung um Praktika. „Außerdem empfinde ich die Förderung als persönliche Bestätigung“, sagt die junge Frau.

Seit 25 Jahren engagiert sich die Regensburger Universitätsstiftung. Lesen Sie hier ein Interview mit den beiden Vorständen.

Anderer Blickwinkel

Für Michal Simon war die Entscheidung, nach der Lehre weiterzulernen und zu studieren, goldrichtig. Sein Stipendium erleichtert ihm diesen Weg. Heute profitiert er von den praktischen Erfahrungen. „Durch meine Ausbildung habe ich einen anderen Blickwinkel“, erzählt er. So erkenne er zum Beispiel, ob eine Konstruktion auch praxistauglich sei. Spaß am handwerklichen Arbeiten hat er noch immer. Zum Beispiel schraubt er zu Hause bei seinen Eltern in Tännesberg an alten landwirtschaftlichen Maschinen herum, die noch aus dem ehemaligen bäuerlichen Betrieb der Großeltern stammen. Zusammen mit seinem Vater baut er auch Holzmöbel, zuletzt ein neues Bett für seinen eineinhalb Jahre jüngeren Bruder. Nach dem Studium möchte Michael Simon gern in einer großen Firma in der Region arbeiten, am liebsten im Bereich Konstruktion. Fürs kommende Jahr plant er ein Auslandspraktikum in den USA.

Pia Wilczek wird sich in den kommenden Monaten auf ihr erstes Staatsexamen konzentrieren. Wo es beruflich hingehen soll, kann sie noch nicht sagen. „In Jura entscheidet sich viel über die Note.“ Das Fach macht ihr Spaß. Ganz besonders interessant findet sie es, sich darüber Gedanken zu machen, „warum unser Recht so ist, wie es ist“, erzählt sie. Durch ihr Stipendium habe sie viel Gutes erfahren. „Ich kann mir vorstellen, selbst auch einmal Förderer zu werden.“

Die „Scheubeck-Jansen Stiftung“ wurde von den Gründerfamilien der Maschinenfabrik Reinhausen (MR) in Regensburg errichtet. Dr. Nicolas Maier-Scheubeck, Geschäftsführer der MR, ist als Stifter vielseitig engagiert. Warum er sich besonders im Bereich Forschung und Bildung engagiert, lesen Sie hier.

Weitere Berichte aus Bayern finden Sie hier.

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