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Zuwanderungsstopp für die PT-Bib

„Medis raus!“ – Zwei PT-Studenten wollen den „Umtrieben“ der Mediziner im Philosophicum I und II ein Ende bereiten.
Von Ramona Rangott, MZ

Gegenüber unserem Medienhaus vertrauten sich die Urheber der „Bürgerbewegung Philosophicum I und II“ an und sprachen offen über die Sorgen und Nöte strebsamer PT-Studenten. (Foto: Tarek/Felix)
Gegenüber unserem Medienhaus vertrauten sich die Urheber der „Bürgerbewegung Philosophicum I und II“ an und sprachen offen über die Sorgen und Nöte strebsamer PT-Studenten. (Foto: Tarek/Felix)

Regensburg.Durch die Universität Regensburg, genauer gesagt durch die Gänge des Philosophie/Theologie-Gebäudetraktes, schwirrt das Gespenst der Revolution. In den letzten drei Wochen seit Beginn der Prüfungsphase in den Räumlichkeiten der Geisteswissenschaftler konnte die „Bürgerbewegung Philosophicum I und II“ bereits zahlreiche Anhänger und Gesinnungsgenossen um sich scharen. Das einende Ziel: „Medis raus aus der PT-Bib!“ Wie immer während der heißen Zeit der Klausurenphase strömen dutzende fachfremde Studenten in die großen Hallen des Philosophicums – natürlich zum Leidwesen aller fleißig studierenden PT-Studenten, die, aufgrund solch massenhaften Andrangs, keine Sitzplätze mehr in der Bibliothek ergattern können oder an der Schlüsselausgabe gleich gar keine Spindschlüssel mehr bekommen.

Gegenüber unserem Medienhaus vertrauten sich die Urheber der „Bürgerbewegung Philosophicum I und II“ an und sprachen offen über die Sorgen und Nöte strebsamer PT-Studenten. (Foto: Tarek/Felix)
Gegenüber unserem Medienhaus vertrauten sich die Urheber der „Bürgerbewegung Philosophicum I und II“ an und sprachen offen über die Sorgen und Nöte strebsamer PT-Studenten. (Foto: Tarek/Felix)

„Wir haben gar keine Schließfächer mehr, obwohl wir das ganze Semester hindurch Stammgäste sind. Nur weil diese Leute sich jetzt zwei Tage vor den Prüfungen einbilden, ihr schlechtes Gewissen auf die Schnelle in der PT absitzen zu können“, so der 22-jährige Politikwissenschaftsstudent Felix, der sich mit dem gleichaltrigen Psychologiestudenten Tarek nun zur Wehr setzen möchte. Beide Studenten kommen ursprünglich aus der naturwissenschaftlichen Welt jenseits des Uni-Teichs – allerdings erkannten die beiden frühzeitig, „dass der höchste Zustand der Selbstaktualisierung, des Tätigwerdens zugunsten von Autonomie und Selbstständigkeit, nur über ein Studium in den Räumlichkeiten der PT zu erreichen ist.“ Ergänzt wird das Duo von dem anonymen Undercover-Ermittler „AgentZero“, 24 Jahre alt und angehender Lehramtsstudent. Zusammen riefen sie die Satire-Seite „Bürgerbewegung Philosophicum I und II“ ins Leben.

Nicht immer so leer – die PT-Bib an der Universität Regensburg. Regelmäßig in der Prüfungszeit werden die Räumlichkeiten von einer Welle fachfremder Studenten übeflutet. (Foto: Tarek/ Felix)
Nicht immer so leer – die PT-Bib an der Universität Regensburg. Regelmäßig in der Prüfungszeit werden die Räumlichkeiten von einer Welle fachfremder Studenten übeflutet. (Foto: Tarek/ Felix)

Die PT-Bib – ein Eldorado für fachfremde Studenten

Die PT-Bib steht bei fachfremden Studenten hoch im Kurs. „Dies rührt insbesondere daher, dass man hier alles finden kann, was man braucht: Bezahlbaren Kaffee, bei niedriger Auslastung Internet, Plätze zum Rauchen, für die späteren Stunden auch gekühlten Alkohol und – das ist das wichtigste – unfassbar viel Wissen, bändeweise“, erklärt Felix. Doch auch hübsche Deutsch-auf-Lehramt-Studentinnen, welche sich zuhauf in dem laut Bibliotheksführerin zweitgrößten Lesesaal Deutschlands tummeln, seien ein Grund für die Zuwanderung der Fachfremden. „Wir haben definitiv die schöneren Frauen“, so Psychologiestudent Tarek augenzwinkernd, „ Da die meisten, die zu uns rüberkommen, junge Männer ohne Frau und Familie zwischen 20 und 25 sind, dürfte das sicher ein ausschlaggebender Faktor sein.“ Die Invasoren kämen aus verschiedenen Fachbereichen, Juristen seien darunter, BWLer, Medinizer und andere „Formeljongleure“, erläutert Felix die derzeitigen Zuwanderungsströme. „.Es erweckt den Anschein, als hätten sie keine Heimatbibliothek, die haben sie allerdings sehr wohl und dahin sollen sie doch bitte auch zurückkehren.“

Die facebooknutzenden PT-Studenten sollen über die Informationsseite der Bürgerbewegung nun für dieses Problem sensibilisiert werden. Manche Situationen stellen die Schöpfer der Facebook-Seite bewusst überspitzt dar, humorvoll und etwas chauvinistisch, ohne dabei aber über den ernsten Hintergrund hinwegzutäuschen.

Die PT-Bib bietet fleißigen Studenten viele Vorzüge – gekühltes Feierabendbier und massig Plätze zum Rauchen und Entspannen gehören dazu. (Foto: Tarek/ Felix)
Die PT-Bib bietet fleißigen Studenten viele Vorzüge – gekühltes Feierabendbier und massig Plätze zum Rauchen und Entspannen gehören dazu. (Foto: Tarek/ Felix)

Jemand hat die Absicht, eine Mauer zu erbauen

Konkrete Pläne, wie die unbegrenzte Zuwanderung fachfremder Studenten unterbunden werden kann, haben die Aktivisten bereits im Auge. „Eine Mauer ist sicherlich ein handfester Plan“, äußert Tarek. „ Auf der anderen Seite müssen wir auch zugeben, dass von verschiedenen Seiten Bedenken geäußert wurden, auf die wir natürlich eingehen müssen. Zum Beispiel sind wir uns nicht sicher, ob der Boden tragfähig genug für eine Mauer ist. Wenn man sich den Rest der Uni so ansieht, gibt es Grund zum Zweifel, dass so ein Bauwerk lange hält.“ Im Falle eines Mauerbaus wäre es selbstverständlich an der Fachschaft für Humanmedizin die Kosten zu tragen, wogegen diese aber weiterhin Einspruch erhebt. Eine andere Alternative wäre die Einführung eines goldenen Bibliotheksausweises. Dieser soll regelmäßigen Besuchern der PT-Bib Schlüssel für die Spinde im Innenraum garantieren.

Tipps für Heimat-PTler

Wichtig ist insbesondere, den PT-Studenten an der Basis Möglichkeiten aufzuzeigen, sich von lästigen Bib-Besetzern zu befreien. Juristen und sonstige „Zahlenkobolde“ seien dabei noch relativ einfach zu verscheuchen, so die beiden PT-Verteidiger. Bei den „Rechtsverdrehern“ würde es reichen, „Paragraphen zu erfinden, die Ihnen von Uni-Seite einen angeblich Einmarsch im PT-Land verbieten“ – gesetzestreu wie die Juristen sind, würden sie danach kommentarlos das Feld räumen. Für den Umgang mit Naturwissenschaftlen raten die beiden Köpfe der Bürgerbewegung vor allem den PT-Studentinnen, nicht mit Reizen zu geizen und sich etwas „flirty“ zu geben. Die im Umgang mit attraktiven Personen des anderen Geschlechts sehr schreckhaften „Kampfrechner“, würden daraufhin verwirrt zurück über den Uni-Teich flüchten. „Am schwierigsten ist es allerdings, die Mediziner loszuwerden. „Gerade in der Phase vor ihrem Physikum, vom Lernstress geplagt und den NC von 1,0 als Schulterverbreiterung im Nacken, sind sie selbstbewusst und im Tunnel. Unserer Erfahrung nach würden hier nur laute, erschreckende Geräusche helfen, die allerdings in der Bib untersagt sind, was unser Anliegen umso schwieriger gestaltet“, gibt Felix zu Bedenken. Für die Heimat-PTler haben die beiden Aktivisten daher ein paar Survival-Tipps für die Begegnung mit Medizinern zusammengetragen:

Fünf Tipps für PT-Studenten

  • Tipp 1:

    Tragt eine Warnweste. Jeder respektiert den Typen in der Warnweste.

  • Tipp 2:

    Sprecht ihn an. Langsam und deutlich, vielleicht versteht er euch nicht auf Anhieb.

  • Tipp 3:

    Bietet ihm an, ihm den Weg zum Klinikum zu erklären.

  • Tipp 4:

    Nimmt er das nicht an, nehmt ihm den Prometheus weg und macht euch auf den Weg Richtung Medi-Bib. In 2 von 3 Fällen wird er euch widerstandslos folgen.

  • Tipp 5:

    Falls das alles nicht klappt, schreibt einen Protestbrief an Udo Hebel.

Wie es nun mit dem Anliegen der zwei PT-Studenten weitergeht, bleibt offen. Allerdings haben die beiden über ihre Facebook-Seite vielfach positiven Zuspruch erhalten, was zeigt, dass sie bei ihren geisteswissenschaftlichen Kommilitonen einen Nerv getroffen haben. Und auch eine Szene, die sich jüngst in der PT-Bibliothek abspielte, sollte Grund genug sein, die Aktion weiterhin zu unterstützen, damit sich Vorfälle wie diese nicht wiederholen: Ein von der Situation in der PT-Bib frustrierter Geisteswissenschaftler fegte aus lauter Verzweiflung seinen Arbeitstisch leer, warf seine Flasche in die Regale und verließ mit den Worten „F... diese Scheiße, ich mach‘ ne Ausbildung!“ fluchtartig den PT-Lesesaal.

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