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Auftritt

Artisten zeigen bei Gala an der Uni ihr Können

Artistik und Abschied: Marion und Alexander Lenz geben ihre letzte Show beim 12. Akrobatikfestival im Sportzentrum.
von Flora jädicke, mz

Romantik und Akrobatik zu dynamischen Sounds und eine furiose Choreografie begeistern das Publikum. (Foto: Lex)

Regensburg. Im Hochschulsport an der Universität Regensburg hat sich die Welt auf den Kopf gestellt. Oder besser gesagt auf die Hände. Kerzengerade ragen Beine und Fußspitzen der zierlichen Frau in die Höhe. Und doch sieht man bei diesem Präzisionshandstand, zwischen Kosmetikkoffern und Kostümteilen: Da ist jeder Muskel trainiert, schon seit den Kindertagen. Beim Bodenturnen, beim Gewichtheben bis zur Europameisterschaft und bei unzähligen Akrobatikshows mit Ehemann und Partner Alexander Lenz. „Wie es sich anfühlt, zu gehen? Darüber mache ich mir jetzt keine Gedanken“, sagt Marion Lenz, die nun wieder auf den Füßen steht. „Jetzt genieße ich das Festival und die Show.“ Ein paar letzte Tupfer Make-up, dann zieht sie die Maske über die Augen und verschwindet dahinter in eine Zauberwelt zwischen Akrobatik und Tanz. Ganz nebenbei wird sie die Piratenbraut geben, die ein Kapitän der Donaupiraten (Alexander Lenz) erobert. Die Geschichte „Port Zentrum“ soll den roten Faden zwischen Artistik, Jonglage, Tanz und Comedy bilden.

Die letzte große Gala

Seit 15 Jahren verwandeln der Gewichtheber und die ehemalige DDR-Meisterin im Kunstturnen gemeinsam ihre Muskelenergie in kunstvolle artistische Figuren. Dass sie mit den lebenden Skulpturen dabei immer wieder kreativ die Schwerkraft besiegen, gefällt dem Physiker und der Medizinerin.

Nur wenige Stellwände trennen die Bühne und das Publikum vom Backstage. Im Dämmerlicht dehnen wild kostümierte „Donaupiraten“ die Glieder. Die gut trainierte Akrobatikgruppe des Regensburger Hochschulsports ist das „Baby“ der beiden leidenschaftlichen Akrobaten. Gemeinsam mit dem Leiter des Hochschulsports, Dr. Christoph Kößler, haben sie es aufgezogen. Kößler prüft noch einmal die Technik. Soundfetzen schwirren durch die Halle, bunte Scheinwerfer flackern. Nur noch wenige Minuten, und die große Benefiz-Gala des Akrobatikfestivals beginnt. Nach mehr als einem Jahrzehnt Trainer-Dasein und Festivalleitung wird es für das Duo, das als „forma fortis“ auftritt, die letzte große Gala werden – zumindest hier im Sportzentrum.

Mit einem weinenden Auge

Die spröde Turnhalle ähnelt inzwischen einem gemütlichen Lagerplatz für alle Fans der scheinbar schwerelosen Kraftakte. Auf dicken und dünnen Bodenmatten hocken Zuschauer, hüpfen Kinder herum und auch die Tribüne hoch oben ist jetzt gut gefüllt. 14 Artisten stehen in den Startlöchern. Musik dröhnt. Die rasanten „Tortuga Pirates“ und „Magic Butterflys“ toben rad- und Flick-flack-schlagend über die Bühne. Sie türmen sich zu Menschen-Pyramiden auf, und schon rast das Publikum vor Begeisterung. Mystisch wird es mit „Wings“. Marion Lenz und Christiane Solf verbiegen sich gekonnt und enden als lebendes Knäuel auf einem Stuhl. Der spielt auch in der amüsanten Artistik „Schreibgeschützt“ von „Duotipp“ eine große Rolle. Die elegant verbogene Sekretärin und ihr Handwerker waren einer der Höhepunkte des Abends. Ganz ohne Zweifel gehörten dazu auch Eva-Maria Mihms „Happy Flying“ an einem gigantischen Stoffband, die Balljonglage von Erik Müller-Hochholz und der kaum fassbare Kraftakt von Alexander Neppl und Julia Penn als „Living Flags“.

Wenn dieser Abend ausklingt, geht nicht nur ein großartiges Artistenfestival zu Ende. Dann heben im Publikum Hunderte einen Zettel hoch und sagen: Danke! Auf der Bühne folgen Artisten und MZ-Verlagsleiter Martin Wunnike ihrem Beispiel.

Das international bekannte Akrobaten-Duo „forma fortis“ wird ab dem Wintersemester seine Zelte in Durham aufschlagen, 200 Kilometer südlich von Edinburgh. Für den Physiker ist es das große Los in der für Wissenschaftler ansonsten schwierigen Joblotterie. Er blickt mit „zwei lachenden Augen“ in die Zukunft, auch wenn er gerne in Regensburg geblieben wäre. Jetzt aber steht er inmitten des begeisterten Publikums in einem verwegenen Piratenkostüm und hat ein letztes Mal im Sportzentrum seine Frau kraftvoll und mit ausgeklügelter Koordination in die Lüfte gestemmt, sie fast waagerecht in der Schwebe gehalten. Sohn Leon wuselt vorbei. Für den Achtjährigen war das Festival der Start seiner „Akrobaten-Karriere“. Der erste offizielle Handstand auf Papas Händen ist vollbracht. Und wie fühlt es sich an? „Alles super“, sagt Vater Lenz.

Der quirligen Ärztin fällt der Abschied deutlich schwerer. „Ich gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge, verrät sie schon am Vormittag im Interview, als die rund 200 Teilnehmer des Akrobatikfestivals proben und die Show noch weit entfernt war. Noch mehr aber trifft es Christoph Kößler, den Vater des bei Sportstudenten, Akrobaten und Zuschauern gleichermaßen beliebten Festivals. „Wir waren so etwas wie die drei Musketiere des Hochschulsports“, sagt er. Gemeinsam haben sie das Festival aus der Taufe gehoben und mit wenigen Teilnehmern begonnen. Daraus wurde ein internationaler Event, der inzwischen aus allen Nähten platzt. Aus den Niederlanden, Schweden und der Schweiz kommen die jungen Künstler. „Hier passt einfach alles“, sagt Kößler. „Die Atmosphäre, das Catering und das Niveau der Trainer.“ Nein, nein, mit einem lachenden und einem weinenden Auge sehe er den Weggang seiner Mitstreiter nicht. Das könne er nun wirklich nicht sagen, sagt Kößler und steht dabei mit beiden Beinen fest auf dem Boden. „Das sind schon zwei weinende Augen.“

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