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Ausbildung

„Die meisten machen nur Copy & Paste“

Die Deutsche Bahn und weitere Unternehmen verzichten künftig auf das Bewerbungsanschreiben. - Ein Experte findet: „zu Recht“
Michael Stahl

Der Recruiting-Experte Georgios Papanikolaou hat sich klar zur Zukunft des Bewerbungsanschreibens geäußert. Foto: People Grow
Der Recruiting-Experte Georgios Papanikolaou hat sich klar zur Zukunft des Bewerbungsanschreibens geäußert. Foto: People Grow

Regensburg.Georgios Papanikolaou ist Gründer und Inhaber des Recruiting Unternehmens People Grow mit Sitz in Offenbach am Main. Der Recruiting-Experte wirbt für eine wertebasierte Arbeitswelt. In seiner Vision widmet sich jeder Mensch mit den passenden Aufgaben und im richtigen Umfeld seinen individuellen Talenten.

Als Industriemechaniker und Maschinenbauer berät Georgios Papanikolaou Industrieunternehmen und ermöglicht ihnen neue Wege wie E-Recruiting und Social Profiling, um an die passendsten Mitarbeiter zu gelangen. In einem Interview hat er uns seine Sicht zu modernen Bewerbungsprozessen und Personalentscheidungen allgemein verraten:

Sind Anschreiben und Lebensläufe noch zeitgemäß?

So wie Anschreiben bisher genutzt worden sind, finde ich sie bei der Bewerberauswahl nicht besonders förderlich. Denn die meisten Menschen nutzen das Prinzip Copy-und-Paste und sind dann nicht persönlich und vor allem nicht einzigartig in ihrem Anschreiben. Die Zeit kann man sich und dem adressierten Unternehmen besser sparen. Den Lebenslauf hingegen halte ich noch für wichtig. Allerdings kann er nur als Basis dienen, um die beruflichen Erfahrungen und Stationen eines Werdegangs erfassen zu können. Das dient als grobes Instrument zum Einschätzen, ob der Bewerber bei mir richtig ist.

Sollten Unternehmen stattdessen auf Bewerbungsgespräche und Assessment Center setzen?

Selbstverständlich sind persönliche Gespräche unabdingbar, um einen Menschen besser kennenzulernen. Allerdings nicht nur auf der Basis, wie diese in der Regel geführt werden. Denn in diesen Gesprächen geht es nicht darum, dass ein Bewerber seinen Lebenslauf herunter rattert. Den kann man nachlesen. Auch nicht darum, ob einer Führungskraft und dem Personaler ein Mensch sympathisch ist oder nicht. Ich finde es unerlässlich, den Menschen als solches hinter seiner Bewerberrolle kennenzulernen. Dazu ist es wichtig, eine vertrauensvolle Atmosphäre zu schaffen, indem der „fremde“ Bewerber sich wohlfühlt und öffnen kann. Und ebenso, dass das Unternehmen vorher seine Hausaufgaben gemacht hat: Es muss genau wissen, was seine Unternehmenskultur ist.

Mit welcher Eigenschaft kann man bei Personalentscheidungen besonders punkten? Gibt es etwas, das bei mehreren gleich qualifizierten Bewerbern den entscheidenden Ausschlag gibt?

Natürlich gibt es manchmal Bewerber mit gleichwertigen Abschlüssen und vergleichbaren beruflichen Qualifikationen. Für mich ist das aber nicht ausschlaggebend. Denn diese Menschen besitzen alle unterschiedliche Talente und Eigenschaften, die sie im Unternehmen unterschiedlich einbringen können und die es für ein Unternehmen herauszufinden gilt. Die Antwort kann bei gleichen Qualifikationen auf dem Papier also nur die Persönlichkeit geben und dazu muss das Unternehmen vorher definiert haben, was für einen Menschen es sucht und was zur Kultur und der zu besetzenden Stelle passt. Wird zum Beispiel jemand für den technischen Vertrieb gesucht, sollte er unbedingt Spaß an kommunikativen Vorgängen haben, um erfolgreich zu sein. Andersherum: Wer eine Stelle unbedingt haben will, sollte sich also auch selbst fragen, ob und wie er mit dem Unternehmen und den zu Aufgaben über sich hinaus wachsen kann.

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