MyMz

Serie

Ein grenzüberschreitendes Studium

Im Bachelor Deutsch-Tschechische Studien verbringen die Teilnehmer gemeinsam ein Jahr an der Karls-Uni in Prag und erwerben einen Doppelabschluss.
Von Louisa Knobloch, MZ

  • Im binationalen Bachelorstudiengang Deutsch-Tschechische Studien lernen deutsche und tschechische Studenten gemeinsam: Maximilian Teubner, Verena Nirschl und Martin Marek (v.l.) zeigen auf der Landkarte ihre Herkunftsorte. Foto: Knobloch
  • Prof. Dr. Marek Nekula leitet den Studiengang. Foto: Knobloch
  • Studierende der Deutsch-Tschechischen Studien mit Studiengangsleiter Prof. Dr. Marek Nekula bei einer Exkursion nach München vor der bayerischen Ruhmeshalle mit Bavaria Foto: Ivana Danisch

Regensburg. Es ist Prüfungszeit. Für Karolína Heroldová werden hier die Unterschiede zwischen der Universität Regensburg und ihrer Heimatuniversität in Prag besonders deutlich. „In Regensburg finden alle Prüfungen innerhalb von einer Woche statt“, sagt die 22-Jährige. In Prag seien sie dagegen auf einen Zeitraum von zwei Monaten verteilt. „Hatte man da mal zwei Prüfungen in einer Woche, dachte man schon, das sei kaum zu schaffen.“

Kurse machen fit für Auslandsjahr

Ein anderes Hochschulsystem kennenlernen – das gehört für Heroldová und ihre Kommilitonen aus dem Bachelor Deutsch-Tschechische Studien zum Programm. Seit dem Wintersemester 2007/08 bietet die Universität Regensburg den binationalen Studiengang in Kooperation mit der Karls-Universität Prag an. Pro Jahrgang werden jeweils 15 Teilnehmer von deutscher und tschechischer Seite aufgenommen. „Die Nachfrage in Tschechien ist größer als in Deutschland“, sagt Studiengangsleiter Prof. Dr. Marek Nekula. Ein Grund: Deutsch wird an vielen tschechischen Gymnasien unterrichtet, umgekehrt lernen aber nur wenige deutsche Schüler Tschechisch. Daher werden von deutschen Studienanfängern auch keine Sprachkenntnisse vorausgesetzt, so Nekula. Bewerber auf tschechischer Seite müssen dagegen bei einer Aufnahmeprüfung Deutschkenntnisse nachweisen.

Das erste Studienjahr absolvieren die deutschen und tschechischen Teilnehmer an ihrer jeweiligen Heimatuniversität, das zweite gemeinsam in Prag und das dritte Studienjahr dann in Regensburg. Um die deutschen Studenten fit für ihr Auslandsjahr zu machen, gibt es zusätzlich zur studienbegleitenden Sprachausbildung Intensivsprachkurse in der vorlesungsfreien Zeit. „Dadurch kommt man auf ein gutes Level“, sagt Student Maximilian Teubner. „Sobald man die Sprache anwenden kann, macht es Spaß.“ Der 24-Jährige aus Marktredwitz interessiert sich schon aufgrund seiner Herkunft aus der Grenzregion für Tschechien. „Erst wollte ich nur einen Sprachkurs machen – dann wurde ich im Internet auf den Studiengang aufmerksam.“

Karolína Heroldová hat bereits in der Schule Deutsch gelernt – an der Universität Regensburg Vorlesungen zu hören, sei aber nicht so leicht gewesen. „Auch mit dem Bairischen hatte ich anfangs Probleme“, erzählt sie. Ihr Kommilitone Martin Marek hatte dagegen im Rahmen seines ersten Bachelor-Studiengangs Internationale VWL schon ein Semester in München verbracht. „Da habe ich mich an die deutsche Aussprache gewöhnt“, sagt er.

Neben Sprachkursen und Interkultureller Kommunikation stehen Module zur Sprach-, Literatur- und Wirtschaftswissenschaft sowie zur Geschichte, Geographie und Politik im internationalen Kontext auf dem Lehrplan. „Die Studierenden sollen durch die Wahl der Module, das Praktikum und die Bachelor-Arbeit einen klaren Schwerpunkt entwickeln“, so Nekula.

Praktische Erfahrungen sammeln

Das dreimonatige Praktikum steht zwischen dem vierten und dem fünften Semester an. Karolína Heroldová hat als Assistentin für einen deutschen Journalisten in Prag gearbeitet, Maximilian Teubner hat im Rahmen eines EU-Projekts in Švihov Texte über touristische Sehenswürdigkeiten ins Deutsche übersetzt. Martin Marek hat sein Praktikum bei der deutsch-tschechischen Industrie- und Handelskammer in Prag gemacht. Für manche Absolventen des Studiengangs war dieses Praktikum der Einstieg ins Berufsleben, sagt Nekula – etwa für Zdenka Syrovátková, die bei der Firma IBC SOLAR im Bereich Marketing beschäftigt ist. Neben den Marketingabteilungen von international agierenden Unternehmen und Organisationen wie LAG Brückenland Bayern-Böhmen haben Absolventen des Studiengangs auch bei Medienunternehmen wie dem Springer Verlag oder Bildungs- und Kulturinstitutionen wie dem Goethe-Institut Arbeit gefunden. In Tschechien gibt es rund 6000 Unternehmen mit deutschsprachiger Beteiligung.

Heroldová, Teubner und Marek wollen ihr Studium jedoch mit einem Master fortführen, wenn sie ihren Doppelabschluss der Universitäten Regensburg und Prag in der Tasche haben.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht