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Studie

Erfahrungen bleiben im Gedächtnis

Psychologen der Universität Regensburg zeigen in einer Studie, dass Sinneseindrücke dauerhaft gespeichert werden.

Den Umgang mit Alltagsgegenständen erforschten Regensburger Psychologen. Foto: Hutmacher/Prof. Dr. Kuhbandner
Den Umgang mit Alltagsgegenständen erforschten Regensburger Psychologen. Foto: Hutmacher/Prof. Dr. Kuhbandner

Regensburg.Können Sie ein Objekt, das Sie beim Durchstöbern eines Wühltisches berühren ohne es zu sehen, auch nach einer Woche im Detail wiedererkennen, wenn Sie es dieses Mal nur sehen und nicht erneut anfassen? Psychologen der Universität Regensburg zeigen in einer Studie, dass haptische Erfahrungen detailliert im Gedächtnis haften bleiben – und in visuelles Wissen „übersetzt“ werden.

Armbanduhr, Kaffeetasse, Schlüssel, Nagelfeile oder Krawatte – tagtäglich berühren wir eine Unzahl verschiedener Objekte. Meist achten wir nicht darauf, wie sie sich anfühlen – und doch scheinen diese haptischen Wahrnehmungen einen handfesten Eindruck bei uns zu hinterlassen. Denn wenn es sein muss, erinnern wir uns an sie – und zwar nicht nur direkt nach dem Betasten der Gegenstände, sondern auch eine Woche später und vermutlich noch länger. Unser Gehirn scheint hier sogar zu einer Transferleistung fähig. Denn nicht nur unsere Hände erkennen die Objekte wieder, sondern auch unsere Augen, selbst wenn diese die Objekte noch nie gesehen haben. Das haben die Regensburger Psychologen Fabian Hutmacher und Prof. Dr. Christof Kuhbandner in einer Studie herausgefunden, die in der Zeitschrift Psychological Science veröffentlicht wurde. „Die allgemeine Auffassung in der Forschung ist bisher gewesen, dass von den Sinneseindrücken, die permanent auf uns einströmen, wenig dauerhaft gespeichert wird. Wir hatten aber den Verdacht, dass wir viel mehr speichern, als man bisher geglaubt hat“, sagt Hutmacher.

„Wir hatten aber den Verdacht, dass wir viel mehr speichern, als man bisher geglaubt hat.“

Fabian Hutmacher

Deshalb baten die Wissenschaftler die Versuchspersonen, 168 verschiedene Alltagsobjekte mit verbundenen Augen zu ertasten – und zwar alle 168 direkt nacheinander. Die Hälfte der Gegenstände bekamen sie gleich anschließend noch einmal in die Hand, erneut mit verbundenen Augen. Der Clou: Gleichzeitig bekamen sie ein zweites, sehr ähnliches Objekt derselben Kategorie in die Hand, beispielsweise noch eine weitere, ihnen nicht bekannte Kaffeetasse. Trotzdem konnten die Versuchspersonen zu 94 Prozent richtig beurteilen, welche der beiden Kaffeetassen sie schon einmal in der Hand gehabt hatten. Bei dem gleichen Versuch mit der anderen Hälfte der Objekte eine Woche später lagen die Probanden immer noch zu 85 Prozent richtig. Und das, obwohl sie zwischendurch sicherlich viele Kaffeetassen in der Hand hatten. „Um eine richtige Entscheidung treffen zu können, muss man nicht nur wissen, dass man ein Objekt schon einmal in der Hand gehabt hat. Man muss auch wissen, dass man die Tasterfahrung in einem bestimmten Kontext gemacht hat. Die Erinnerung scheint also eine episodische Komponente zu besitzen“, sagt Prof. Dr. Christof Kuhbandner.

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