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Gebündelte Kräfte für Digitalisierung

Im Netzwerk INDIGO arbeiten die sechs ostbayerischen Universitäten und Hochschulen gemeinsam an einem Zukunftsthema.
Von Louisa Knobloch, MZ

  • Mit dem Netzwerk INDIGO bündeln die ostbayerischen Hochschulen ihre Kompetenzen im Bereich Internet und Digitalisierung. Foto: Felix Kästle/dpa
  • Prof. Dr. Peter Sperber, Prof. Dr. Udo Hebel, Prof. Dr. Burkhard Freitag, Prof. Dr. Karl Stoffel und Prof. Dr. Wolfgang Baier (v.l.) bei einem Netzwerktreffen an der Universität Regensburg Foto: Uni Regensburg
  • An der Technischen Hochschule Deggendorf (THD) fand Anfang Februar der erste INDIGO-Workshop im Kompetenzbereich Big Data/Data Analytics statt. Foto: THD

Regensburg.Ob Online-Shopping, Cloud Computing oder intelligente Energienetze – die Digitalisierung beeinflusst mittlerweile nahezu alle Bereiche unseres Lebens. „Es handelt sich um ein Thema von hoher gesellschaftlicher und ökonomischer, aber auch wissenschaftlicher Relevanz“, sagt Prof. Dr. Udo Hebel, der Präsident der Universität Regensburg. Im Netzwerk Internet und Digitalisierung Ostbayern (INDIGO) wollen die Universitäten und Hochschulen der Region daher künftig ihre Kompetenzen in diesem Bereich bündeln. Man wolle dazu beitragen, die Phänomene des Internets und der Digitalisierung besser zu verstehen und dadurch der Gesellschaft eine Orientierung in diesem komplexen Gebiet zu geben, sagt Prof. Dr. Burkhard Freitag, der Präsident der Universität Passau.

Vernetzung startet mit Workshops

Das Thema gemeinsam anzugehen, liege in der Natur der Sache: „Vernetzung ist hier Thema und Struktur zugleich“, sagt Hebel. „Die Vielfalt an Wirkungen, die sich aus der Digitalisierung für alle Bereiche unserer Gesellschaft ergeben, macht eine Vielfalt an fachlichen Perspektiven und Herangehensweisen notwendig“, ist auch Freitag überzeugt. Neben den Universitäten Regensburg und Passau gehören die OTH Regensburg, die OTH Amberg-Weiden, die TH Deggendorf und die Hochschule Landshut dem Netzwerk an. Seit dem ersten Treffen im Sommer 2014 in Passau wurden im Rahmen einer Bestandsaufnahme zunächst Informationen über Kompetenzen, Strukturen und bereits laufende Forschungsprojekte zusammengetragen. So arbeiten die Unis Passau und Regensburg sowie die OTH Regensburg im Bereich IT-Sicherheit bereits im Projekt „SECBIT – Security, Education and Competence for Bavarian IT“ zusammen. Derzeit läuft an den Hochschulen eine Reihe von Workshops zu den verschiedenen Kompetenzbereichen, die vom Netzwerk abgedeckt werden sollen. Die Teilnehmer können sich austauschen, gemeinsame Forschungsinteressen identifizieren und neue Projektideen entwickeln. An der Universität Regensburg ging es Anfang Februar um das Thema „Mobility/Vernetzte Mobilität“, an der TH Deggendorf stand eine Woche später „Big Data/Data Analytics“, also die wirtschaftliche und wissenschaftliche Nutzung großer Datenmengen, im Mittelpunkt und an der OTH Amberg-Weiden beschäftigen sich die Experten kommende Woche mit „Ethischen und sozialwissenschaftlichen Fragen des Internets und der Digitalisierung“. Die Ergebnisse der Workshops sollen im Sommer bei einer Konferenz an der Uni Passau der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Ein Ziel von INDIGO ist die besseren Vernetzung der Wissenschaftler an den beteiligten Universitäten und Hochschulen. Neben gemeinsamen Forschungsprojekten soll auch die Zusammenarbeit mit Unternehmen verstärkt werden. Beratungsangebote, Marktanalysen und Durchführbarkeitsstudien sollen zum Leistungsumfang des Netzwerks gehören. Geplant ist zudem die Einrichtung eines gemeinsamen Promotionskollegs, um Nachwuchswissenschaftler in diesem Bereich zu fördern.

Hoffnung auf neue Professuren

„INDIGO ist der richtige Schritt hin zu einem Digitalisierungs-Cluster in Ostbayern, das die gesamte Region aufwertet“, sagt Prof. Dr. Erich Bauer, der Präsident der OTH Amberg-Weiden. Von dem Netzwerk erhoffen sich die Beteiligten auch eine größere Wahrnehmung: „Wir wollen unsere Kompetenzen und Stärken sichtbar machen“, sagt Hebel – und das gelingt im Verbund besser als alleine.

Die Bayerische Staatsregierung will im Rahmen der Strategie „Bayern Digital“ in die Informations- und Kommunikationstechnologie investieren. So soll in Garching das „Zentrum Digitalisierung Bayern“ (ZDB) aufgebaut werden, um die Forschungsaktivitäten im Freistaat zu vernetzen. Dabei handle es sich um eine gesamtbayerische Initiative, „die wir sehr begüßen und im Rahmen derer unsere Region bereit und in der Lage ist, hochqualitativ beizusteuern“, sagt Hebel.

Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) kündigte zudem im vergangenen Oktober an, 20 neue Professuren im Bereich Digitalisierung schaffen zu wollen, zehn an Universitäten und zehn an Hochschulen, um die sich die Einrichtungen demnächst bewerben können. INDIGO erhöhe die Chancen im Wettbewerb, findet Freitag. „Wir sind zuversichtlich, dass es gelingt, Professorenstellen nach Ostbayern zu holen.“

Das Netzwerk INDIGO

  • Netzwerk

    Im Netzwerk „Internet und Digitalisierung Ostbayern“ bündeln die Universität Regensburg, die Universität Passau, die OTH Regensburg, die OTH Amberg-Weiden, die TH Deggendorf und die Hochschule Landshut ihre Kompetenzen im Bereich Internet und Digitalisierung.

  • Kompetenzbereiche

    INDIGO gliedert sich in insgesamt neun Kompetenzbereiche – von Big Data/Data Analytics bis zu Gesundheit/Informationstechnik im Gesundheitswesen. Alle sechs Universitäten und Hochschulen bearbeiten die Themen dieser Kompetenzbereiche, setzen aber jeweils eigene Schwerpunkte.

  • Uni Regensburg

    An der Universität Regensburg sind besonders die Kompetenzfelder IT-Sicherheit/Datensicherheit/Rechtssicherheit, Mobilty/Vernetzte Mobilität sowie Big Data/Data Analytics vertreten. Auch der Workshop zum Kompetenzbereich Geistes- und kulturwissenschaftliche Fragen des Internets und der Digitalisierung fand hier statt.

  • Uni Passau

    An der Universität Passau wird vor allem zu den Themen Big Data/Data Analytics sowie Informations- und Datenrecht, aber auch IT-Sicherheit, Industrie 4.0, Intelligente Energienetze und Vernetzte Mobilität sowie Privatheit und Digitale Kulturguterschließung und - sicherung gearbeitet.

  • OTH Regensburg

    Die OTH Regensburg bringt Kompetenzen in ihren Leitthemen Information und Kommunikation, Energie und Mobilität, Produktion und Systeme, Gebäude und Infrastruktur sowie Lebenswissenschaften und Ethik mit. Neben Medizin und Gesundheit gehören zu letzterem Bereich auch soziale und gesellschaftliche Themen – beispielsweise Akzeptanz- und Technologiefolgenforschung.

  • OTH Amberg-Weiden

    Die OTH Amberg Weiden bringt ihr Know-how aus den Ingenieurwissenschaften in das Netzwerk ein, begleitet von Inhalten aus den Wirtschaftswissenschaften. Das Spektrum reicht von der Automatisierungstechnik und Robotik über die Steuerungstechnik, Informationstechnik und Datensicherheit bis hin zum Themenkreis E-Commerce.

  • TH Deggendorf

    An der Technischen Hochschule Deggendorf (THD) wurde ein Workshop zum Kompetenzbereich Big Data/Data Analytics abgehalten, ein weiterer Workshop zum gleichen Thema ist in Planung. Der Technologie Campus Grafenau der THD ist neben Logistik auf Data Analytics spezialisiert.

  • Hochschule Landshut

    Die Hochschule Landshut sieht als ihre wichtigen Themen Industrie 4.0 und Intelligente Energienetze an. Zum Thema Energiespeicher und -netze unterhält sie in Ruhstorf ein Technologiezentrum, zum Thema Produktions- und Logistiksysteme baut sie zurzeit ein Technologiezentrum in Dingolfing auf. Weitere Schwerpunkte liegen in der Entwicklung adaptiver mobiler Anwendungen und Big Data.

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