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Hochschulen setzen auf Verbünde

Als TU9, German U15 oder UAS7 treten deutsche Unis und Hochschulen im In- und Ausland gemeinsam auf. Doch an den Verbünden gibt es auch Kritik.
Von Louisa Knobloch, MZ

  • Die Technische Universität (TU) München ist Mitglied im 2006 gegründeten Universitätsverbund TU9. Foto: Andreas Gebert/dpa
  • Prof. Dr. Peter-André Alt ist Präsident der Freien Universität Berlin und Vorstandsvorsitzender der German U15. Foto: Bernd Wannenmacher/FU Berlin
  • Prof. Dr. Hans Jürgen Prömel ist Präsident der TU Darmstadt und seit 1. Januar 2014 Präsident von TU9. Foto: TU Darmstadt/Katrin Binner
  • Prof. Dr. Bernd Reissert ist Präsident der HWR Berlin und Vorstandsvorsitzender der UAS7. Foto: HWR Berlin

Regensburg.Sie heißen TU9, German U15 und UAS7 – immer mehr deutsche Hochschulen und Universitäten haben sich in den vergangenen Jahren zu Verbünden zusammengeschlossen. Aus Sicht der Mitglieder bieten solche Allianzen viele Vorteile – Außenstehende beurteilen diese Gruppenbildung dagegen durchaus kritisch.

Jüngster Zusammenschluss sind die vor zwei Jahren gegründeten German U15 – 15 große Universitäten, die alle über eine medizinische Fakultät verfügen. Aus Bayern sind die LMU München und die Uni Würzburg dabei. Vorstandsvorsitzender der German U15 ist seit September der Präsident der Freien Universität Berlin, Prof. Dr. Peter-André Alt. „Wir wollten die Universitäten zusammenbringen, die bestimmte Themen und auch Sorgen miteinander teilen“, sagt er – etwa die universitäre Medizin oder die starke Abhängigkeit von Drittmitteln.

Durch Ingenieurwissenschaften sollten sich die U15-Mitglieder dagegen nicht profilieren – so wollte man sich vom Verbund TU9 abgrenzen, in dem sich bereits 2006 neun große Technische Universitäten, darunter die TU München, zusammengeschlossen haben. „Alle TU9-Universitäten blicken auf eine lange Tradition zurück, sie haben die gesamte Breite der Ingenieurwissenschaften und voll ausgebaute Naturwissenschaften im Angebot, sind stark in der Forschung und haben einen großen Anteil Studierender in den MINT-Fächern“, sagt TU9-Präsident Prof. Dr. Hans Jürgen Prömel, zugleich Präsident der TU Darmstadt.

Noch ein Jahr länger, seit 2005, gibt es die UAS7 – einen Zusammenschluss von sieben Fachhochschulen. „Ausgangspunkt des Verbunds war die Gründung eines gemeinsamen Verbindungsbüros in New York“, sagt der Vorstandsvorsitzende Prof. Dr. Bernd Reissert, zugleich Präsident der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin. Alle Mitglieds-Hochschulen seien in überdurchschnittlichem Maße international engagiert und mit je rund 10 000 Studierenden auch recht groß.

Bei allen drei Verbünden gibt der Name zugleich die Zahl der Mitglieder an: „Wir meinen, dass wir zu siebt genau die richtige Größe haben, um aktionsfähig zu sein“, sagt Reissert für die UAS7. Auch die TU9 planen nicht, weitere Mitglieder aufzunehmen: „Wir haben mit neun Mitgliedsuniversitäten eine Größe, die eine gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit ermöglicht. Das möchten wir in dieser Formation gern fortsetzen“, so Prömel. Für die German U15 will Alt künftige Veränderungen nicht komplett ausschließen. In den kommenden zwei Jahren werde man aber in der bestehenden Form weiter zusammenarbeiten. „Wir sind kein Verein sind, in den man ständig ein- und austritt.“

Gemeinsames Auftreten im Ausland

Von der Zusammenarbeit profitieren die UAS7-Hochschulen etwa beim Thema Internationalisierung. „Vor allem durch unsere Verbindungsbüros in New York und São Paulo schaffen wir Möglichkeiten des internationalen Austauschs, die weit über das hinausgehen, was eine einzelne Hochschule allein erreichen könnte“, sagt Reissert. Die TU9 besucht Prömel zufolge im Rahmen ihrer MINT-Nachwuchsinitiative jedes Jahr rund 20 Studierendenmessen weltweit. „Dort informieren wir über ein MINT-Studium und tragen somit auch zur Internationalisierung des Wissenschafts- und Wirtschaftsortes Deutschland bei.“ Auch der Kontakt mit internationalen Gesprächspartnern sei gemeinsam leichter, findet Alt. „Der Verbund der herausragenden amerikanischen Universitäten (Association of American Universities, AAU) redet nicht mit einzelnen von uns, aber wenn wir als German U15 auftreten, dann bekommen wir ein Gespräch.“

Kritiker befürchten, dass die Universitätsverbünde ihre Stellung ausnutzen könnten. Der Rektor der Universität Duisburg-Essen, Prof. Dr. Ulrich Radtke, bezeichnete die Verbünde 2013 in einem offenen Brief an die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) als „Kartelle“, die versuchten, „eine Art ,pole position‘ im Kampf um die Futtertröge einzunehmen“. Dagegen wehrt sich Alt: „Wir haben uns nicht strategisch zusammengeschlossen“, sagt er. Zwar hätten die U15 – gerade in der Medizin – einen großen Anteil an Drittmitteln. Das liege aber auch an der Größe der Mitglieds-Universitäten und der damit einhergehenden großen Zahl von Professoren. TU9-Präsident Prömel zufolge können Profilierung und Kooperation zwar durchaus geeignete Instrumente im bestehenden Wettbewerb um Exzellenz, Ressourcen und Studierende sein. „Sie dürfen diesen Wettbewerb aber nicht behindern oder verzerren.“

Offene Verbünde statt elitäre Clubs

Dass Verbünde wie TU9 oder German U15 die Interessen ihrer Mitglieder auch gegenüber Entscheidungsträgern in Politik und Wirtschaft sowie auf dem internationalen Parkett vertreten, sieht der Präsident der Universität Regensburg, Prof. Dr. Udo Hebel, kritisch. „Diese Zielsetzung birgt die Gefahr, die Arbeit in den dafür eigentlich vorgesehenen und etablierten Einrichtungen wie der Hochschulrektorenkonferenz auf Bundesebene oder der Universität Bayern e.V. zu unterlaufen.“

Ähnlich sieht es der Präsident der Ostbayerischen Technischen Hochschule (OTH) Regensburg, Prof. Dr. Wolfgang Baier: Elitäre Clubs, in denen sich wenige Hochschulen zusammenschließen, würden der deutschen Hochschullandschaft vor allem in der politischen Kommunikation eher schaden als nützen. Offene Verbünde wie die Hochschulrektorenkonferenz, Universität Bayern e.V. oder Hochschule Bayern e.V. hält Baier dagegen für sinnvoll. „Diese offenen Verbünde tragen dazu bei, die Stärke der deutschen Hochschullandschaft – zu denen auch deren Heterogenität gehört – zu erhalten.“

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