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Umwelt

Neue Strategie gegen Tauben

An der Uni helfen Gipseier, die Population zu drosseln. Fünf Kolonien haben sich aufgelöst. Ist der Ansatz das Gelbe vom Ei? Der Stadt-Experte ist skeptisch.
Von Marianne Sperb, MZ

Tauben können durch Milben und Schmutz Krankheiten übertragen und ihr Kot setzt Gebäuden zu. Am Regensburger Campus hilft der Einsatz von Gipseiern, die Population zu drosseln. Foto: dpa-Archiv

Regensburg. Die Universität hat in den vergangenen Monaten mit einer tierfreundlichen Strategie zur Reduktion und Kontrolle von Taubenpopulationen von sich Reden gemacht. Die Strategie haben Ferry Wittke, ein Sachverständiger für Taubenproblematik, und die „Bau in Form GmbH“ konzipiert und mit Unterstützung des Referats Umweltschutz und Logistik der Univerwaltung umgesetzt. Inzwischen, so ein Pressepapier von Donnerstag, sind deutliche Erfolge zu sehen: Die fünf großen Taubenkolonien am Campus haben sich aufgelöst.

Der Ansatz basiert auf dem „Augsburger Modell“, einem Konzept, um Stadttauben-Populationen tierschutzgerecht und nachhaltig zu drosseln. Die Methode wurde in den vergangenen zehn Jahren weiterentwickelt. Das „Regensburger Modell“ wird am Montag vor geladenen Vertretern von Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen aus Stadt und Region Regensburg vorgestellt.

Zwölf Kilo Kot pro Tier und Jahr

Außer Kontrolle geratene Taubenpopulationen bringen vielfältige Probleme. Der Kot – eine Taube produziert pro Jahr zwölf Kilo davon – setzt der Bausubstanz zu. Die Vögel sind zudem häufig von Parasiten und Krankheitserregern befallen und können zur Gesundheitsgefahr werden.

Die Uni Regensburg hatte seit Jahren gegen eine Taubenplage zu kämpfen. Vergrämungsmaßnahmen blieben ohne Erfolg. Mit Ferry Wittke verfolgte die Uni jetzt eine andere Strategie. Sie setzte auf Geburtenkontrolle und richtete an einem zentralen Ort – auf dem Dach des Studentenhauses – einen Taubenschlag ein. „Der neue Ansatz mit Vorbildcharakter macht es Taube und Mensch leichter“, so das Pressepapier. Tauben auf dem Campus wurden gefangen und zu der Voliere gebracht, Artgenossen zogen nach. An den alten Brutplätzen dagegen, an denen sich rund 140 Tauben versammelt hatten, schrecken jetzt Attrappen potenzielle Nachzügler ab, erläutert Referatsleiter Dr. Martin Postner. Die Tiere im Schlag werden artgerecht behandelt, einige werden an Taubenhäuser gegeben, kranke Vögel werden isoliert, zugeflogene Haus- oder Brieftauben an ihre Besitzer zurückgegeben. Wenn die Vögel in der Voliere brüten, tauschen Helfer einen Teil der Gelege gegen Gipseier aus.

Dr. Wolfgang Schörnig, Umweltreferent der Stadt, bewertet die Strategie vom Campus eher skeptisch. Die Vögel verlassen zwar ihre Kolonie, um es sich im Schlag bequem zu machen – das aber schafft Platz für Nachzügler. „Kurzfristig sieht man immer einen Erfolg – die Frage ist, ob er langfristig anhält.“

Zu viel Futter liegt herum

Der Regensburger Stadtrat hatte vor vier Jahren beschlossen, Tauben in Regensburg nach dem „Augsburger Modell“ zu bekämpfen. Die Suche nach Partnern und die Umsetzung sind aber schwierig. „Der Campus ist sicher ein idealer Ort“, so Schörnig. „Aber im Welterbe ist es ein Wahnsinnsproblem, Hauseigentümer zu finden, die einen Taubenschlag gestatten. Die meisten sagen: um Himmels Willen!“ Bislang zog kein einziger privater Immobilienbesitzer in der Innenstadt mit. Weitere Hürden: Installierung und Austattung eines Taubenschlags kosten rund 30 000 Euro, und: Es braucht Freiwillige, die den Schlag sauber halten, die Vögel betreuen und die Eier austauschen.

„Unser Hauptproblem“, sagt Schörnig, „ist, dass zu viel Futter herumliegt. Pizzastücke, der Rest einer Wurstsemmel oder Eistüten: Für die Vögel ist das ein gedeckter Tisch.“ Der Referent verweist auf Basel: Eine Kampagne half dort, das Nahrungsangebot für Tauben zu minimieren. „Wenn die Vögel mehr Zeit brauchen, um Futter zu finden, brüten sie weniger.“ Unterm Strich, sagt Schörnig nach 30 Jahren Tauben-Erfahrung, sei die Zahl der Tauben im Regensburg undramatisch. „Wir haben keine echte Plage.“ Die Population bleibe langfristig etwa gleich – egal, welche Strategie im Lauf der Zeit erprobt wurde.

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