MyMz

Medien

Philosophieren auf dem Marktplatz

Der Freiburger Student Zlatko Valentic und sein Team drehten in Regensburg eine Folge des Web-TV-Formats „Philosophisches Experiment“.
Von Louisa Knobloch, MZ

  • Aus der Universität auf den Marktplatz: Zlatko Valentic und Prof. Dr. Elif Özmen diskutieren die Frage nach dem gelungenen Leben. Foto: Knobloch
  • Prof. Dr. Herb im Interview mit Zlatko Valentic. Foto: Knobloch
  • Stefan bietet „Free Hugs“ – auch Zlatko Valentic bekommt nach dem Gespräch eine Umarmung. Foto: Knobloch
  • In einem Café wird zunächst das Gespräch zwischen Zlatko Valentic und Prof. Dr. Elif Özmen aufgezeichnet. Foto: Knobloch

Regensburg.Ein kleines Spielzeugboot soll das Problem verdeutlichen: „Stellen Sie sich vor, Sie sitzen nach einem Schiffsunglück in einem Rettungsboot“, sagt Prof. Dr. Elif Özmen. „Zwei weitere Personen treiben noch im Wasser – eine davon ist Ihr geliebtes Kind, die andere Person kennen Sie nicht. Sie können nur eine Person retten.“ Wie soll man sich nun verhalten? Mit diesem Beispiel hat der englische Philosoph Bernard Williams die Moraltheorie von Immanuel Kant kritisiert. Kant zufolge müsste man in dieser Situation persönliche Bindungen ignorieren und unparteilich entscheiden – wie ein Schiedsrichter. Williams findet ein solches Verhalten unmenschlich.

Themen in die Gesellschaft tragen

„Das Vernunftprinzip der Moral soll helfen, die Handlung zu bestimmen“, sagt Özmen. „Eine solche Moraltheorie lässt aber das Thema des guten Lebens außen vor.“ Genau dieser Frage nach der Verbindung zwischen Moral und gutem Leben geht die Sendung „Philosophisches Experiment“ in ihrer aktuellen Folge nach. Moderator Zlatko Valentic, der an der Uni Freiburg gerade seinen Master in Geschichte und Philosophie macht, und sein studentisches Film-Team sind nach Regensburg gekommen, um mit Elif Özmen, Professorin für Praktische Philosophie an der Universität Regensburg, darüber zu diskutieren.

„Es geht darum, die Philosophie dorthin zu bringen, wo sie eigentlich herkommt und wo schon Sokrates sie behandelt hat: Also von der Universität auf den Marktplatz“, beschreibt Valentic das Konzept der Sendung. Ganz konkret begeben sich Valentic und Özmen nach dem Interview auf den Regensburger Neupfarrplatz und sprechen dort mit Passanten darüber, was ein glückliches Leben ausmacht. Aber der Marktplatz hat noch eine weitere Bedeutung: „Der Marktplatz unserer heutigen Welt sind die Medien“, sagt der 29-Jährige. Er nutze daher das Medium Fernsehen, um mit Menschen in einen Dialog zu treten.

Anfangs sei sie skeptisch gewesen, ob das Medium geeignet sei, sich ernsthaft mit philosophischen Themen zu beschäftigen, gibt Özmen zu. Die Idee mit dem Marktplatz habe sie aber überzeugt. „Es steht der akademischen Philosophie gut zu Gesicht, ihre Themen in die Gesellschaft hineinzutragen“, findet sie. Die Frage, was denn ein gutes Leben ist, sei ein sehr altes und umstrittenes Thema in der Philosophie, sagt Özmen. Zugleich sei es nicht abstrakt: „Jeder stellt sich die Frage: Was soll ich tun, damit ich ein gutes Leben lebe?“ In der griechischen Philosophie habe es einen engen Zusammenhang zwischen Vernunft, Moral und Glück gegeben, bei Kant sei das Glück dagegen aus der Moralphilosophie verbannt worden, „weil es nicht wie Moral und Vernunft den Kriterien der Allgemeinheit und Verbindlichkeit genügt.“ Erst seit den 1960er Jahren würden sich die Moralphilosophen wieder mit den Themen Glück und gutes Leben beschäftigen.

Eine Umarmung für den Moderator

„Was macht für Sie ein gelungenes Leben aus?“ – diese Frage stellt Zlatko Valentic Passanten auf dem Neupfarrplatz. „Die meisten werden wohl auf Familie, Freunde oder Gesundheit verweisen“, sagt Özmen im Vorfeld. „Ich glaube, niemand wird sagen, dass zu einem guten Leben moralisches Handeln gehört.“ Stefan, der mit einem Schild „Free Hugs – Kostenlose Umarmungen“ anbietet, tritt als erster vor die Kamera. Für ihn sei Glück, Liebe und menschliche Nähe zu vermitteln. Valentic bekommt auch eine Umarmung. Für Rüdiger ist das Wichtigste Gesundheit. „Alles andere geht von allein“, sagt er. Persönliche Beziehungen machen für Florian ein gelungenes Leben aus: „Ich habe eine Arbeit, die mir Spaß macht, meinen Sport und Freunde, mit denen ich etwas unternehmen kann.“ Mit Prof. Dr. Karlfriedrich Herb tritt der Inhaber des Lehrstuhls für Politische Philosophie und Ideengeschichte der Universität Regensburg vor die Kamera. Die Idee, die Philosophie zurück auf den Marktplatz zu bringen, findet er ganz hervorragend.

Anfang Mai wird die Regensburger Episode im Internet zu sehen sein.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht