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Szene

Die Diebe schlagen noch einmal zu

In den 80ern sorgte eine Avantgarde-Band für Furore. Jetzt startet sie wieder durch – mit neuem Personal und neuen Songs.
Von Norbert Lösch, MZ

  • Ob sie der dritte Frühling ihrer Karriere bis nach London trägt? Auf der Fotomontage haben es Diebe und Komplizen jedenfalls schon in Europas Rock-Hauptstadt geschafft. Foto: Julia Rosendorfer
  • Ende der 80er-Jahre: Die „Diebe“ mit Toni Krammel, Bertl Wenzl, Theo Geisel und Manfred Parschan in der Donauhalle. Foto: Krammel

Regensburg.Sie werden nicht von der Polizei gesucht, aber ihr „Steckbrief“ ist in Form von Flyern und Konzertplakaten in so manchen Rock-Clubs in Süddeutschland zu finden. Diebe und Komplizen (DuK) nennt sich seit ihrem Neustart vor gut vier Jahren eine Regensburger Band, die schon in den 80er-Jahren mit ihrem authentischen Avantgarde-Rock für Furore gesorgt hat. Seit den Tagen der Diebe der Nacht – so hieß die jetzt als Quartett formierte Combo früher – ist viel passiert. Eines ist aber gleich geblieben: die Lust, auf die Bühne zu steigen, zwei Stunden zu rocken und die Interaktion mit dem Publikum zu suchen.

„Die mittleren Jahre sind unserer Berufstätigkeit zum Opfer gefallen, was die Musik angeht“, nennt Gitarrist Anton „Toni“ Krammel den Grund, warum zwischen der zweiten – bis Mitte der 90er-Jahre gab es diverse Umbesetzungen – und der dritten Phase der Diebe fast 20 Jahre verstrichen sind. Krammel selbst entwickelt als Diplompsychologe Marketing-Strategien, seine Mitstreiter sind als Rechtsanwalt, Chefarzt und Leiter eines Altenheims beruflich aktiv. So unterschiedlich der Werdegang der heutigen Mitglieder auch ist, so einig sind sie sich, wenn es um die persönlichen Interessen geht. Die lauten ganz einfach: Musik, Musik und noch mal Musik.

„Wir sind zwei ehemalige Diebe und zwei neue Komplizen“, sagt Toni Krammel über die aktuelle Besetzung, die sich vor rund vier Jahren zusammengefunden hat. Zu den Urgesteinen zählt neben dem Gitarristen, der auch alle Texte schreibt und die meisten Song-Ideen entwickelt, auch Bassist Peter Pommer. Die beiden kennen sich seit der Kindheit aus der Hans-Herrmann-Grundschule und haben bis heute immer wieder zusammen Saiten gezupft. Eher vom Hardrock kommt als Wiedereinsteiger Drummer Herbert Ehrl, und mit Keyboarder Martin Hert ist das Quartett komplett. Um proben zu können, müssen Distanzen zwischen dem Allgäu und dem Bayerischen Wald überwunden werden. Meistens aber üben die Diebe in Thalmassing.

Live-Programm mit 20 Nummern

Waren früher gerne auch mal Bläser mit am Start – wie etwa der nicht nur in Regensburg bekannte Saxofonist Bertl Wenzl –, sind die Diebe samt Komplizen von heute eine reinrassige Rockband. Vom Blues, Soul und Rock der 60er- und 70er-Jahre inspiriert, hat sich das Quartett ein mittlerweile zweistündiges Live-Programm mit mehr als 20 Nummern erarbeitet. Klassisch ist auch die Bandbreite von der emotionalen Ballade („Ikarus“) bis zum stampfenden Rock’n’Roll. Und: Auch wenn sie bekannte Meilensteine der Rock-Evolution durchaus draufhaben, ist bei den Dieben alles selbst gemacht. „Wir spielen zu einhundert Prozent eigene Songs und sind weder eine Cover- noch eine Mundartband“, sagen Anton Krammel und Martin Hert im Gespräch mit unserer Zeitung.

„Klar halten wir an der Tradition der Rockmusik fest, aber das war und ist nichts Starres.“

Frontmann Anton Krammel

Selbst nennen sie ihren Musikstil „melodiösen Deutschrock“. Das trifft es ganz gut, sind doch einige der ursprünglich englischen Texte mittlerweile „eingedeutscht“. Auf ein Genre wollen sich DuK aber ebenso wenig festlegen wie auf die Sprache, und so kann es schon mal passieren, dass Sänger Anton Krammel mitten in einem Song vom Englischen ins Deutsche wechselt. „Klar halten wir an der Tradition der Rockmusik fest, aber das war und ist nichts Starres“, sagt der Frontmann. „Und in zwei Sprachen hat man mehr Möglichkeiten, seine Identität und ein bestimmtes Lebensgefühl zum Ausdruck zu bringen.“

Das klingt nach Anleihen bei Deutschrockern wie Herbert Grönemeyer, Marius Müller-Westernhagen oder Heinz Rudolf Kunze. Diese Künstler schätzen die Diebe tatsächlich, und die Poesie und Kraft mancher Textzeilen könnten auch aus anderen Federn geflossen sein. Da geht es um das ewige Thema Liebe, aber auch um Vergänglichkeit. „Was dich führt und was dich tief berührt, wenn du alleine bist“, heißt es da, um wenig später eine ganz andere Ansage zu machen: „Are You Ready For Rebellion?“ ist ein bewusst aufrührerischer Song aus alten Diebe-Tagen, den sie heute gerne als Zugabe spielen.

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Sozialkritik und Friedensappelle dürfen durchaus sein, aber ohne den Anspruch zu erheben, die Welt mit seinen Botschaften verbessern zu wollen. Das ist das Credo von DuK, die auch aktuelle Themen nicht ausklammern. Zum Beispiel die Menschenverachtung, mit der Flüchtlinge weltweit behandelt werden. „In einem Song fragen wir, wie es einem geht, der irgendwo an den Strand gespült wird“, sagt Toni Krammel.

Eine Fender als Initialzündung

Dass er die Diebe 2012 wiederbelebt hat, ist auch einem Instrument zu verdanken. Den entscheidenden Impuls gab nämlich seine heiß geliebte Fender Telecaster, die er sich damals gekauft hat. „Dann ging es wieder los“, erinnert sich der Gitarrist und Sänger an die Initialzündung. Und jetzt steht der 56-Jährige zusammen mit anderen „Triebtätern“ auf der Bühne, die zum Teil noch ein paar Jahre mehr auf dem Buckel haben, aber die gleiche musikalische Sozialisation wie er. Die alte Musik bleibt halt forever young, ewig jung, zumindest in der DuK-Generation.

„Diebe und Komplizen“ rockten im vergangenen Jahr in Roding.

Das spürt die Band auch bei ihren Auftritten. Die sind in Regensburg bisher rar geblieben, „auch weil es eine gewachsene, einschlägige Club-Szene wie vor 30 Jahren so nicht mehr gibt“, was Krammel und seine Komplizen durchaus bedauern. Früher zum Beispiel im Ohm, in der Filmbühne oder gar in der Donauhalle auf der Bühne, werden die Diebe heute anderswo mitunter frenetisch gefeiert. Im „Village“ im oberbayerischen Habach oder im „Stögi“ in Roding haben die Diebe schon schweißtreibende Sets hingelegt.

Ein einziger Auftritt in der Alten Mälzerei und weitere bei privaten Festen – das war’s bislang in der Region Regensburg. Das soll sich heuer ändern. „Wir haben ein volles Programm und sind richtig motiviert“, beschreiben Anton Krammel und Martin Hert die Stimmungslage der Diebe Anfang 2017. Vielleicht können sie das Regensburger Publikum ja schon beim Bürgerfest Ende Juni überzeugen. Beworben haben sie sich schon mal.

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