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Kino

Filmischer Blick nach Osten

Bei Filmfest „Mittel Punkt Europa“ werden in Regensburg von 4. bis 7. März zeitgenössische Werke aus Osteuropa gezeigt.
Von Louisa Knobloch

Im Film „The Last Family“ geht es um den Künstler Zdzislaw Beksinski (4.v.l.), seine Frau Zofia (6.v.l.) und ihren manisch-depressiven Sohn Tomasz (4.v.r.). Beksinski stand unter dem ständigen Drang, alles mit seinem Camcorder festzuhalten. Foto: Hubert Komerski
Im Film „The Last Family“ geht es um den Künstler Zdzislaw Beksinski (4.v.l.), seine Frau Zofia (6.v.l.) und ihren manisch-depressiven Sohn Tomasz (4.v.r.). Beksinski stand unter dem ständigen Drang, alles mit seinem Camcorder festzuhalten. Foto: Hubert Komerski

Regensburg.Ein exzentrischer Künstler und seine Familie, ein unheimlicher Serienmörder und ein Neonazi, der mit fast 40 noch bei seiner Mutter wohnt – das Filmfest „Mittel Punkt Europa“ bringt Anfang März diese und weitere Charaktere auf die große Leinwand. An vier Tagen – vom 4. bis 7. März – werden in der Filmgalerie im Leeren Beutel aktuelle Filme aus Osteuropa gezeigt. „Der Schwerpunkt liegt auf Polen, Tschechien, der Slowakei und Ungarn. Wir haben aber auch einen Film aus unserem Gastland Belarus im Programm“, sagt Lisa Unger-Fischer, die Geschäftsführerin des Europaeums.

Dem Ost-West-Zentrum der Universität Regensburg ist es zu verdanken, dass das Filmfestival in diesem Jahr erstmals parallel in Regensburg und München stattfindet. Dort hatte das Tschechische Zentrum im Herbst 2016 das Filmfest schon einmal ausgerichtet. Nun wurde ein gemeinsames Konzept erarbeitet: In München ist das Filmprogramm umfangreicher, das Festival dauert dort von 1. bis 11. März. Dafür kann Regensburg mit einem interessanten Rahmenprogramm aufwarten. „Man merkt ganz klar, dass hier eine Universität dahintersteht“, sagt Unger-Fischer. Geplant sind Filmgespräche mit drei Regisseuren, eine Podiumsdiskussion, ein Workshop für Studierende sowie eine Ausstellung von tschechoslowakischen Filmplakaten aus 100 Jahren.

Im Film „1945“ geht es um Schuld und Sühne in einem kleinen ungarischen Dorf nach dem Holocaust. Foto: Verleih
Im Film „1945“ geht es um Schuld und Sühne in einem kleinen ungarischen Dorf nach dem Holocaust. Foto: Verleih

Eigentlich, so findet Unger-Fischer, müsste es in Regensburg schon längst ein solches Festival geben. Schließlich begreife sich die Stadt seit Jahrhunderten als Brücke zwischen Ost und West. Auch die Universität Regensburg verstehe sich seit ihrer Gründung als wichtige Achse zum östlichen Europa. Doch obwohl etwa tschechische Kinderserien und Märchenfilme seit den 1970er und 1980er Jahren im deutschen Fernsehen einen festen Platz haben – man denke an „Pan Tau“, die „Märchenbraut“ oder „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ – sind zeitgenössische Filme aus Osteuropa in Deutschland nur eine Randerscheinung.

Von der Doku bis zum Thriller

„Die Distanz zu dieser Region ist seit der Wende noch nicht überwunden“, sagt Unger-Fischer. Das Filmfest „Mittel Punkt Europa“ setzt hier an und will den Besuchern mit aktuellen, preisgekrönten und oft sehr gesellschaftskritischen Filmen Länder und Leute näherbringen. „Ich denke, dass diese Filme einen sehr wichtigen Beitrag leisten, um sich mit den dortigen Gesellschaften zu befassen“, sagt Unger-Fischer.

In „The White World According to Daliborek“ porträtiert Regisseur Vít Klusák den tschechischen Neonazi Dalibor K. Foto: Verleih
In „The White World According to Daliborek“ porträtiert Regisseur Vít Klusák den tschechischen Neonazi Dalibor K. Foto: Verleih

Gezeigt werden vorwiegend Spielfilme, aber auch Dokumentationen. Für „The White World According to Daliborek“ hat Regisseur Vít Klusák zwei Jahre lang Dalibor K. begleitet, einen Ultrarechten in der mährischen Provinz: „Er hasst Zigeuner, Juden, Flüchtlinge, Homosexuelle, Merkel, Spinnen und Zahnärzte. Und er hasst sein Leben“.

Diskussion mit Filmschaffenden

Der Thriller „The Line“ erzählt von einer Schmugglerbande an der slowakisch-ukrainischen Grenze. Foto: berco@kufrik.sk
Der Thriller „The Line“ erzählt von einer Schmugglerbande an der slowakisch-ukrainischen Grenze. Foto: berco@kufrik.sk

Der ungarischen Spielfilm „1945“ beschäftigt sich mit der Frage von Schuld und Sühne, als zwei Holocaust-Überlebende – Vater und Sohn – in ihr Dorf zurückkehren. Regisseur Ferenc Török kommt zum Filmgespräch in die Filmgalerie im Leeren Beutel, ebenso wie Peter Bebjak, Regisseur des Thrillers „The Line“ über eine slowakische Schmugglerbande.

In einem Filmgespräch stellt auch Regisseur Andrei Kureichik aus Weißrussland (Belarus) seinen Film „Garasch“ vor. Im Zentrum steht der junge Automechaniker Witalij, der aus den USA in seine Heimat zurückkehren muss und diese neu entdeckt.

Das Filmfest

  • Programm

    In Regensburg wird das Filmfest „Mittel Punkt Europa“ am 4. März um 18.30 Uhr mit dem polnischen Film „The Last Family“ eröffnet. Bis 7. März werden sieben Langfilme und sieben Kurzfilme aus den Ländern Polen, Tschechien, der Slowakei, Ungarn und Belarus gezeigt.

  • Veranstaltungsort

    Spiel- und Veranstaltungsort für sämtliche Filme, Filmgespräche und die Podiumsdiskussion ist die Filmgalerie im Leeren Beutel. Dort sind auch Karten im Vorverkauf erhältlich. Das Programm gibt es unter www.mittelpunkteuropa.eu

„Länder wie Polen, Tschechien, die Slowakei und Ungarn verfügen über eine spannende und lebendige Filmszene“, sagt Unger-Fischer. Über die Bedingungen vor Ort und über die Frage, warum es osteuropäische Produktionen trotzdem so selten in deutsche Kinos schaffen, diskutieren am 5. März um 20 Uhr Vertreter von Filmhochschulen aus den vier Ländern.

Für Studierende findet an der Universität Regensburg am 5. und 6. März zudem ein Workshop „Kunst und Praxis des Filmemachens“ statt (Anmeldung bis 15. Februar unter www.europaeum.de). Die Dokumentarfilmerin Bojána Papp und der Kameramann Marek Jícha zeigen, wie aus einer Idee ein Film wird.

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