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Gastronomie

Kultlokal Chaplin startet neu durch

Nach der Insolvenz der Vorgänger übernehmen die Siegel-Schwestern das Regensburger Lokal. Sie bauen auf das Flair von früher.
von Daniel Steffen

Das Chaplin zieht besonders im Sommer mit dem Freisitz und dem Biergarten zahlreiche Gäste vor oder nach dem Kinobesuch magisch an. Archivfoto: Seidl
Das Chaplin zieht besonders im Sommer mit dem Freisitz und dem Biergarten zahlreiche Gäste vor oder nach dem Kinobesuch magisch an. Archivfoto: Seidl

Regensburg.Die Nachricht hat sich herumgesprochen wie ein Lauffeuer: Das Kultlokal „Chaplin“ am Ostentor hat seit dem Jahreswechsel wieder seine Pforten geöffnet. Neue Pächter sind die Schwestern Astrid und Anette Siegel, die bislang im Weißgerbergraben das Café-Restaurant Siegel betrieben hatten und mit dem Chaplin eine neue Herausforderung angenommen haben. Zwar sind nur wenige Tage vergangen, seitdem sich die ersten Besucher einen Eindruck von dem wiedereröffneten Lokal verschaffen konnten, doch scheinen viele alte Chaplin-Fans zurückgewonnen zu sein.

„Die neuen Pächter haben erkannt, was zuletzt im Chaplin gefehlt hat“, sagt Christine Greiner, die das Kultlokal seit 23 Jahren regelmäßig besucht. Ihrer Meinung nach hat das Chaplin nun sein altes, ursprüngliches Gesicht zurück. Dass die dunklen Tische und Stühle zurück an Ort und Stelle sind, gefalle ihr ebenso wie die Speisekarte, in der sie viele alte kulinarische Chaplin-Klassiker wiederfinde. Die Linguine-Nudeln mit Huhn, wie sie es früher im Chaplin gegeben hatte, ließ sie sich deshalb sogleich schmecken.

Im Chaplin wuchs ihre Liebe

Astrid Siegel, Maria Heindl, Tamara Sötz, Daniel Güds und Anette Siegel (v.l.) freuen sich über einen gelungenen Start des frisch wiedereröffneten Kultlokals „Chaplin“ neben dem Ostentorkino. Foto: Steffen
Astrid Siegel, Maria Heindl, Tamara Sötz, Daniel Güds und Anette Siegel (v.l.) freuen sich über einen gelungenen Start des frisch wiedereröffneten Kultlokals „Chaplin“ neben dem Ostentorkino. Foto: Steffen

„Die nächsten Tage haben wir uns hier eingebucht“, sagt Christine Greiner, zu ihrem Mann Herbert schauend. Die beiden hatten sich vor vier Jahren im Chaplin kennengelernt – und am selben Ort machte Herbert Greiner seiner Angebeteten einen Heiratsantrag. Den Sonntag haben die beiden zu ihrem festen „Chaplin-Tag“ gemacht.

Wirtin Anette Siegel weiß die Vorschusslorbeeren der Gäste zu schätzen. Auch sieht sich in ihrem Kurs bestätigt. „Meine Schwester und ich sind ja selbst seit vielen Jahren Chaplin-Gänger. Deswegen war es uns eine Herzensangelegenheit, zum ursprünglichen Flair zurückzukehren.“ Die schweren Eichenmöbel des Vorpächters Nermin Kurtalic kamen weg, stattdessen baute sie mitunter auf das Traditions-Mobiliar von Jolanda Staudigl, die das Lokal von 1982 bis 2015 betrieben hatte.

Die Stammgäste Christine und Herbert Greiner sind begeistert. Foto: Steffen
Die Stammgäste Christine und Herbert Greiner sind begeistert. Foto: Steffen

„Ein paar Tische sind vom alten Chaplin schon da, die Stühle kommen in den nächsten Tagen hinzu“, sagt Anette Siegel. Ebenso sei sie daran, alte Bilder mit Film-Motiven an die Wand zu hängen, so wie sie einst das Chaplin-Innenleben geprägt hatten. Auch eine überdimensionale Filmrolle hat ihren Platz an der Wand zurück, die frisch in einem ockerfarbenen Ton gestrichen wurde. Die Küche im Chaplin ist noch nicht komplett. Unter anderem kommen noch ein zweiter Herd und ein großer Grill hinzu – und auch ein Kühlhaus muss noch aufgestellt werden. „Deswegen fahren wir den Betrieb momentan in einer kleinen Version“, erklärt Anette Siegel.

Das Kultlokal war in finanzielle Schieflage geraten.

Lokal ist bald ab 9 Uhr geöffnet

So beschränken sich die Öffnungszeiten derzeit auf den Zeitraum von 17 bis 1 Uhr. Spätestens ab der 4. Januarwoche aber wollen die neuen Pächter bereits um 9 Uhr öffnen und ihren Gästen zusätzlich Frühstück und Mittagessen anbieten. Die Speisekarte werde sich vervollständigen und auch einen neuen Facebook-Auftritt soll es geben. „Jetzt sind wir inklusive Aushilfen zehn Leute im Team. Das werden mit der Zeit sicher deutlich mehr“, prognostiziert Anette Siegel.

Szene

Das Chaplin macht trotz Insolvenz weiter

Das Regensburger Kultlokal ist in finanzielle Schieflage geraten. Brauerei Paulaner hält als Verpächterin an der Kneipe fest.

Die Übernahme des Lokals haben die Wirts-Schwestern auch ein Stück weit den Stammgästen zu verdanken. Die nämlich hätten sie auf das Thema angesprochen. Das Chaplin hatte Anfang Oktober 2018 zugemacht, nachdem die Betreiberfirma, die Chaplin Gastro GmbH, Insolvenz angemeldet hatte. Der Verpächter, die Brauerei Paulaner erklärte, dass das Chaplin auf jeden Fall weiterbestehen soll. Die Gespräche mit dem Verpächter beschreibt Anette Siegel als „unkompliziert“. Noch im Januar wollen die Schwestern die Wiedereröffnung im würdigen Rahmen feiern. „Den Termin geben wir rechtzeitig bekannt“, sagt die Wirtin.

Mehr Bilder vom Umbau des Chaplin sehen Sie hier:

Der Umbau des Chaplin in Regensburg

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Tradition seit 1982

  • Die erste Wirtin:

    Im Dezember 1982 hat Jolanda Staudigl in ihrem Lokal neben dem Ostentorkino zum ersten Mal Gäste begrüßt. Unter ihrer Führung (bis 2015) ist die Kneipe zu einer echten Institution in Regensburg geworden.

  • Kultfaktor:

    Von der Studentenkneipe, in dem vor allem Kinobesucher zum Essen hingingen, hat sich das Chaplin zu einem Speiselokal für alle Schichten gemausert.

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