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Gastronomie

Museumscafé droht das Aus

Wegen des Museums-Umbaus hat die Stadt Regensburg der Pächterin gekündigt. Ihre Existenz und 25 Arbeitsplätze sind bedroht.
Von Micha Matthes

  • Das Museumscafé gehört zu den wohl idyllischsten und beliebtesten Cafés der Altstadt. Spätestens Ende 2019 muss es schließen. Fotos: mt
  • Das Museumscafé gehört zu den wohl idyllischsten und beliebtesten Cafés der Altstadt. Spätestens Ende 2019 muss es schließen. Fotos: mt
  • Das Museumscafé gehört zu den wohl idyllischsten und beliebtesten Cafés der Altstadt. Spätestens Ende 2019 muss es schließen. Fotos: mt
  • Das Museumscafé gehört zu den wohl idyllischsten und beliebtesten Cafés der Altstadt. Spätestens Ende 2019 muss es schließen. Fotos: mt
  • Das Museumscafé gehört zu den wohl idyllischsten und beliebtesten Cafés der Altstadt. Spätestens Ende 2019 muss es schließen. Fotos: mt
  • Das Museumscafé gehört zu den wohl idyllischsten und beliebtesten Cafés der Altstadt. Spätestens Ende 2019 muss es schließen. Fotos: mt

Regensburg.Der Blick schweift über Spitzbögen und Säulen zum Schiff der Minoritenkirche. Der gotische Kreuzgang ist vom hektischen Treiben am Dachauplatz abgeschirmt. Im Sommer stehen auf dem Rasen im Innenhof Stühle und Tische. Dann duftet die Luft nach Rosen. Das Museumscafé ist eine kleine Oase im Herzen von Regensburg. Es gehört zu den wohl idyllischsten und beliebtesten Cafés der Altstadt. Auch Stadträte aus dem benachbarten neuen Rathaus treffen sich hier gerne. Für den Umbau des Historischen Museums soll es nun geschlossen werden. Wie es danach weitergeht, bleibt völlig offen.

Nach MZ-Informationen war der Pächterin, Alex Stein, im Dezember gekündigt worden. Auf Nachfrage unseres Medienhauses sagt Stein, die Kündigung habe sie überrascht. Nach ihren Informationen plane die Stadt statt eines Cafés künftig eine kleinere Kantine im Museum. Die Aufgabe des Cafés wäre ein großer Rückschritt, findet die Pächterin. „In jedem guten Museum ist auch eine gute Restauration. Kultur und Kulinarik gehören doch schon immer zusammen.“

Das Museumscafé gehört zu den wohl idyllischsten und beliebtesten Cafés der Altstadt. Spätestens Ende 2019 muss es schließen. Fotos: mt
Das Museumscafé gehört zu den wohl idyllischsten und beliebtesten Cafés der Altstadt. Spätestens Ende 2019 muss es schließen. Fotos: mt

Bis zum 31. Dezember 2018 laufe alles noch so weiter wie gehabt. Für die Zeit danach stehe sie in Verhandlungen mit der Stadt, sagt Stein. „Wir haben der Kündigung widersprochen.“ Laut den Angaben der Pächterin ist der Mietvertrag unbefristet. Eine Schließung des Cafés von mehreren Monaten für den Umbau sei darin zwar festgeschrieben. Stein sei aber davon ausgegangen, danach wieder öffnen zu können. „Mir wurde gesagt, dass die Sanierung in Teilschritten erfolgt“, sagt sie. Es habe auch Handschlags-Vereinbarungen vor Zeugen gegeben, „an die sich jetzt aber niemand mehr erinnern mag“.

Eine prophylaktische Kündigung

Im Sommer stehen auf dem Rasen im Innenhof Stühle und Tische. Dann duftet die Luft nach Rosen. Foto: Stein
Im Sommer stehen auf dem Rasen im Innenhof Stühle und Tische. Dann duftet die Luft nach Rosen. Foto: Stein

Vonseiten der Stadt heißt es hingegen, es habe immer nur einen jährlich befristeten Mietvertrag gegeben. Dieser sei bislang immer automatisch verlängert worden, sagt Kulturreferent Klemens Unger. Aufgrund der anstehenden Umbaumaßnahmen im Museum gebe es nun aber viele Unwägbarkeiten. Die Logistik für den Umbau stehe dem Café-Betrieb im Weg. Museum und Café teilen sich die Zugänge. „In dem Moment, in dem die Arbeiten beginnen, sind Ärgernisse vorprogrammiert.“ Daher habe man die Option wahrgenommen, dem Café fristgerecht – „prophylaktisch“ – zu kündigen.

Muss das Museumscafé schließen?

Man habe Stein nicht nur einen Brief geschrieben, sondern ihr die Umstände auch erläutert, versichert Unger. Außerdem habe er vor 14 Tagen der Pächterin für 2019 noch einmal einen Vertrag angeboten. Eine Rückmeldung dazu stehe noch aus. „Darum ist das Ganze derzeit noch völlig offen.“ Stein hingegen sagt: „Auf diesen Vertrag warten wir noch – genau wie 30 Brautpaare, die gerne 2019 ihre Hochzeiten bei uns feiern würden. Wie soll das wirtschaftlich gehen?“

Das Museumscafé wird oft für Hochzeiten gebucht. Foto: Stein
Das Museumscafé wird oft für Hochzeiten gebucht. Foto: Stein

Der Baubeginn für das neue Museums-Depot und für die städtischen Museen mit Stadtarchiv ist eigentlich für Anfang 2019 geplant. Wie es nach dem Umbau des Historischen Museums weitergehen soll, hänge noch von den Plänen der Architekten ab, sagt Unger. Es könne sein, dass der Gastronomiebetrieb dann erst noch EU-weit ausgeschrieben werden muss. Daher wolle man sich alles offenhalten. Eine Kantine werde es künftig aber nicht geben. „Wir haben ein Museum mit einem wunderschönen Innenhof. Dort soll auch in Zukunft ein Café zur Belebung des Hauses beitragen.“

Läuft das Café zu gut?

Auch Stadträte aus dem benachbarten neuen Rathaus treffen sich gerne im Museumscafé. Sogar Joachim Herrmann, Bayerischer Staatsminister des Innern, für Bau und Verkehr, war dort schon zu Gast. Foto: Stein
Auch Stadträte aus dem benachbarten neuen Rathaus treffen sich gerne im Museumscafé. Sogar Joachim Herrmann, Bayerischer Staatsminister des Innern, für Bau und Verkehr, war dort schon zu Gast. Foto: Stein

Stein hat das Museumscafé mit viel Liebe zum Detail eingerichtet. Ein Sofa ist aus ihrem früheren Kinderbett gebaut. Sie kann das Verhalten der Stadt nicht nachvollziehen. „Ich war sehr verwundert über diese Kehrtwende: Als ich das Café 2014 übernahm, wurde mir ja zur Aufgabe gemacht, es zum Laufen zu bringen. Jetzt läuft es gut und auf einmal stören wir.“ Es habe ihr gegenüber sogar den Einwand gegeben, dass zu viel los sei. „Die Verwaltung wollte ein Museum mit Café, jetzt hat sie ein Café mit Museum – und das passt ihr nicht.“ Spätestens Ende 2019 werden die 25 Mitarbeiter nun wohl ihre Jobs verlieren. Wegen der – laut Stein – „sehr hohen Ablösesumme“, die sie bei der Übernahme des Cafés bezahlt habe, gerate auch ihre Existenz ins Wanken. „So eine Summe war in vier Jahren nicht reinzuholen“, sagt sie. „Aber von der Stadt interessiert das jetzt niemanden mehr.“

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