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Gastronomie

So dreist zocken Zechpreller ab

Mönchkostüm oder vermeintlicher Jahn-Manager – Gäste, die in Regensburger Lokalen nicht zahlen wollen, kennen viele Tricks.
Von Heike Haala, MZ

Trinken, essen oder übernachten und dann nicht bezahlen: Auch Regensburger Gastronomen kennen das Phänomen.
Trinken, essen oder übernachten und dann nicht bezahlen: Auch Regensburger Gastronomen kennen das Phänomen. Foto: dpa

Regensburg.Ein Weißbier in der Kneipe, ein ordentliches Mittagessen oder sogar mehrere Übernachtungen in einem Hotelzimmer, inklusive leer geräumter Mini-Bar und diversen Absackern an der Bar: Immer wieder kommt es auch in Regensburger Gastronomiebetrieben vor, dass Gäste es sich gut gehen lassen und dann verschwinden, ohne dafür zu bezahlen. Ihre Tricks sind dreist, manche von ihnen schlüpfen dafür sogar in Kostüme. Für Muk Röhrl, den Wirt des Brandl-Bräu und der Gaststätte Röhrl, ist klar: Wenn sich jemand fest vornimmt, den Wirt zu betrügen, wird ihm das auch gelingen. Die Gastronomen haben im Zweifelsfall das Nachsehen und ein Minus in der Kasse, das sie ausgleichen müssen.

Jeder zehnte Gast sieht in diesem Verhalten lediglich einen Kavaliersdelikt. So gaben elf Prozent der Befragten in einer repräsentativen YouGov-Umfrage an, dass sie es als ein nicht so schlimmes Vergehen erachten, wenn eine Rechnung nicht bezahlt wird. Nachsicht für dieses Vergehen zeigten mit 19 Prozent besonders viele der 18- bis 39-jährigen Teilnehmer. Gefragt, ob sie selbst schon einmal die Zeche geprellt haben, etwa in einem Restaurant, antworteten sechs Prozent aller von YouGov Befragten mit „Ja“.

Die Regensburger Wirte aber bewerten das vollkommen anders: „Das ist das Letzte“, sagt Kathrin Fuchshuber. Sie ist die Chefin des Münchner Hofs und Vorsitzende des Vereins „Hotels in Regensburg“. Auch Phuc Huynh, er betreibt das „Il Baretto“, sieht im Zecheprellen kein Kavaliersdelikt, sondern vorsätzlichen Betrug.

Fußballwissen als Tarnung

Ebenso sind sich die Regensburger Gastronomen, die unsere Zeitung befragte, in einem weiteren Punkt einig: Der Großteil der Gäste bezahlt aber für die erbrachten Leistungen. Dafür sind die schwarzen Schafe unter ihnen besonders dreist. Ein Gast in Huynhs Restaurant, der nie vorhatte zu zahlen, verkleidete sich beispielsweise als Mönch, schlug sich den Wanst ordentlich voll und war auf einmal weg. Im Münchner Hof dagegen logierte schon einmal ein vermeintlicher Fußball-Manager des SSV Jahn. Bei diversen Absackern an der Bar brillierte er mit detailliertem Wissen über Fußball und zahlte auch seine Drinks dort. Dafür verschwand er wenige Tage später, ohne sein Zimmer zu bezahlen, und räumte auch noch die Minibar aus.

Wenig später schnappte die Polizei den Mann. Fuchshuber aber sah ihr Geld trotzdem nicht wieder: „Er war mittellos.“ Auch aus anderen Gründen stehen die Wirte so einem Verhalten oft hilflos gegenüber. „Wenn die Mitarbeiter im Service bemerken, dass jemand die Zeche geprellt hat, ist der meist schon über alle Berge“, sagt Röhrl. Zudem sehen sie sich als Gastgeber und Dienstleister, bei denen sich die Kunden wohlfühlen sollen. Grundsätzliches Misstrauen oder Kontrollen der Gäste können sie sich deswegen nicht leisten.

Die Regensburger Hoteliers zeigen sich solidarisch: Sie warnen sich gegenseitig, wenn sie bemerken, dass ein Gast verschwunden ist, ohne zu bezahlen. Sie geben Beschreibungen durch, damit diese Personen nicht gleich im nächsten Haus einchecken und abzocken kann. Das ist auch wichtig. „Wenn ein Hotelgast geht, ohne zu bezahlen, geht der Schaden schnell in die Hunderte“, sagt Stephanie Birnthaler. Sie betreibt mehrere Hotels in Regensburg, etwa das „Goliath“ oder das „Dock1“.

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Im Zweifelsfall Hilfe holen

Ulrich Korb, Bezirksgeschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga), bestätigt: So sehr sich die Wirte auch anstrengen – Zechprellerei kommt immer wieder vor. Im Sommer, wenn die Freisitze geöffnet haben, tendenziell mehr als im Winter, in größeren Betrieben öfter als in kleineren. Manchmal haben die Zechpreller ein schlechtes Gewissen. Sollte sich einer von ihnen noch einmal melden, würden sich die Gastronomen laut Korb kulant zeigen.

Wenn klar ist, um wen es sich handelt, rufen sie aber auch schon einmal die Polizei. Markus Reitmeier von der Polizeiinspektion Süd erklärt, was dann passiert: „Wenn die Polizei hinzu gerufen wird, ist zunächst zu prüfen, ob der Gast nur sein Geld vergessen hat, oder nicht zahlen will.“ Im ersten Fall handelt es sich um eine zivilrechtliche Angelegenheit. Die Polizei stellt dann nur die Personalien fest. Wenn der Gast die Zeche aber prellen wollte oder das versuchte, wird eine Strafanzeige wegen Betrug aufgenommen. Das Strafgesetzbuch sieht hier eine Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder eine Geldstrafe vor. Wenn der Gast sagt, er habe nur vergessen zu bezahlen, wird der Staatsanwalt oder der Richter das bewerten.

Sollte ein Wirt oder ein anderer Zeuge einen Gast bemerken, der die Zeche nicht zahlen will und sich entfernt, hat er das Recht, diesen festzuhalten, bis die Polizei eintrifft. Aber Reitmeier warnt auch: „Man sollte sich nicht selbst gefährden.“ Deswegen sei es im Zweifelsfall besser, sich die Person einzuprägen und Hilfe zu holen.

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