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Aktion

Spione und Fälscher beschäftigen Stadt

Regensburg liest startet mit Bestseller-Autor Alex Capus in Runde zwei. Wichtiger Termin für alle Teilnehmer: der 1. Februar.
Von Micha Matthes

Regensburg liest startet in die zweite Runde: Susanne Borst, Filialleiterin bei Pustet, zeigt das Buch, das 2018 im Mittelpunkt steht. Zu dem bewährten Organisationsteam gehören in diesem Jahr außerdem wieder Carola Kupfer, Ulrich Dombrowsky, Elisabeth Mair-Gummermann, Karin Martin, Christine Lehner und Johanna Röhrl.Fotos: mt, Lukas Pokorny
Regensburg liest startet in die zweite Runde: Susanne Borst, Filialleiterin bei Pustet, zeigt das Buch, das 2018 im Mittelpunkt steht. Zu dem bewährten Organisationsteam gehören in diesem Jahr außerdem wieder Carola Kupfer, Ulrich Dombrowsky, Elisabeth Mair-Gummermann, Karin Martin, Christine Lehner und Johanna Röhrl.Fotos: mt, Lukas Pokorny

Regensburg.Emile Gilliéron ist stolz auf sein Lebenswerk, obwohl ihm dafür eigentlich ein Leben hinter Gittern droht. Nicht einmal ein Meisterfälscher wie Wolfgang Beltracchi könnte ihm heute das Wasser reichen. Denn „er hatte nicht einfach nur ein paar Ölschwarten, Elfenbeinfigürchen oder Geldscheine kopiert, sondern nichts weniger als das Lebensbildnis der ältesten Hochkultur Europas erfunden – mit all ihrer spielerischen Lebensfreude und ihrem Hang zu Jugendstil und Art déco.“ Aus ein paar schäbigen antiken Scherben lässt er die komplette minoische Kultur auf Kreta opulent und farbenprächtig nach seinen eigenen Vorstellungen auferstehen. Wenn Figuren dann auf einmal Turnschuhe tragen, ist das eben seine künstlerische Interpretation. Der Rest der Welt springt auf jeden Fall darauf an und kauft es ihm ab – zumindest zunächst.

Der Schweizer Autor Alex Capus steht mit seinem Buch „Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer“ dieses Jahr im Mittelpunkt von Regensburg liest. Foto: Ayse Yavas
Der Schweizer Autor Alex Capus steht mit seinem Buch „Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer“ dieses Jahr im Mittelpunkt von Regensburg liest. Foto: Ayse Yavas

In diesem Jahr wird es spannend bei Regensburg liest. Wenn das große Lesefestival schon bald in die zweite Runde startet, steht aber nicht nur der „größte Fälscher aller Zeiten“ im Mittelpunkt. Es wird auch um eine Spionin und einen Bombenbauer gehen. Und natürlich um Alex Capus, den Autor des zentralen Buches „Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer“, den sich die Organisatoren von Regensburg liest natürlich wieder mit ins Boot geholt haben. Der Schweizer Bestseller-Autor (bekannt unter anderem durch Bücher wie „Eine Frage der Zeit“ oder „Léon und Louise“) wird für die offizielle Kick-off-Veranstaltung am 23. April im Verlagsgebäude der Mittelbayerischen Zeitung nach Regensburg kommen – er hat auch bereits eine große Lesung im Thon-Dittmer-Palais für den folgenden Tag zugesagt. Insgesamt wird sich der Aktionszeitraum des Festivals in diesem Jahr etwas kompakter gestalten. Die Abschlussveranstaltung ist für Ende Mai geplant.

Eine Lesung im eigenen Garten

Die offizielle Kick-off-Veranstaltung findet auch in diesem Jahr wieder im Verlagsgebäude der Mittelbayerischen Zeitung statt. Bestseller-Autor Alex Capus hat schon zugesagt. Archivfoto:
Die offizielle Kick-off-Veranstaltung findet auch in diesem Jahr wieder im Verlagsgebäude der Mittelbayerischen Zeitung statt. Bestseller-Autor Alex Capus hat schon zugesagt. Archivfoto:

Der wichtigste Termin für alle Schulen, interessierte Unternehmen und Unterstützer, die sich in irgendeiner Form mit eigenen Aktionen beteiligen möchten, steht aber jetzt schon an. Bei einer Informationsveranstaltung am 1. Februar um 19.30 Uhr im Lesesaal der Stadtbücherei am Haidplatz stellen die Initiatoren allen Interessierten die Aktion vor und präsentieren Ideen, mit denen sich wirklich jeder Regensburger, der möchte, beteiligen kann.

Der Autor

  • Alex Capus

    (Foto: Ayse Yavas) , geboren 1961 in der Normandie, lebt in der Schweiz. 1994 veröffentlichte er seinen ersten Erzählungsband, dem seitdem vierzehn weitere Bücher mit Kurzgeschichten, Romanen und Reportagen folgten.

  • Bei Hanser

    erschienen unter anderem Léon und Louise (2011), Fast ein bisschen Frühling (2012), Skidoo (Meine Reise durch die Geisterstädte des Wilden Westens, 2012), Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer (2013) und Reisen im Licht der Sterne (Neuausgabe, 2015), außerdem Mein Nachbar Urs (2014) und Seiltänzer (2015).

Das kann man schon allein, indem man – unter dem Stichwort „Lesepunkte“ – zu sich einlädt. „Die Suche nach solchen ‚Lesepunkten‘ liegt uns besonders am Herzen“, sagt Carola Kupfer, Vorsitzende des Vereins Regensburg liest. „Jeder Bürger, jede Institution, jedes Geschäft kann mitmachen. Man muss nur sagen: Wir haben eine tolle Dachterrasse, einen Innenhof, ein Ladengeschäft oder ein super Kellergewölbe – dort lesen wir unsere Lieblingspassagen aus dem Buch vor.“ So könnten etwa in einem Reisebüro oder Restaurant die besten Passagen, die mit Griechenland zu tun haben, auf besonders offene Ohren treffen. „Das Schöne daran ist, dass die Menschen so aber vielleicht auch an normalerweise unzugängliche Orte in der Stadt kommen“, sagt Kupfer. Als Clou bekommt jeder, der einen Lesepunkt zur Verfügung stellt, das Buch geschenkt.

Preis für Schulprojekte ausgelobt

Neu ist 2018 unter anderem auch ein gut dotierter Schulpreis. „Wir wollen die Schulen stärker integrieren“, sagt Kupfer. „Dazu haben wir den Preis ausgelobt.“ Prämiert werden Projekte von Klassen, Kursen oder einzelnen Schülergruppen. Mitmachen können alle weiterführenden Schulen; Fachrichtung und Art der eingereichten Projekte sind völlig frei.

„Das Buch beinhaltet ganz viele gesellschaftliche Themen, über die alle reden sollten.“

Carola Kupfer, Vorsitzende von Regensburg liest e. V.

Das Buch biete dafür eine ungeheure Fülle an Anknüpfungspunkten, sagt Kupfer: Angefangen bei Themen wie Atomphysik und Archäologie über Griechenland und Reisen bis hin zu Schliemann oder Weimarer Republik. „Das Buch ist wunderbar erzählt und witzig aufbereitet. Gleichzeitig beinhaltet es ganz viele gesellschaftliche Themen, über die alle reden sollten.“ Als besonders spannend – vor allem im Hinblick auf aktuelle Geschehnisse in den USA – dürften sich auch die Bereiche Original und Fälschung (Fake News) und Spionage erweisen.

Carola Kupfer, Ulrich Dombrowsky, Elisabeth Mair-Gummermann, Karin Martin, Christine Lehner, Susanne Borst und Johanna Röhrl organisieren auch in diesem Jahr wieder die Aktion Regensburg liest.Fotos: mt, Lukas Pokorny
Carola Kupfer, Ulrich Dombrowsky, Elisabeth Mair-Gummermann, Karin Martin, Christine Lehner, Susanne Borst und Johanna Röhrl organisieren auch in diesem Jahr wieder die Aktion Regensburg liest.Fotos: mt, Lukas Pokorny

Immer wieder ist man auch beim Lesen des Buches versucht, zu googeln: Was ist wahr, was hat Capus sich zurechtgelegt? Das meiste beruht auf Tatsachen, ein paar Kleinigkeiten sind erfunden. Dem Autor gelingt so eine Verquickung zeitgeschichtlicher und biografischer Daten mit Fiktivem. „Faktentreues Träumen“ nennt der Verlag diesen Stil, wenn Capus heiter, elegant und lakonisch den exakt recherchierten Lebensläufen seiner drei Helden folgt. Dabei bieten die Schicksale von Meisterfälscher Emile Gilliéron (1885-1939), Laura d’Oriano (1911-1943), Sängerin und gleichzeitig Spionin für den französischen Widerstand, und Felix Bloch (1905-1983), Physikgenie, Pazifist und Mitentwickler der Atombombe, allein schon Stoff für mindestens drei Bücher – das ist Fakt.

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