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Szene

Streit über Discowerbung entbrannt

Entrüstete Passanten, Verurteilungen in Sozialen Medien: Ist das „Smack My Bitch Up“-Plakat des Clubs Beats frauenfeindlich?
Von Micha Matthes

  • Anstelle des umstrittenen Plakats hat der Geschäftsführer der Diskothek jetzt neue Plakate mit dem Aufdruck „It‘s all about the bunnies“ an der Obermünsterstraße aufhängen lassen. Foto: mt
  • Über dieses Plakat des Clubs Beats entbrannte ein Streit: Ist es frauenfeindlich? Screenshot: Facebook

Regensburg.Über ein Werbeplakat des Regensburger Clubs Beats mit dem Slogan „Smack My Bitch Up“ entbrannte ein Streit. Im Internet diskutierten Regensburger heftig darüber, wie der Slogan zu verstehen ist, wo Sexismus beginnt und ob das Plakat nicht auch – unabhängig von einem Sexismusvorwurf – zu verurteilen sei.

„Wie kommt ihr auf die Idee, ein Plakat mit der Aufschrift ,Schlag meine Schlampe‘ sei ein angemessenes Werbeplakat?“, hatte eine Frau auf Facebook an die Club-Betreiber gerichtet geschrieben und damit die Kontroverse ausgelöst, in der sogar ein Boykott des Clubs angesprochen wurde. Das Plakat sei auf „Sex sells“ angelegt, hatte ein anderer Nutzer kommentiert. „Dabei wird auch klar ein Frauenbild transportiert, das eben nicht nur nicht feministisch, sondern schlicht und ergreifend respektlos gegenüber Frauen ist.“ Die Club-Betreiber sehen das Problem hingegen in der Unwissenheit der Kritiker. Sie versichern: Es handle sich bei dem Slogan um eine Anlehnung an den gleichnamigen Song von The Prodigy – „einen Garanten für Stimmung, der in Clubs gern gespielt wird“.

Das Absurde an der ganzen Sache: Das Musikvideo zu dem Song war zwar anfangs – unter anderem, weil es als gewalt- und drogenverherrlichend gilt – umstritten, wurde aber schließlich mehrfach ausgezeichnet und gilt sogar als feministisch, weil es tradierte Rollenklischees auf den Kopf stellt. Eine Frau, die den Drogen-Zusammenhang kennt, schrieb in der Diskussion: Das mache das Ganze allerdings nicht besser. „Wie kann man so bescheuert sein, sich das auf die Fahne zu schreiben.“

„Wir leben in einer Zeit, in der irgendjemand etwas falsch auffasst, aus dem Kontext reißt und im Internet beliebig aufbauscht.“

Andreas Schaffner, Geschäftsführer des Beats Club

Der Geschäftsführer des Beats-Club kann die Kritik nicht nachvollziehen. Das Plakat sei in keinster Weise eine Aufforderung zu Gewalt oder anstößigem Verhalten, sagt Andreas Schaffner. „Ich bin der Meinung, die Dame, die den ursprünglichen Kritik-Post verfasst hat, kannte das Lied nicht, hat das Plakat wörtlich übersetzt und nicht reflektiert, ob es sich vielleicht um einen Liedtext handelt.“ Sollte jemand Anstoß an dem Slogan finden, dann möge er sich doch bitte nicht nur an das Beats, sondern an die gesamte Musikindustrie wenden. „Wir leben in einer Zeit, in der irgendjemand etwas falsch auffasst, aus dem Kontext reißt und im Internet beliebig aufbauscht.“

Falsch übersetzt

Auf die Frage, wie die Frauen-Motive, mit denen der Club regelmäßig wirb, generell einzustufen sind, gibt der Geschäftsführer des Beats Club an, dass ihm die Idee „Sex sells“ geläufig sei. „Das, was wir als Marketing machen, ist im Club-Bereich aber die Norm.“ Foto: mt
Auf die Frage, wie die Frauen-Motive, mit denen der Club regelmäßig wirb, generell einzustufen sind, gibt der Geschäftsführer des Beats Club an, dass ihm die Idee „Sex sells“ geläufig sei. „Das, was wir als Marketing machen, ist im Club-Bereich aber die Norm.“ Foto: mt

Unter anderem werde im Urban Dictionary, einem Online-Wörterbuch für umgangssprachliche Redewendungen, ganz klar gesagt, dass der Ausdruck nicht in erster Linie frauenfeindlich ist, sagt Dr. Sarah Buschfeld, Akademische Rätin am Department of English and American Studies der Universität Regensburg. „Die Phrase meint nicht: schlag deine Freundin!“, sagt Buschfeld. „Bitch“ stehe in diesem Zusammenhang als Slang-Ausdruck für die Hauptvene im Arm, „Smack“ für das Heroin, das dort injiziert werde. „Die idiomatische Hauptbedeutung ist somit drogenbezogen.“ Der Ausdruck sei letztlich im Sinne von „Mach mich high“ oder „Bring mich hoch“ zu übersetzen.

„Wenn man den Song dazu berücksichtigt, ist die intendierte Botschaft nicht frauenfeindlich. Das kann man der Diskothek nicht unterstellen“

Dr. Sarah Buschfeld, Akademische Rätin am Department of English and American Studies der Universität Regensburg

Zur Sicherheit holt Buschfeld noch den Rat ihrer Kollegin und englischen Muttersprachlerin M. A. Julia McIntosh-Schneider ein, die ihr diese Bedeutung bestätigt. „Wenn man den Song dazu berücksichtigt, ist die intendierte Botschaft nicht frauenfeindlich. Das kann man der Diskothek nicht unterstellen. Es ist wohl eher der naive Versuch, ein cooles Feier-Image zu kreieren – auch mit einer starken Drogenkonnotation“, sagt Buschfeld. Die feministische Diskussion sei somit nicht angemessen. Trotzdem finde sie persönlich das Plakat nicht gut. „Fast niemand kennt die genaue Bedeutung. Das Missverständnis ist perfekt – und das alleine ist schon nicht gut.“ Besonders Jugendliche könnten – ganz zu schweigen von der Gefahr durch die Drogen- und Gewaltverherrlichung im Video – die Worte leicht fehlinterpretieren.

„Ein Fall für den Werberat“

Anstelle des umstrittenen Plakats hat der Geschäftsführer der Diskothek jetzt neue Plakate mit dem Aufdruck „It‘s all about the bunnies“ an der Obermünsterstraße aufhängen lassen. Foto: mt
Anstelle des umstrittenen Plakats hat der Geschäftsführer der Diskothek jetzt neue Plakate mit dem Aufdruck „It‘s all about the bunnies“ an der Obermünsterstraße aufhängen lassen. Foto: mt

Die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt, Marga Teufel, dachte auf den ersten Blick an Gewaltverherrlichung mit einer Frau als Opfer: „Etwas, das in unseren Breitengraden nicht akzeptiert wird und gegen das man vorgehen muss.“ Auch sie musste sich erst schlaumachen, was die Übersetzung angeht. „Ich kann nur sagen: auch nicht besser. Weg damit! Ein Fall für den Werberat“, befindet sie anschließend. Sie gehe davon aus, dass das Zitat – „selbst wenn der Song akzeptiert ist“ – eine Werbung für Heroin ist. Das allein mache wohl schon ein Abhängen notwendig.

Umstrittene Plakate

  • Im Juli 2016

    hatte das Plakat eines Gerüstbauers in der Altstadt , auf dem eine nackte Frau abgebildet war, eine Diskussion über sexistische Werbung ausgelöst.

  • Der Firmeninhaber

    hatte darauf beharrt, dass es sich um Kunst handle, Politikerinnen hatten dafür kein Verständnis. „Das Plakat ist sexistisch und gehört weg“, hatte damals MdL Margit Wild gesagt. Der Gerüstbauer ließ es entfernen.

Auf die Frage, wie die Frauen-Motive, mit denen der Club regelmäßig wirbt, generell einzustufen sind, gibt der Geschäftsführer an, dass ihm die Idee „Sex sells“ geläufig sei. „Das, was wir als Marketing machen, ist im Club-Bereich aber die Norm.“ Er wolle sich kein Urteil anmaßen. „Wenn jemand der Meinung ist, etwas ist sexistisch, dann sind wir gerne bereit, uns das noch einmal anzusehen.“ Sollte ein Fehler unterlaufen, werde man sich entschuldigen.

Über ein Werbeplakat des Clubs Beats entbrannte ein Streit. Der Geschäftsführer hat das Plakat inzwischen entfernen lassen. Foto: mt
Über ein Werbeplakat des Clubs Beats entbrannte ein Streit. Der Geschäftsführer hat das Plakat inzwischen entfernen lassen. Foto: mt

Das umstrittene Plakat, das an einem Bauzaun in der Obermünsterstraße hing, hat Schaffner abnehmen lassen – nach seinen Angaben im Zuge eines turnusmäßigen Plakatwechsels. Der Termin sei zufällig mit der Kritik einhergegangen. Auf dem neuen Plakat sind drei Frauen zu sehen – eine davon zeigt einen tiefen Ausschnitt, daneben der Slogan „It‘s all about the bunnies“.

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