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Vom Hörsaal in die Selbstständigkeit

Frauen sind als Gründerinnen unterrepräsentiert. Eine engagierte Gruppe an der OTH Regensburg will das ändern.
Von Sarah Höger

Jung-Unternehmerin Judith Weber aus Dingolfing hat während ihres Studiums eine eigene kleine Firma gegründet. Foto: Sarah Höger
Jung-Unternehmerin Judith Weber aus Dingolfing hat während ihres Studiums eine eigene kleine Firma gegründet. Foto: Sarah Höger

Regensburg.„Eigentlich wollte ich mit einem Fantasybuch Autorin werden“, erzählte Judith Weber vor ihrem Vortrag, den sie am Montag vor etwa 90 Zuhörern in einem der Hörsäle der OTH Regensburg gehalten hat. Der Vortrag drehte sich jedoch nicht um das Buchschreiben, sondern um die kleine Firma, die die 24-Jährige gegründet hat.

„Vedalights“ heißt das Unternehmen der gebürtigen Dingolfingerin. Weber stellt Kerzen mit bestimmten Themen her, die einen Bezug vor allem zu Fantasybüchern wie Harry Potter oder Herr der Ringe haben. Am Montagabend stand sie mit zusammen mit Prof. Helle Neergaard (Professorin für Entrepreneurship in Dänemark), Sabine Ertl (Marketing-Direktorin von Osram) und Isabella Hastreiter (Expertin für Design-Thinking) auf dem Podium und sprach auf Englisch darüber, wie es ist, als junge Frau ein Unternehmen zu gründen.

„Bridgeit“ will Unternehmergeist bei Frauen wecken

Eingeladen wurde sie von einer noch in den Kinderschuhen steckenden, aber sehr ambitionierten Gruppe junger Frauen an der OTH. Die Gruppe nennt sich „Bridgeit“ und will dafür werben, dass mehr Frauen den Unternehmergeist in sich entdecken. Bei der Veranstaltung am Montag sollte es darum gehen, wie man junge Frauen aller Disziplinen an der Uni dazu motivieren kann sich zu trauen, ein eigenes Unternehmen auf die Beine zu stellen. Eine, die diesen Schritt bereits gewagt hat, ist Weber.

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OTH Regensburg stellt sich an Pranger

An der Hochschule arbeiten und studieren deutlich weniger Frauen als Männer. Die OTH macht selbst auf das Problem aufmerksam.

„Das Kerzen-Business ist schon eine Nische“, räumt sie im Gespräch mit der Mittelbayerischen ein. Diese Nische hat die findige Studentin jedoch erkannt und zum Geschäft gemacht: „In den USA gibt es ganz viele Anbieter für solche Themen-Kerzen, der Versand nach Deutschland kostet jedoch um die 25 Euro. Da habe ich mich gefragt: wieso die Kerzen nicht ganz einfach auch in Deutschland herstellen und vertreiben?“. Und schon war die Geschäftsidee geboren. Mit der Produktion und dem Versand der Kerzen aus Sojawachs macht Weber, die eigentlich Biologie an der Uni Regensburg studiert, genug Geld, um sich ihr Masterstudium zu finanzieren. Ihren Versand hat die junge Frau als Nebengewerbe auf die Adresse ihrer Eltern in Dingolfing angemeldet.

Nur 15 Prozent Gründerinnen

Unter den Unternehmensgründern in Deutschland machen die Frauen lediglich einen Anteil von 15 Prozent aus. Eine viel zu geringe Zahl, findet Weber. Sie weiß, warum aber gerade Frauen das Zeug zu Unternehmerinnen haben: „Frauen wollen auf der sicheren Seite sein. Das ist richtig, finde ich. Man sollte einfach seinem Inneren zuhören und es langsam angehen lassen. Vor allem Männer haben dann ja oft das Bild vor Augen, dass sie ganz groß rauskommen müssen wie die Tech-Stars Elon Musk oder Bill Gates, oder auf hart machen zu müssen. Aber auch als Unternehmer kann man bleiben, wie man ist ohne sich verbiegen zu müssen. Das erkennen Frauen schneller.“

Ihr Studium wegen der Firma hinschmeißen will sie jedoch nicht: „Das bin ich meinen Eltern schuldig“, schmunzelt Weber.

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