MyMz
Anzeige

Vor 20 Jahren begann die Eskalation am WAA-Zaun

Polizei reißt im Januar 1986 Hüttendorf „Freies Wackerland“ ein

Einer der ersten von vielen spektakulären Polizeieinsätzen am WAA-Baugelände: Beamte reißen im Januar 1986 das Hüttendorf „Freies Wackerland“ ein. MZ-Archiv

Anfang Dezember hatten im Taxöldener Forst die Rodungsarbeiten für die umstrittene Atomfabrik begonnen. Daraufhin demonstrierten nach Schätzungen der WAA-Gegner bis zu 40000 Menschen gegen das Projekt. Über die Weihnachtsfeiertage und die Jahreswende 1985/86 entstand das Hüttendorf mit Blockhütten, Zelten und Baumhäusern und es wurde mit einem provisorischen Zaun aus Baumstämmen und Wurzelstöcken befestigt.

Bis zu 1500 Kernkraftgegner hielten bei Temperaturen bis zu minus zehn Grad in „Wackerland“ aus. Zu ihnen gesellte sich unter anderem der Schwandorfer Landrat Hans Schuierer (SPD). Die Bevölkerung der umliegenden Orte sympathisierte zum großen Teil mit den Demonstranten und versorgte sie mit Lebensmitteln und warmen Getränken.

Am 7. Januar 1986 kehrte die Polizei zu ihrer „harten bayerischen Linie“ zurück. Rund 2000 Beamte der Polizei und des Bundesgrenzschutzes räumten das Dorf und rissen die Hütten nieder. Wer nicht freiwillig ging, wurde „erkennungsdienstlich behandelt“.

Bis zum Frühjahr 1986 entstand ein massiver Zaun rund um das Baugelände, der in der Folgezeit Schauplatz der gewaltsamsten Auseinandersetzungen werden sollte, die die Oberpfalz in der Nachkriegsgeschichte erlebt hat. Bei den Pfingstkrawallen 1986 beispielsweise wurden rund 400 Menschen, darunter 197 Polizeibeamte, zum Teil schwer verletzt.

Das Aus für die atomare Wiederaufarbeitungsanlage in der Oberpfalz kam erst 1989. Rudolf von Benningsen-Foerder, Chef des Energieriesen VEBA, ließ das Projekt aus wirtschaftlichen Gründen fallen.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht