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Arbeitsmarkt

1400 Lehrstellen oberpfalzweit unbesetzt

Wer jetzt noch keinen Ausbildungsplatz hat, muss nicht verzweifeln. Viele Betriebe suchen sogar noch händeringend Bewerber.
von Christine Straßer

Ein großes Lehrstellenangebot finden unter anderem angehende Elektroniker. Foto: Highwaystarz/Fotolia/HWK
Ein großes Lehrstellenangebot finden unter anderem angehende Elektroniker. Foto: Highwaystarz/Fotolia/HWK

Regensburg.Ein Zuschuss für den Führerschein, Übernahme des Handyvertrags, Auslandsaufenthalte schon während der Ausbildungszeit – Betriebe in Ostbayern fahren im Wettbewerb um neue Auszubildende so einiges an Extra-Anreizen auf. Vielfältige Perspektiven bietet die berufliche Ausbildung in Bayern ohnehin für Absolventen aller Schularten. Aber trotzdem werden nicht alle Betriebe fündig. Am Montag beginnt ganz traditionell das neue Berufsausbildungsjahr und auf dem Ausbildungsmarkt bildet sich Licht und Schatten ab, wie die Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz und die Industrie- und Handelskammer Regensburg für Oberpfalz/Kelheim am Freitag gemeinsam darstellten. Für Bewerber ist die Lage so gut wie vielleicht noch nie, aber für Betriebe ist sie eine Herausforderung.

2378 Jugendliche starten laut den Daten der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz 2019 eine Lehre im Oberpfälzer Handwerk. Das sind 7,58 Prozent weniger im Vergleich zum Vorjahr. Auf einen Bewerber kommen in Bayern laut Statistik der Agentur für Arbeit aktuell 3,5 freie Lehrstellen. In der Lehrstellenbörse der Handwerkskammer sind oberpfalzweit gerade 623 freie Ausbildungsplätze quer durch alle Berufe und Regionen gemeldet. Die meisten freien Stellen gibt es in den Berufen Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, Elektroniker, Metallbauer, Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk, Maurer und Kfz-Mechatroniker. „Interessant ist, dass die Bereiche mit dem größten Bedarf fast deckungsgleich mit den ausbildungsstärksten Berufen sind“, stellte Hans Schmidt, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer, fest.

Eklatanter Bewerbermangel

Sie sprechen von einem guten Ausbildungsjahr für Bewerber und einem schwierigen für Betriebe (v.l.): Ralf Kohl, Bereichsleiter Berufsbildung der IHK, Angela Sedlmaier, Referentin Bildungsmarketing der Handwerkskammer, und Hans Schmidt, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Foto: Straßer
Sie sprechen von einem guten Ausbildungsjahr für Bewerber und einem schwierigen für Betriebe (v.l.): Ralf Kohl, Bereichsleiter Berufsbildung der IHK, Angela Sedlmaier, Referentin Bildungsmarketing der Handwerkskammer, und Hans Schmidt, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Foto: Straßer

Die IHK Regensburg verzeichnet 4363 neue Ausbildungsverträge. Mit einem Plus von 2,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zeigt sich der Ausbildungsmarkt in der Region somit stabil, lautet hier das Fazit. Das Aber folgt jedoch ebenfalls prompt. Denn rund 800 Ausbildungsstellen bei Unternehmen aus Industrie, Handel und Dienstleistungen können zu Beginn des Ausbildungsjahres nicht besetzt werden. „Der Bewerbermangel ist in allen Orten und Branchen spürbar“, sagte Ralf Kohl, Bereichsleiter Berufsbildung bei der IHK. Selbst so beliebte Beruf wie Bankkaufmann seien mittlerweile betroffen.

Der Blick auf Bayern

  • Freie Plätze:

    Zu Beginn des neuen Ausbildungsjahres sind im Freistaat noch rund ein Drittel der Lehrstellen unbesetzt. Für fast 33 000 Plätze sei kein Auszubildender gefunden worden, teilte der Bayerische Industrie- und Handelskammertag (BIHK) unter Berufung auf Zahlen der Arbeitsagentur mit.

  • Start:

    Anfang September beginnen rund 48 000 Jugendliche ihre Ausbildung in Berufen der Industrie, des Handels und im Dienstleistungsbereich. Am gefragtesten sind in diesem Jahr unter anderem die Lehren als Einzelhandelskaufleute, Verkäufer und Fachinformatiker.

Kohl und Schmidt verwiesen zur Erklärung auf den Trend zur höheren Schulbildung und die demografische Entwicklung. Das Bayerische Statistische Landesamt ermittelte bei den 16- bis 19-Jährigen für die Oberpfalz bis 2037 einen Rückgang des Bevölkerungsanteils um 6,7 Prozent. Was den Betrieben Sorgen bereitet, stellt sich als Glücksfall für so manchen Bewerber heraus. Die Chancen, im Wunschberuf einen Ausbildungsplatz zu finden, seien derzeit so gut wie selten zuvor. Auch wer bislang noch nicht zum Zug kam, darf sich noch Hoffnungen machen. Schmidt und Kohl gaben sich zuversichtlich, dass bis Jahresende noch einige 100 weitere Ausbildungsverträge in der Oberpfalz abgeschlossen werden.

Ausbildung

Im Landkreis Cham fehlen die Azubis

Betriebe im Landkreis suchen händeringend nach Nachwuchs. Allerdings bleiben die Lehrlinge aus – trotz guter Bezahlung.

Von der Kita bis zu den Eltern

Angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels ziehen die Unternehmen und Handwerksbetriebe in der Region alle Register, um Lehrstellen zu besetzen. Die IHK porträtiert unter anderem Eltern, die auf die Ausbildung ihres Kindes stolz sind, und schickt Azubis direkt in die Schulklassen. Das Handwerk stellt sich sogar schon in den Kitas vor. Die Berufsorientierung in den Schulen ist zu einem Angebot geworden, das von vielen achten Klassen genutzt wird.

Was die Schmidt und Kohl aber auch deutlich machen: Flüchtlinge waren in den vergangenen Jahren eine wichtige Zielgruppe. „Ohne sie würde es in jedem Fall schlechter aussehen“, betonte Schmidt. Für die Zukunft gaben sich beide Männer optimistisch. Die Betriebe in der Region bieten attraktive Ausbildungsmöglichkeiten. Mit sicheren Arbeitsplätzen und an die Ausbildung anschließenden Weiterbildungsmöglichkeiten lässt sich punkten. Schmidt verweis auch auf die Chance, sich als Unternehmer selbstständig zu machen: In den kommenden zehn Jahren suchen laut seinen Daten rund 11 000 Handwerksbetriebe in Ostbayern einen Nachfolger.

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