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Wirtschaft

Aktionäre rüffeln den BMW-Vorstand

Die Anteilseigner ärgern sich über das Zögern bei der E-Mobilität und den Gewinnverlust. Chef Krüger sieht BMW als Vorreiter.
Von Marion Koller

So sieht der iNEXT aus: Der SUV mit Elektro-Antrieb war in der Olympiahalle ausgestellt. Foto: BMW
So sieht der iNEXT aus: Der SUV mit Elektro-Antrieb war in der Olympiahalle ausgestellt. Foto: BMW

München.Vor der Münchner Olympiahalle lagen am Donnerstag junge Demonstranten auf dem Pflaster. Sie verlangten von BMW, sich für den Klimaschutz einzusetzen. Auch bei der Hauptversammlung des Autobauers in der Halle forderten kritische Aktionäre, dass BMW die strengen CO2-Klimaziele der EU einhalten müsse.

Das geht nur mit Elektro-Fahrzeugen. Viele neue E-Modelle kündigte Vorstandschef Harald Krüger an. Flaggschiff ist der bullige Elektrowagen iNEXT, der ab 2021 in Dingolfing vom Band rollen wird. Aktionärsvertreter Janne Werning von der Fondsgesellschaft Union Investment kritisierte diesen Zeitpunkt als zu spät. Schließlich werde der iNEXT das erste E-Auto von BMW mit vollkommen neuem Design sein.

Der Gewinn ist zurückgegangen

Werning watschte den BMW-Vorstand regelrecht ab. Die Aktie habe sich in den letzten zwölf Monaten schlechter als der Aktienindex DAX und die Werte der Konkurrenz entwickelt. „Der Gewinn ist im Sinkflug, die Dividende wurde gekürzt“, sagte er. Und nun seien noch 1,4 Milliarden Euro zurückgestellt worden, weil vielleicht eine Kartellstrafe der EU auf BMW zukommt.

Der Aktienkurs hat stark nachgegeben

Auslöser sind Technikabsprachen mit VW und Daimler. Die drohende Milliardenstrafe ist ein Grund dafür, dass die BMW-Aktie innerhalb eines Jahres um 25 Prozent an Wert verlor. BMW hatte Anfang Mai erstmals seit einem Jahrzehnt einen Verlust im Autogeschäft gemeldet.

E-Autos aus Regensburg

Nicht nur Dingolfing, auch das Werk Regensburg rüstet sich für die neue Auto-Welt. Große Summen werden investiert, damit in der Domstadt bald E-Fahrzeuge vom Band rollen können. Ende Mai wird das Werk bekanntgeben, welches Elektro-Auto in der Domstadt gebaut wird, kündigte Sprecher Andreas Sauer auf MZ-Anfrage an.

„Ich erwarte eine Modelloffensive, die Tesla vom Tisch bläst.“

Daniela Bergdolt

5100 Aktionäre strömten zur Hauptversammlung in der Münchner Olympiahalle. Foto: Walch/BMW
5100 Aktionäre strömten zur Hauptversammlung in der Münchner Olympiahalle. Foto: Walch/BMW

Zurück zur Münchner Hauptversammlung, zu der 5100 Anteilseigner strömten. Daniela Bergdolt, Vizepräsidentin der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz, prangerte den Kursverlust an und bezeichnete ihn als „hausgemacht“. BMW hat sich ihrer Meinung nach zu lange auf einer Position der Stärke ausgeruht und erst 2018 mit Korrekturen begonnen. „Sie haben in der E-Mobilität Ihre Vorreiterrolle verspielt“, warf sie dem Vorstand um Chef Harald Krüger vor. „Ich erwarte eine Modelloffensive, die Tesla vom Tisch bläst – also mehr.“ Der US-Hersteller gilt als Elektropionier.

Das Kartellverfahren und die Rückstellung der 1,4 Milliarden Euro hätten zu roten Zahlen im ersten Quartal geführt, tadelte auch Bergdolt.

Vorstandschef Krüger fährt einen Plug-in-Hybrid

Daniel Bauer von der Schutzgemeinschaft bescheinigte dem Global Player, bei den Emissionswerten nicht wie die anderen Autohersteller gelogen zu haben. Die Strategie, nicht nur auf den E-Antrieb zu setzen, sei richtig.

BMW-Vorstandschef Harald Krüger Foto: Walch/BMW
BMW-Vorstandschef Harald Krüger Foto: Walch/BMW

Zuvor hatte Harald Krüger, Vorstandsvorsitzender der BMW AG, das Unternehmen als höchst innovativen Vorreiter gepriesen. In der EU und Deutschland sei BMW der Marktführer für Fahrzeuge, die per Stecker geladen werden. 2017 verkaufte der bayerische Autohersteller erstmals über 100 000 E-Fahrzeuge, 2018 noch einmal 40 Prozent mehr. Derzeit bietet das Unternehmen zehn E-Modelle, im nächsten Jahr kommt der BMW iX3, 2021 folgen der i4 und der iNEXT. Kunden, die heute noch nicht voll elektrisch fahren können oder wollen, offeriert der Autobauer Plug-in-Hybride, bei denen Verbrenner und E-Antrieb kombiniert sind. Krüger verriet, dass er selbst einen steuert.

2019 werden der BMW 3er, der X3, der X5 und der 7er mit diesem Motor ausgestattet. BMW setzt nicht nur auf E-Fahrzeug, Hybrid, Benziner und Diesel, sondern entwickelt auch Wasserstoff-Antriebe weiter. „Wir sind hoch flexibel. Bei allen Technologien“, betonte Krüger. „Niemand kann heute seriös einschätzen, wie schnell die E-Mobilität vorankommt und welche Antriebsart sich durchsetzt.“

Krüger will, wenn nötig, wegen Kartellvorwürfen klagen

Zur Dieseldebatte stellte der Vorstandschef fest, BMW habe nicht betrogen. Das habe die Staatsanwaltschaft München zu dem Softwarefehler bestätigt. Gegen die von der EU-Kommission erhobenen Kartellvorwürfe will sich Krüger, wenn nötig, vor Gericht wehren. Unter einem Kartell verstehe man geheime Absprachen über Preise oder Verkaufsgebiete – zum Nachteil der Kunden. Das sei nicht der Fall gewesen. „Unser Ziel war die zulässige Abstimmung von Industriepositionen.“

Interessante Fakten

Zweimal kam bei der Hauptversammlung Regensburg ins Spiel: Krüger stellte fest, dass das Engagement von BMW langfristig sei. „Wir tragen zur Wertschöpfung bei. Das wird geschätzt.“ Das bestätigten ihm die Bürgermeister – auch in der Domstadt. Der frühere Regensburger Werksleiter Dr. Andreas Wendt, seit dem Herbst Einkaufsvorstand, stellte sich den Anteilseignern vor.

Technologie

In der smarten Autofabrik

Mit Datenbrille Behälter füllen, mit Autotrailern Container verschieben: BMW fährt vernetzt und autonom in die Zukunft.

Bei den BMW-Aktionären selbst scheint die E-Mobilität im übrigen noch nicht richtig angekommen zu sein: Auf dem Parkplatz der Olympiahalle reihten sich jede Menge BMW, darunter aber nur wenige E-Autos.

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Die E-Autos

  • E-Autos:

    In zwei Jahren wird das Unternehmen fünf vollelektrische Serienfahrzeuge anbieten. Neben dem BMW i3, von dem bereits mehr als 150 000 produziert worden sind, startet noch heuer die Herstellung des elektrischen Mini in Oxford, 2020 folgt in Shenyang der BMW iX3, 2021 der iNEXT in Dingolfing und der BMW i4 aus München.

  • Plug-in-Hybride:

    Auch die Flotte der Plug-in-Hybride wird weiter ausgebaut.

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