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Digitalisierung

Arbeitswelt wird immer digitaler

Digitalisierung und künstliche Intelligenz führen zur Umgestaltung der Arbeitswelt. Was muss also jetzt getan werden?
Von François Baumgartner, Wirtschaftszeitung

Wird die Digitalisierung mehr Jobs schaffen oder vernichten? Foto: phonlamaiphoto - stock.adobe.com
Wird die Digitalisierung mehr Jobs schaffen oder vernichten? Foto: phonlamaiphoto - stock.adobe.com

Ostbayern.Die regionale Branchenstruktur scheint für die Auswirkungen der Digitalisierung von hoher Bedeutung zu sein. Das geht aus einer neuen Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) und des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor. Diese prognostiziert regionalspezifische Arbeitsmarkteffekte der Digitalisierung. Und zwar anhand einer Szenarioanalyse, die eine im Jahr 2035 vollständig digitalisierte Arbeitswelt mit einer Welt vergleicht, in der sich der technische Fortschritt am bisherigen Entwicklungspfad orientiert. Das Besondere: Die Forscher zeigen auf, dass die digitale Transformation kaum Auswirkungen auf das Gesamtniveau der Beschäftigung hat, wohl aber den Strukturwandel beeinflussen wird.

Die Intensität des Wandels hängt dabei von Branchen- und Berufsstrukturen vor Ort ab. Gemäß der Studie wird das Verarbeitende Gewerbe mit rund 130000 Arbeitsplätzen die höchsten Beschäftigungsverluste erleiden. Für den Informations- und Kommunikationssektor prognostizieren die Arbeitsmarktexperten hingegen einen Beschäftigungsgewinn von etwa 120000 zusätzlichen Arbeitsplätzen. Dabei steht für die Verfasser der Studie fest: „Eine zunehmende Digitalisierung wird mit einer deutlichen Umgestaltung der Arbeitswelt einhergehen. Der Bildung und Weiterbildung von Beschäftigten kommt in diesem Prozess eine zentrale Rolle zu.“

Und welche Chancen bietet die digitale Transformation dem Mittelstand in Ostbayern? „Digitalisierung betrifft uns alle, sie ist Mittel zum Zweck und sollte vor allem einen Beitrag zur Wettbewerbsfähigkeit, Ertragskraft und Zukunftsfähigkeit von Unternehmen leisten“, sagt Prof. Dr. Norbert Wieselhuber, Managing Partner der Unternehmensberatung Dr. Wieselhuber & Partner GmbH. „Nur dann macht Digitalisierung Sinn. Digitalisierung muss also unternehmensspezifisch gestaltet werden. Grundlage hierfür sind Daten, sie sind der Rohstoff unserer Netzökonomie.“ Die Rahmenbedingungen dafür stelle die Politik zur Verfügung. Die beiden Digitalisierungsprogramme der Staatsregierung „Bayern Digital I“ und „Bayern Digital II“ für die Jahre 2015 bis 2022 seien mit insgesamt 5,5 Milliarden Euro daher ein Schritt in die richtige Richtung. Wieselhuber schränkt allerdings ein: „Kapital ist nur durch Ideen, Initiativen und Entscheidungen produktiv. Ein Beispiel hierfür ist eine gute digitale Infrastruktur, sie ermöglicht virtuelle Arbeitsplätze und mobiles Arbeiten, womit der Arbeitsort grundsätzlich frei gewählt werden kann.“ Dies könne das regionale Arbeitskräftepotenzial stärken, die viel zitierte Landflucht verhindern sowie die Lebensqualität der Menschen erhöhen.

Apropos Lebensqualität: Hierzu zählt auch die Gesundheit eines Menschen. Dr. Armin Bender, Geschäftsstellenleiter und Prokurist der MSG Systems AG, meint dazu: „Die nächste Digitalisierungswelle wird auch den medizinischen Bereich erfassen. Neue datengetriebene Technologien wie etwa moderne und bequeme Fitnessarmbänder, die alle Körperfunktionen messen, werden den Träger vor dem Tod bewahren können, weil sein Hausarzt schon vor der Haustür steht, wenn er selbst noch gar nicht realisiert hat, dass zum Beispiel in den folgenden zwei Stunden sein Herzinfarkt verhindert werden kann.“ Fest steht: Die Wirtschaft verändert sich fundamental, auch die klassische Industrie wird digital und künstliche Intelligenz drängt auf den Arbeitsmarkt. „Die Digitalisierung verändert ihre Kundenbeziehungen, ihre Prozesse und nicht zuletzt ihre Produkte“, erklärt Sven Enger, Unternehmer und Associate Partner vom Hamburger Weltwirtschaftsinstitut. Zugleich betont der Unternehmer, dass die technische Evolution mitnichten das Ende der Gesellschaft bedeute. „Kommunikation, Information und Produktion verändern sich exponentiell. Die Digitalisierung ist deshalb keine einmalige Aufgabe, sondern eine innere Haltung“, sagt Sven Enger.

Das sieht Stefan Groß, Partner bei Peters, Schönberger & Partner mbB, ähnlich: „Einfache Tätigkeiten werden durch Maschinen ersetzt, gleichzeitig wird der Grad an Spezialisierung weiter zunehmen. Auf der anderen Seite entstehen durch die zunehmende Technisierung aber neue Geschäftsfelder und auch neue Berufsbilder.“ Fazit: Die Mensch-zu-Maschine-Kommunikation wird wichtiger, womit der Siegeszug der Informations- und Kommunikationstechnologie auch am Bildungswesen nicht spurlos vorbeigeht. „Das Know-how hierzu sollte in einem flexiblen Bildungssystem frühzeitig und für ein Leben lang gekonnt vermittelt werden“, meint Prof. Dr. Dr. Heribert Popp von der Fakultät Angewandte Wirtschaftswissenschaften der Technischen Hochschule Deggendorf.

Dieser Text ist ein Beitrag aus der Wirtschaftszeitung. Hier geht es zum E-Paper: www.die-wirtschaftszeitung.de/epaper

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