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Auf diese Schuhe steht die Feuerwehr

Fast jeder Floriansjünger trägt Haix. Mit dem „Fire Eagle“ hat die Firma aus Mainburg den Weltmarkt erobert.
Von Martin Kellermeier

„Made in Europe“: Haix produziert seine Schuhe in Mainburg und im kroatischen Mala Subotica. Foto: Martin Kellermeier
„Made in Europe“: Haix produziert seine Schuhe in Mainburg und im kroatischen Mala Subotica. Foto: Martin Kellermeier

Mainburg.Das Gefühl ein Beamter der legendären Einheit der Bundespolizei, der GSG, zu sein, gibt es für rund 160 Euro – zumindest für die Füße. So viel kostet der „Black Eagle Tactical“ in der Farbe Schwarz, den die Spezialkräfte bei ihren Einsätzen tragen, wenn sie Geiseln befreien und Terroristen festnehmen. Wichtigste Eigenschaft: Extreme Belastbarkeit beim Abseilen aus dem Hubschrauber und Rutschfestigkeit.

Der Schuh der GSG 9 kommt aus Mainburg im Landkreis Kelheim. Dort hat sich die Firma Haix auf die Herstellung von Funktionsschuhen spezialisiert – und stattet damit ganze Armeen aus. Soldaten in Dänemark, Frankreich und Deutschland tragen Haix. Auch die Polizeibeamten schnüren sich im Einsatz die Schuhe aus Mainburg. Und nicht zu vergessen sind die Feuerwehrkräfte auf der ganzen Welt: Die meisten von ihnen tragen einen Spezialschuh der Firma von Ewald Haimerl. In dieser Sparte ist Haix mit seinen über 1300 Mitarbeitern Weltmarktführer.

„Wir sind einer der größten Schuhlieferanten für Militär und Polizei in Europa“

Ewald Haimerl, Geschäftsführer der Firma Haix

Der bekannteste Schuh aus Mainburg ist wohl der „Fire Eagle“ mit seinen auffallend neongelben Elementen. Haix hat im Jahr 2017 über 1,2 Millionen Paar Schuhe hergestellt. Die Tendenz ist steigend. In diesem Jahr sollen es bereits 100 000 Paar Schuhe mehr werden. „Wir sind einer der größten Schuhlieferanten für Militär und Polizei in Europa“, sagt Firmenchef Ewald Haimerl im Gespräch mit der Mittelbayerischen.

Der WM-Triumph 1974 stürzte Haix in eine Krise

Begonnen hat die Geschichte der Firma Haix im Jahr 1948. Xaver Haimerl, der Vater von Ewald Haimerl, gründete eine Schuhfertigung und gab ihr den Namen Haix. Zuerst war die Firma im familieneigenen Schusterhaus in Rudelzhausen untergebracht, ab 1960 in einem Fabrikgebäude in Mainburg. Das Unternehmen machte sich mit Wander- und Arbeitsstiefeln, die unter verschiedenen Markennamen vertrieben wurden, schnell einen Namen. Alles lief wie am Schnürchen – bis zum WM-Finale 1974, in dem die deutsche Nationalmannschaft die Niederlande mit 2:1 besiegt hatte. Das schmerzte die deutschen Nachbarn so, sagt Ewald Haimerl, dass die Aufträge zurückgingen. Haix geriet in eine Krise. Es kam so hart, dass Anfang der 90er Jahre der Name der Firma fast komplett vom Markt verschwunden war. Ewald Haimerl, der damals bereits die Firma von seinem Vater übernommen hatte, stand vor einer schweren Entscheidung. Er musste sich etwas trauen – und entwickelte 1992 Feuerwehrstiefel.

Ewald Haimerl ist der Geschäftsführer der Firma Haix. Foto: Haix
Ewald Haimerl ist der Geschäftsführer der Firma Haix. Foto: Haix

Die Idee hatte Ewald Haimerl nicht von Ungefähr. Der Schuhmachermeister war stellvertretender Kommandant der Mainburger Feuerwehr. Mit den Gummistiefeln, die der Feuerwehrmann und Firmenchef damals im Einsatz trug, war er so unzufrieden wie seine Kameraden selbst. Die Idee mit den funktionellen und sicheren Feuerwehrschuhen funktionierte. Schnell wurde die Idee auf Schuhe für die Polizei und den Rettungsdienst ausgeweitet. Das Rettungswesen entpuppte sich als Marktlücke. Bereits 1999 produzierte Haix mehr als 100 000 Paar Schuhe im Jahr. Den Kontakt zur örtlichen Feuerwehr hat Haimerl nach seinem Rückzug aus dem Kommandatenamt übrigens nicht verloren. Bei Haix arbeiten der Kommandant und der Vorstand der FFW Mainburg.

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Seit dem Verkaufsstart der Feuerwehrstiefel wächst die Firma kontinuierlich. Haix hat mittlerweile in Amerika und Kroatien Niederlassungen. Dort entstand im Jahr 2009 eine High-Tech-Produktionsstätte. Diese produziert mittlerweile bis zu 10 000 Paar Schuhe pro Tag – mit dem Prädikat „Made in Europe“. Das ist Firmenchef Ewald Haimerl wichtig. „Wir konnten nur über Qualität, Innovation und Funktionalität wachsen“, sagt er. Wie die Haix-Schuhe entstehen, kann man bald in der Haix-World in Mainburg sehen. Diese soll noch in diesem Jahr fertiggestellt werden.

Viele Arbeitsschritte sind bei der Schuhproduktion reine Handarbeit. Foto: Martin Kellermeier
Viele Arbeitsschritte sind bei der Schuhproduktion reine Handarbeit. Foto: Martin Kellermeier

Die Wegwerfgesellschaft hat auch vor der Schuhbranche keinen Halt gemacht. „Auf dem Schuhmarkt gibt es Schuhe, die nur eine Lebensdauer von drei bis sechs Monaten haben“, sagt Haimerl. Diesem Trend will er mit seiner Firma gegensteuern. Ein Haix-Stiefel kann laut Haimerl bis zu zehn Jahre alt werden – und muss selbst dann noch nicht auf dem Müll landen. „Wir setzen auf die Reperaturfreundlichkeit“, bekräftigt Haimerl.

Der Chef als „Geisel“ im Spot

Haix lebt aber auch vom Marketing. Auf der Videoplattform YouTube hat das Unternehmen über 2000 Abonnenten. Manche Videos haben weit über Hunderttausend Aufrufe. Die Spots erinnern an Actionserien wie „Alarm für Cobra 11“ auf RTL. Spezialeinheiten, viel Blaulicht, Gangster mit Waffen – und sogar Firmenchef Haimerl als Geisel. Haix inszeniert seine Produkte. Regelmäßig laufen die Spots auch im Fernsehen, bei Pro7 zum Beispiel zur besten Sendezeit. Das zahlt sich aus. Knapp 117 Millionen Euro hat die Firma aus Mainburg 2017 umgesetzt. Der Exportanteil betrug 57 Prozent.

In diesem Video wurde Firmenchef Ewald Haimerl zur Geisel:

Im Logistikzentrum warten die Haix-Schuhe auf ihre Auslieferung in die ganze Welt. Foto: Haix
Im Logistikzentrum warten die Haix-Schuhe auf ihre Auslieferung in die ganze Welt. Foto: Haix

Deswegen hat Ewald Haimerl in Mainburg im vergangenen Jahr kräftig in ein internationales Logistikzentrum investiert. Aus dem Gebäude mit den Hochregalen werden täglich bis Mitternacht die Schuhe in die ganze Welt verschickt. „Was Amazon kann, können wir auch“, sagt Haimerl.

Dem gelernten Schuhmachermeister ist es aber auch wichtig, dass er sein Handwerk an die nachfolgenden Generationen weitergibt. 65 Auszubildende hat Haix in Europa, in Mainburg sind es aktuell 38. Dass der Beruf des Schuhmachermeisters eine Zukunft hat, bezweifelt Ewald Haimerl nicht: „Das sicherste sind doch die Schuhe. Die brauchen die Leute immer.“

Groß, größer – oder sogar Weltmarktführer: In Niederbayern und der Oberpfalz gibt es viele Unternehmen, die in ihrem Bereich national und/oder international Champions sind. In unserer Serie porträtieren wir die ostbayerischen „Champions“.

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