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Wirtschaft
Sonntag, 19. August 2018 31° 3

Verkehr

Bewegung auf dem Leihradmarkt

Bei den Bürgern sorgen Leihräder in den Innenstädten nicht immer für Begeisterung. Ein wichtiger Player zieht sich zurück.

Die Ofo-Leihräder verschwinden wieder aus dem Berliner Stadtbild.Foto: Julia Kilian/dpa
Die Ofo-Leihräder verschwinden wieder aus dem Berliner Stadtbild.Foto: Julia Kilian/dpa

Berlin.Der chinesische Leihradanbieter Ofo will sich nach einer dreimonatigen Testphase in Berlin vom deutschen Markt zurückziehen. Ofo kündigte der Deutschen Presse-Agentur an, die Hauptstadt als bislang einzigen Standort in Deutschland „in den kommenden Wochen verantwortungsvoll verlassen“ zu wollen. Die gelb-schwarzen Fahrräder würden von den Straßen entfernt und in andere europäische Märkte verlagert. „Es handelt sich hierbei um eine strategische Entscheidung, welche auf der jeweiligen Marktleistung basiert“, teilte eine Unternehmenssprecherin zur Begründung mit. Eine Rückkehr nach Deutschland sei aber nicht ausgeschlossen.

Das Unternehmen hatte nach eigenen Angaben zuletzt rund 3000 Räder in Berlin stehen. Eigentlich waren dort noch deutlich mehr Ofo-Bikes im Gespräch. Verkehrsstaatssekretär Jens-Holger Kirchner (Grüne) hatte zum Jahresanfang erklärt, dass mehrere Anbieter ihr Angebot ausbauen wollten. Ofo beabsichtige, 10 000 Fahrräder zu verleihen, antwortete Kirchner auf eine parlamentarische Anfrage der AfD. Für eine Stellungnahme zur Rückzugsankündigung war die Berliner Senatsverkehrsverwaltung zunächst nicht zu erreichen. Die rot-rot-grüne Landesregierung will deutlich mehr Menschen dazu bringen, vom Auto aufs Fahrrad umzusteigen.

Ofo wirbelt den Markt durcheinander

Lange Zeit teilten sich die traditionellen Anbieter Nextbike und DB Connect den Leihradmarkt in den deutschen Städten auf – häufig unterstützt mit öffentlichen Geldern. Die Ankunft asiatischer Anbieter wie Ofo im vergangenen Jahr wirbelte den Markt kräftig durcheinander. Ihre Räder zeichnen sich durch eine farbenfrohe Gestaltung und die leichte Bauweise aus. Wie aus dem Nichts tauchten sie vor allem in Großstädten auf. Allein der Dienst Obike platzierte über Nacht Tausende Fahrzeuge in München.

„Diese Form des aggressiven Markteintritts betrachten wir mit Sorge“, heißt es bei der Konkurrenz von der Deutschen Bahn, „da sie ein Risiko im Hinblick auf die Akzeptanz von Bike-sharing in sich birgt“. Doch die Masse hat einen Grund. Die neuen Dienste betreiben ihr Angebot als Free-Float-Modell. Die Nutzer können die Fahrräder an jeder beliebigen Stelle abstellen. Feste Stationen, wie teilweise bei DB Connect und Nextbike, gibt es nicht. „Um einen solchen Sharingdienst anzubieten, muss man erst eine große Menge an Bikes auf den Markt bringen“, sagte Mobilitätsexperte Andreas Nienhaus vom Beratungsunternehmen Oliver Wyman. Nur so sei sichergestellt, dass auch immer und überall ein Fahrrad zur Verfügung stehe.

Bei manchen Anbietern 90 Prozent beschädigt

Wenn ein Dienst seine Räder vernachlässigt, löst das Unmut aus. „Die Menschen gehen dann dazu über, die Räder gezielt zu beschädigen“, sagte Nienhaus. „Bei manchen Anbietern waren bis zu 90 Prozent ihrer Flotte betroffen.“ Auch Obike erging es in München nach dem Start ähnlich. Zuletzt beklagten sich zudem mehrere Städte über Probleme mit dem Anbieter – vor allem, weil sie dort niemanden mehr erreichten, die silber-gelben Räder aber vielerorts im Weg stünden und Ziel von Vandalismus seien. (dpa)

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