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Handel

Billigboom in Deutschland geht weiter

Trotz guter Konjunktur ist die Liebe zum Discount ungebrochen – egal ob es um Lebensmittel, Mode oder Muskelaufbau geht.
Von Erich Reimann

Beim Einkauf sparen die Bundesbürger gern. Foto: Guido Kirchner/dpa
Beim Einkauf sparen die Bundesbürger gern. Foto: Guido Kirchner/dpa

Düsseldorf.Trotz kräftig steigender Löhne und Fast-Vollbeschäftigung: Die Verbraucher in Deutschland lieben es billig. Discounter haben zurzeit in der Bundesrepublik Hochkonjunktur und das längst nicht mehr nur bei Lebensmitteln. In immer mehr Branchen vom Modehandel bis zum Muskelaufbau treiben Billiganbieter die etablierte Konkurrenz vor sich mehr. Die Jeans von Primark, die Wohnzimmer-Dekoration von Tedi oder das Training bei McFit sind vielen längst ebenso selbstverständlich wie der Einkauf bei Aldi.

„Die Deutschen haben Discount dank Aldi und Lidl von Kindheit an gelernt.“

Handelsexperte Martin Fassnacht

Für den Handelsexperten Martin Fassnacht von der Wirtschaftshochschule WHU in Düsseldorf ist die Schnäppchenbegeisterung einfach zu erklären. „Die Deutschen haben Discount dank Aldi und Lidl von Kindheit an gelernt“, sagt er. Discount stehe in Deutschland dank der beiden Handelsketten für niedrige Preise und akzeptable Qualität. „Das haben die Verbraucher verinnerlicht und das hilft den Discountern auch in anderen Branchen“, ist er überzeugt. Außerdem treffe der Discount die Gemütslage vieler Bundesbürger. „Wir Deutschen sind schon ein bisschen pragmatisch beim Einkauf. Wenn wir Geld sparen können und die Qualität trotzdem stimmt, greifen wird gerne zu. Der schöne Schein drum herum ist dann nicht so wichtig“, glaubt der Marketingexperte.

Vorreiter in Sachen Discount war der Lebensmittelhandel. Hier entfallen inzwischen über 40 Prozent aller Umsätze auf die Discounter. Doch haben die großen Supermarktketten wie Edeka oder Rewe inzwischen gelernt, der Billigkonkurrenz Paroli zu bieten. Trotz aller Preischarmützel scheinen die Märkte hier weitgehend verteilt.

Auf Wachstumskurs

  • Textil-Discounter:

    KiK will allein im Geschäftsjahr 2019 zusätzlich zu den vorhanden gut 2600 Geschäften rund 70 neue Filialen in Deutschland eröffnen. Konkurrent Takko will fast 50 neue Geschäfte aufmachen. Und Primark plant 2019 die Eröffnung neuer Filialen in Berlin, Bonn, Kiel und Wuppertal.

  • Dekoartikel:

    Billiganbieter Tedi, der Schreibwaren, Bastelbedarf und Deko-Artikel im Sortiment hat, plant für das kommende Geschäftsjahr die Eröffnung von bis zu 150 neuen Standorten in Deutschland. (dpa)

Textildiscounter steigern Marktanteil

Ganz anders ist es in den anderen Branchen. Beispiel Mode. Hier haben die Billiganbieter in den vergangenen Jahren ihren Marktanteil kräftig ausgeweitet. „Textildiscounter sind gesellschaftsfähig geworden“, stellte kürzlich das Fachblatt „Textilwirtschaft“ fest. In den vergangenen Jahren hätten die Billiganbieter wie Primark, Kik, Takko oder Zeeman ihren Marktanteil stetig gesteigert. Auch wenn es um ihre Fitness geht, drehen die Deutschen den Euro gerne zweimal um. Nach einer Branchenstudie der Unternehmensberatung Deloitte sind gleich fünf der zehn mitgliederstärksten Fitnessketten im Discountsegment positioniert – darunter die ersten drei im Ranking: McFit, Clever fit und FitX. „Insbesondere das Mitgliederwachstum der Discount-Fitnessketten sorgte für weitere Wachsumsimpulse“, heißt es in der Studie zum deutschen Fitnessmarkt.

Jugend will preisgünstig einkaufen

Bei Möbeln funktioniert das Billig-Konzept mit Preisen noch deutlich unter dem Ikea-Niveau offensichtlich ebenfalls nicht schlecht. Der Möbel-Discounter Poco jedenfalls plant im laufenden Jahr weitere Neueröffnungen. „Wir sehen trotz des steigenden Wettbewerbsdrucks gute Perspektiven“, betonte das Unternehmen auf Anfrage. Mit einem Ende des Billigbooms in absehbarer Zeit ist wohl nicht zu rechnen. In der im vergangenen Jahr vom Bundesumweltministerium herausgegebenen repräsentativen Jugend-Studie „Zukunft? Jugend fragen!“ gaben immerhin 30 Prozent der Befragten an, ihnen sei es persönlich sehr wichtig „möglichst preisgünstig einzukaufen“.

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