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Autobau

BMW Regensburg stellt Nachtschicht ein

Die Sonderschicht läuft aus. 1000 Zeitarbeiter werden nicht mehr gebraucht. Trotzdem spricht der Betriebsrat von Erfolg.
Von Marianne Sperb

Ein BMW 2er Grand Tourer in der Endkontrolle: Seit zwei Jahren wird im Werk Regensburg rund um die Uhr gearbeitet. Foto: Armin Weigel/dpa
Ein BMW 2er Grand Tourer in der Endkontrolle: Seit zwei Jahren wird im Werk Regensburg rund um die Uhr gearbeitet. Foto: Armin Weigel/dpa

Regensburg.Autos bauen, rund um die Uhr: Seit Juli 2016 wurde im BMW-Werk Regensburg von Montag bis Samstag 24 Stunden am Tag gearbeitet. Die Nachtschicht, vor zwei Jahren gestartet, läuft jetzt aus. Am 28. Oktober beginnen das letzte Mal rund 1500 Mitarbeiter ihren Dienst in den Abteilungen Montage, Logistik oder Oberfläche um Mitternacht.

Die neue Arbeitszeitregelung lässt nicht etwa auf eine sinkende Nachfrage schließen, betont BMW-Sprecher Andreas Sauer auf Nachfrage unseres Medienhauses. Die Sonderschicht war 2016 vielmehr als „Flexibilitätsinstrument“ eingeführt worden, um auf die große Nachfrage nach dem BMW X1 zu reagieren und um Spitzen abzufangen. Das Regensburger Werk produzierte den X1 unter Volllast, später fuhr es die Produktion des neuen X2 hoch. Die Nachtschicht, zunächst für neun Monate geplant, wurde aufgrund des Bedarfs zwei Mal verlängert. Inzwischen sei aber absehbar, dass man ab November „mit den klassischen Kapazitäten gut auskommen wird“, unter anderem, weil ein Teilvolumen des stark gefragten X1 im BMW-Werk im Born (Niederlande) produziert wird.

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Sauer verweist auf das internationale BMW-Produktionsnetzwerk, das im Gesamtverbund hohe Flexibilität ermögliche. Hintergrund für das Auslaufen der Nachtschicht seien auch zyklische Entwicklungen in der Branche und eine Nachfrage, die von Jahreszeiten abhängt. Sauer: „Denken Sie an ein Cabrio. Das wird in Mitteleuropa im Winter nicht gekauft.“

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1500 Menschen arbeiten aktuell zwischen Mitternacht und fünf Uhr früh im Werk. Rund 500 von ihnen sind BMW-Mitarbeiter; sie werden ab November Tätigkeiten in anderen Schichten bzw. in anderen Bereichen übernehmen. Bei den weiteren etwa 1000 Menschen, die in der Nachtschicht arbeiten, handelt es sich um Zeitarbeiter; sie werden ab November bei BMW nicht mehr gebraucht. Ihre Verträge werden nicht verlängert. Die Beschäftigten kommen nicht nur aus der Region; weil auf dem regionalen Arbeitsmarkt beinahe Vollbeschäftigung herrscht, wurden die Kräfte aus einem weiten Einzugsgebiet rekrutiert.

1400 Autos am Tag

  • Modelle:

    Vielfalt und Flexibilität sind die Kernkompetenz bei BMW Regensburg. Hier werden neun Modelle gefertigt: X1 und X2, 1er (als Drei- und Fünf-Türer), 2er GranTourer, 3er Limousine, M3 Limousine, 4er Cabrio und M4 Cabrio.

  • Produktion:

    Bis Juli 2016 liefen täglich in Regensburg 1100 Fahrzeuge vom Band, Mit Einführung der Nachtschicht stieg die Zahl auf 1400 Autos am Tag.

1000 Beschäftigte verlieren ihren Job bei BMW – trotzdem ist die gut zweijährige Nachtschicht-Phase aus Sicht der Arbeitnehmer-Vertreter ein Erfolg. Betriebsratsvorsitzender Werner Zierer erklärt auf Nachfrage unseres Medienhauses den Grund: Er verweist darauf, dass die Sonderschicht von Anfang an als temporäre Maßnahme angekündigt war und weit länger lief als geplant. Außerdem sei dem Autobauer hohe Flexibilität ermöglicht worden. Zierer betont: „Nur mit dem Arbeitszeit-Baustein Nachtschicht ist es gelungen, dem Werk eine Menge an Zusatz-Kapazität zu bescheren.“ Man habe für die Zeitarbeitskräfte außerdem eine sehr gute Entlohnung erzielen können. Dabei bezahle BMW Leiharbeiter von Haus aus bereits deutlich besser als andere Arbeitgeber.

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Der Betriebsratschef verweist auf einen weiteren Aspekt: Das Ende der Nachtschicht schenke den Freiraum für Umbauten mit Blick auf künftige Modelle und für die Vorbereitung auf Elektromobilität. Das Werk will bis 2021 in der Lage sein, Autos mit Diesel-, Benzin-, Elektro- oder Hybridmotor auf derselben Produktionslinie zu bauen, hatte Werksleiter Manfred Erlacher bereits im März angekündigt.

Alle 57 Sekunden ein Auto

Bis Mitte 2016 waren bei BMW Regensburg rund 9000 Mitarbeiter beschäftigt. Durch die neue Schicht war die Zahl auf knapp 11 000 angewachsen. Wie Andreas Sauer betonte, stellte das Werk Regensburg im Zeitraum 2016 bis 2018 rund 850 Menschen unbefristet ein. „Dabei handelte es sich vor allem um Übernahmen von Zeitarbeitskräften aus dem Produktionsbereich.“

In Regensburg rollen aktuell 1400 Fahrzeuge am Tag vom Band. Der Takt ist hoch: alle 57 Sekunden im Schnitt ein Auto. Wie hoch die Zahl ab November sein wird, ist laut Sauer noch unklar. 2017 wurden in Regensburg 338 000 Fahrzeuge gebaut. Im Herbst 2018 will man das siebenmillionste Auto am Standort Regensburg feiern.

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