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Verkehr

Bögl baut eine Superbahn für China

Der Konzern hat die Magnetbahn in Neumarkt entwickelt. Erste Kunden sucht er in Asien. Wäre das auch Lösung für die Region?
Von Marion Koller

So wird die Magnetschwebebahn aussehen. Sie soll 30 000 Menschen pro Stunde ans Ziel bringen. Foto: Firmengruppe Max Bögl
So wird die Magnetschwebebahn aussehen. Sie soll 30 000 Menschen pro Stunde ans Ziel bringen. Foto: Firmengruppe Max Bögl

Neumarkt.Der Oberpfälzer Baukonzern Max Bögl startet in China durch. Das Unternehmen baut in der Millionenstadt Chengdu eine Magnetschwebebahn für den Personennahverkehr. Geplant ist zunächst eine 3,5 Kilometer lange Teststrecke. Die Firmengruppe hat die Magnetbahn-Technologie selbst entwickelt und zur Serienreife gebracht. Vorstandschef Stefan Bögl verspricht sich viel von der Zusammenarbeit. „Wir freuen uns sehr, dass uns mit dieser Kooperation der Markteintritt in China gelungen ist“, sagte er bei der Vertragsunterzeichnung. „Mit unserer neuen Technologie haben wir ein sehr attraktives, umweltfreundliches und vor allem kosteneffizientes Angebot für die wachsende Mobilität in Metropolen.“

Den Kooperationsvertrag unterzeichneten die Vorstandschefs Zhi Ming Huang aus Xinzhu und Stefan Bögl. Foto: Firmengruppe Max Bögl
Den Kooperationsvertrag unterzeichneten die Vorstandschefs Zhi Ming Huang aus Xinzhu und Stefan Bögl. Foto: Firmengruppe Max Bögl

Das Transport System Bögl (TSB) wäre vielleicht auch eine Lösung für die Oberpfalz. Schließlich ächzt der Bezirk, vor allem aber die Region Regensburg, unter den Verkehrsproblemen. Besonders die Pendler auf der A93 und der A3 stecken im Dauerstau. Ausweg wäre ein schneller, vernünftig getakteter Personennahverkehr.

Bald bundesweite Vermarktung

Eine Tram für Regensburg hat der Stadtrat kürzlich beschlossen. Weil das noch lange nicht ausreicht, haben die Regensburger Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer und fünf Landräte der Region von der bayerischen Verkehrsministerin Ilse Aigner S-Bahn-ähnliche Verbindungen gefordert, also mehr Haltestellen und eine bessere Taktung des Zugverkehrs.

Aber die Magnetschwebebahn von Bögl wird auch bundesweit vermarktet. „Die Akquisition in Deutschland beginnt ab jetzt zeitgleich mit dem Markteintritt in China“, lässt Vorstandschef Stefan Bögl der Mittelbayerischen auf Anfrage über seinen Pressesprecher ausrichten. Das Transport System Bögl ist vor allem für den Personennahverkehr auf Strecken bis zu 30 Kilometern gedacht. Die Magnetbahn erreicht eine Geschwindigkeit von 150 km/h.

Am Hauptsitz in Sengenthal bei Neumarkt betreibt Bögl schon seit 2012 eine Teststrecke für die Magnetschwebebahn. Nach einer Leistung im Probebetrieb von über 65 000 Kilometern und mehr als 100 000 Fahrten läuft derzeit das Zulassungsverfahren in Deutschland.

Das Unternehmen

  • Beschäftigte:

    Mit rund 6500 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von über 1,7 Milliarden Euro zählt die Firmengruppe Max Bögl zu den größten Bau-, Technologie- und Dienstleistungsunternehmen der deutschen Bauindustrie. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Sengenthal bei Neumarkt hat weltweit 35 Standorte. Bögl stellt innovative Baustoffe und Bauprodukte her, zum Beispiel den Hybridturm System Max Bögl für Windenergieanlagen mit großen Nabenhöhen oder das Modulbausystem maxmodul für günstiges Wohnen.

  • Verkehrssysteme:

    Bögl entwickelt und baut Fahrwegsysteme für Eisenbahnen und Magnetbahnen, darunter das für China interessante Transport System Bögl (TSB). Die Magnetschwebebahn soll 30 000 Menschen pro Stunde und Fahrtrichtung ans Ziel bringen. Sie fährt 150 km/h.

  • Standort Sengenthal:

    In der Hauptniederlassung bei Neumarkt arbeiten 1500 Menschen. Der Fachkräftemangel trifft auch Bögl. Laut Sprecher Kotzbauer könnte das Unternehmen 100 Mitarbeiter sofort einstellen.

Warum also erst der China-Vertrag? Bögl-Pressesprecher Jürgen Kotzbauer erklärt das so: Nach der Marktanalyse für das Transport System Bögl stehe fest, dass im chinesischen Markt der größte Bedarf an innerstädtischen Personentransportsystemen besteht und auch eine Reihe konkreter Projekte geplant ist. Mehr als 5000 Kilometer Personennahverkehr mit zukunftsfähigen Bahnen sollen in chinesischen Städten gebaut werden. „Daher ist für uns der Markteintritt in China mit einem regionalen Partner ein sehr guter Weg“, erklärt Pressesprecher Kotzbauer.

„Mit unserer neuen Technologie haben wir ein sehr attraktives, umweltfreundliches und vor allem kosteneffizientes Angebot für die wachsende Mobilität in Metropolen.“

Stefan Bögl, Vorstandschef der Firmengruppe Max Bögl

Deshalb hat die Firmengruppe zunächst die langfristige Vertriebs-Partnerschaft mit dem chinesischen Unternehmen Chengdu Xinzhu Road & Bridge Machinery Co. Ltd. vereinbart. Die Kooperation sieht nicht nur den Bau der Teststrecke vor. Xinzhu vermarktet und produziert das Nahverkehrssystem in China. Das Ziel: Dort sollen möglichst viele Anwendungsstrecken entstehen. Die Teststrecke in Chengdu braucht Bögl auch, um das Magnetbahnsystem in China zulassen zu können.

In Deutschland rollte bereits eine Magnetschwebebahn. Ein Konsortium aus Siemens und Thyssen Krupp baute den superschnellen Transrapid, der auf der Teststrecke im niedersächsischen Emsland 450 km/h erreichte. Die Bundesregierung förderte ihn. Er sollte irgendwann die Münchner Innenstadt an den Flughafen anbinden.

Unfall bremst Transrapid-Technik

Doch ein schwerer Teststrecken-Crash im Jahr 2006 bei dem 23 Menschen in den Trümmern starben, stoppte die Zukunftstechnologie. Der führerlose Transrapid prallte auf einen Werkstattwagen der Versuchsanlage. Der Arbeitswagen war jeden Morgen im Einsatz, um die Strecke von Ästen und Schmutz zu befreien. Beim Aufprall hatte der Transrapid eine Geschwindigkeit von etwa 200 Stundenkilometern.

Die erste kommerzielle Transrapid-Magnetschwebebahn in Shanghai war bereits 2003 eröffnet worden – als erste ihrer Art weltweit. Sie verbindet den Internationalen Flughafen Pudong mit dem Zentrum. Inzwischen aber verkehrt dort auch eine U-Bahn und die Auslastung des Magnetzugs lässt laut chinesischen Medien zu wünschen übrig.

Die Magnetbahn Foto: Firmengruppe Max Bögl
Die Magnetbahn Foto: Firmengruppe Max Bögl

Die Firmengruppe Max Bögl war am Bau der Transrapidstrecke im Emsland beteiligt. Aber erst einige Jahre nach dem Unfall griff das Unternehmen die Technologie wieder auf und feilte daran. Die Neumarkter haben sich große Erfahrung erarbeitet. Seit mehr als 15 Jahren entwickeln und liefern sie technisch führende Fahrwegsysteme für Hochgeschwindigkeitszüge und Magnetbahnen. Auf dem Gleistragplattensystem Feste Fahrbahn Bögl gleiten auf mehr als 10 000 Kilometern Züge durch China und Europa. Das alles war Grundlage für die völlig neue, eigene Magnetbahn – mit Fahrweg, Fahrzeugen und Beriebsleittechnik. Sicherlich werden sich auch deutsche Kommunen und Landkreise für die umweltfreundliche, leise Magnetbahn interessieren, vielleicht auch in der Oberpfalz.

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