MyMz
Anzeige

Konjunktur

Börsen im Bann des Virus

Zentralbanken und Regierungen sind im Krisenmodus. Nun muss sich zeigen, ob die Medizin der Währungshüter wirkt.
Von Jörn Bender und Friederike Marx

Die US-amerikanische Notenbank Federal Reserve (Fed) senkte ihren Leitzins bereits zweimal. Foto: Matthew Cavanaugh/dpa
Die US-amerikanische Notenbank Federal Reserve (Fed) senkte ihren Leitzins bereits zweimal. Foto: Matthew Cavanaugh/dpa

Die Politik schränkt das öffentliche Leben zur Bekämpfung des Coronavirus immer mehr ein. Das bekommt auch die Wirtschaft zu spüren. Die EZB und andere Notenbanken haben verschiedene Hilfen angekündigt. Was passiert wegen des Virus und wirken die Gegenmaßnahmen? Hier die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:

Wie wirkt sich das Coronavirus auf die Wirtschaft aus?

Messen und Veranstaltungen werden abgesagt, Reisen storniert, Grenzen geschlossen. Die Nachfrage aus dem Ausland sinkt und internationale Lieferketten werden gestört, was sich auf die Produktion in Deutschland auswirkt. Einer Umfrage des Ifo-Instituts unter knapp 3400 Firmen zufolge spüren bereits 56,2 Prozent negative Auswirkungen. „In einigen Branchen sind die innerhalb weniger Wochen erfolgten Einbrüche existenzgefährdend“, sagt der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Eric Schweitzer. Viele Ökonomen gehen davon aus, dass Deutschland in diesem Jahr in eine Rezession rutschen wird. Die Börsen befinden sich seit Wochen im Ausnahmezustand. Zum Start in die neue Woche stürzte der deutsche Leitindex Dax gestern unter die Marke von 9000 Punkten auf den tiefsten Stand seit Februar 2016.

Konjunktur

Corona zieht Wirtschaft in Rezession

Arbeitnehmer bleiben daheim, Exporte sind gestört – das bremst die Konjunktur. „Die Lage ist ernst“, so die Handwerkskammer.

Was tun die Notenbanken gegen die Krise?

Zinssenkungen, Anleihenkäufe, Notkredite – die Zentralbanken ziehen alle Register. Und die Notenbanken demonstrieren zugleich, dass sie gemeinsam gegen die wirtschaftlichen Folgen der Krise kämpfen: Am Sonntagabend versicherten sechs führende Zentralbanken, dass sie über vergünstigte Bedingungen die Versorgung des Finanzsystems mit der für viele Geschäfte wichtigen Reservewährung US-Dollar sicherstellen. Beteiligt an der konzertierten Aktion sind die US-Notenbank Fed, die Europäische Zentralbank (EZB), die Bank of England, die Bank of Japan, die Schweizerische Nationalbank SNB und die Bank of Canada.

Hilfe aus der Politik

  • Motto:

    Deutschland schaltete am Freitag auf „Whatever it takes“ – auf diesen Nenner brachte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer das Hilfspaket der Regierung. Finanzminister Olaf Scholz und Wirtschaftsminister Peter Altmaier kündigten unbegrenzte Kreditprogramme für betroffene Firmen an.

  • Wille:

    Kanzlerin Angela Merkel sagte, die Regierung sei gewillt, „alles zu tun, was notwendig ist, alles zu tun, was Deutschland braucht, damit wir durch diese Krise möglichst gut hindurchkommen“. (dpa)

Wie sehr wurde an der Zinsschraube gedreht?

Die US-Notenbank Fed senkte ihren Leitzins in zwei Notfallaktionen binnen zwei Wochen von einer Spanne von 1,50 Prozent bis 1,75 Prozent um 1,5 Punkte auf fast null Prozent. Zudem will die Federal Reserve die Wirtschaft mit einem 700 Milliarden Dollar schweren Anleihekaufprogramm ankurbeln und Banken vorübergehend Notkredite gewähren. Die EZB hat bei den Zinsen eigentlich keinen Spielraum, denn der Leitzins im Euroraum liegt seit vier Jahren auf dem Rekordtief von null Prozent – und auf diesem Niveau beließen ihn Europas Währungshüter auch. Stattdessen pumpt die EZB 120 Milliarden zusätzlich in Anleihenkäufe und will Banken mit günstigen Krediten dazu bringen, mehr Geld vor allem an kleine und mittlere Firmen zu verleihen, um so die Wirtschaft zu stützen.

Welche Rolle spielt das Bankensystem?

Anders als in der Finanzkrise sehen sich Banken als Teil der Lösung. Im Herbst 2008 hatte die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers das eng vernetzte weltweite Finanzsystem erschüttert. Geldhäuser trauten sich gegenseitig nicht mehr über den Weg und liehen sich kein Geld mehr, Kreditströme drohten auszutrocknen. Nun gehe es laut Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing darum, auch mit Hilfe staatlicher Programme die Liquidität der Kunden zu sichern. Die EZB-Bankenaufsicht erlaubt Geldhäusern vorübergehend, die Vorgaben für Kapital- und Liquiditätspuffer zu unterschreiten, damit diese ihren Auftrag als Kreditgeber leichter erfüllen können.

Wirtschaft

Corona-Krise bedroht Existenzen

Eine Absage jagt die andere. Die Pandemie stellt Regensburger Veranstalter und Caterer vor quälende Fragen.

Wie wirksam ist die Medizin der Zentralbanken?

Bisher hilft sie nur in Maßen, die Krisenstimmung an den Börsen hält an. „Jetzt heißt es, sich der Realität klar zu werden, dass Geldpolitik keine Grippe heilt“, sagt Christoph Kutt von der DZ Bank. „Sie kann nur helfen, den Schlag der Corona-Pandemie abzuschwächen und die Fiskalpolitik sowie Unternehmen über den Bankensektor stützen.“ Die Währungshüter wissen um die Begrenztheit ihres Einflusses: Sie strebe kein „Whatever it takes 2.0“ an, sagte EZB-Präsidentin Christine Lagarde. Ihr Vorgänger Mario Draghi hatte 2012 mit wenigen Worten die Eurozone in ihrer bis dato tiefsten Krise stabilisiert: „Die EZB wird alles tun, um den Euro zu retten“ („Whatever it takes“). Auch für Italien hatte Lagarde eine enttäuschende Botschaft: „Wir sind nicht hier, um die Spreads zu schließen“, sagte sie mit Blick auf die Risikoaufschläge, die Staaten zahlen müssen, damit Investoren ihnen Anleihen abkaufen.

Mehr Nachrichten aus der Wirtschaft finden Sie hier.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht