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Das Geschäft mit dem Geschäft

Festivals, Sportspektakel, Baustellen: Mobiltoiletten sind gefragt. Die Ansprüche ans stille Örtchen steigen.
Von Jens Albes

Mobiltoiletten am Rande des Musikfestivals „Rock am Ring“: Die Branche setzt Millionen um. Foto: Thomas Frey/dpa
Mobiltoiletten am Rande des Musikfestivals „Rock am Ring“: Die Branche setzt Millionen um. Foto: Thomas Frey/dpa

Nürburg.Ob Festival-Fans oder Rockstars – alle müssen einmal. Während die einen an normalen Kabinen-Klos anstehen, bekommen die anderen Luxusvarianten aus Keramik und mit Bildschirmen. So auch bei den Festivals „Rock am Ring“ in der Eifel und „Rock im Park“ in Nürnberg. Das Geschäft mit dem Geschäft ist ein Millionengeschäft – gerade in der Freiluft-Saison.

„Zwei Drittel des deutschen Mietmarkts mit Kabinen sind bei uns organisiert“, sagt der Sprecher des Bundesverbands der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft (BDE), Bernhard Schodrowski. „Es wird ein Jahresumsatz von mehr als 120 Millionen Euro erzielt.“ Das entspreche über 140 000 Kabinen-Klos. Inklusive der nicht im BDE vertretenen Anbieter „wird es vermutlich mehr als 200 000 Kabinen in Deutschland geben“.

„Nur nicht in die Tiefe schauen“

Komfort und hygienischer Standard seien über die Jahre gestiegen, meint der BDE-Sprecher. Die Zeiten der Bretterbuden seien vorbei. Extremes Beispiel: die Luxus-Sanitärcontainer für die Stars bei „Rock am Ring“ im VIP-Bereich am Nürburgring. Für die Bands „Foo Fighter“ und „Thirty Seconds To Mars“ etwa sollten der verantwortlichen Firma Sani zufolge teure Keramikanlagen zur Verfügung stehen – neben Duschabtrennungen aus Glas und Bildschirmen mit der Live-Übertragung des Festivals über den Waschbecken.

„Die Ansprüche der Kids bei Festivals sind gestiegen.“

Soenke Jessen

Für die Festivalbesucher am Nürburgring wurden laut Sani-Abteilungsleiter Soenke Jessen rund 800 mobile Toiletten vorgesehen, plus zahlreiche Sanitärstationen mit je bis zu 100 Spültoiletten und Urinalen. „Wir sind der Dienstleiter, der den ersten und letzten Kontakt zum Besucher hat“, betont Jessen. „Natürlich sind die Headliner am wichtigsten – aber was bringt das, wenn die Besucher nicht richtig untergebracht sind?“ Immerhin kosteten die Tickets für „Rock am Ring“ um die 200 Euro. Sani-Sprecher Sören Gütschow weiß: „Die Ansprüche der Kids bei Festivals sind gestiegen.“ Sie stünden lieber für eine Spültoilette im Container in einer Schlange an, als in ein freies Kabinen-Plumpsklo daneben zu gehen. Ein älterer Spruch der Musikbranche lautet: „Bei Rockfestivals ist ein Klogang wie eine Bergwanderung: Nur nicht in die Tiefe schauen.“

Ein findiger Soldat

  • Der Erfinder:

    Der US-Soldat Fred Edwards hat nach Medienberichten 1973 in Deutschland das erste moderne mobile Klo in Europa gebastelt – und es Dixi genannt.

  • Die Weltmarktführer:

    Zehn Jahre später kam die Konkurrenz Toi Toi auf den Markt. 1997 fusionierten beide Marken zur Adco-Unternehmensgruppe. Sie ist heute nach eigenen Angaben Weltmarktführerin für mobile Sanitärlösungen und hat ihren Sitz in Ratingen bei Düsseldorf.

Sani mit Sitz im schleswig-holsteinischen Borgstedt versorgt neben großen Festivals auch große Sportevents sowie Schulen und Kitas im Umbau mit provisorischen Toiletten. Das Unternehmen, das nach eigenen Angaben einen Jahresumsatz von rund 25 Millionen Euro erzielt, hat unter anderem am Nürburgring eine eigene Filiale. Es kümmere sich in diesem Jahr um rund 50 Wochenendveranstaltungen an der legendären Rennstrecke.

Auch Soldaten müssen mal

Adco ist nach eigenen Angaben Weltmarktführerin für mobile Sanitärlösungen. Bei der Fußball-WM 2006 etwa hatte Adco mehr als 10 000 mobile Klos im Einsatz. Das Geschäft lohnt: 2016 verbuchte Adco laut Bundesanzeiger 317 Millionen Euro Umsatz und 23,8 Millionen Euro Gewinn. Es tummeln sich aber auch viele kleine Anbieter in der Branche, wie „Latrinen Willi“ in St. Sebastian bei Koblenz und „Pecunia non olet“ (Geld stinkt nicht), ein Lkw mit mobilen Toiletten, der kürzlich in Mainz gesichtet wurde.

Größter Geschäftsbereich bleiben Baustellen. Der Immobilienmarkt boomt, das beflügelt. Ein Sondereffekt war auch die Flüchtlingskrise. Weil in kurzer Zeit sehr viele Asylbewerber unterzubringen waren, sei die Nachfrage nach mobilen Toiletten rasch gestiegen, schrieb Adco in einem Lagebericht. Weitere Einsatzgebiete: Militärgebiete. Auch Soldaten müssen mal.

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