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Geldanlage

Das Geschäft mit prominenten Namen

Je seltener, umso wertvoller – diese Devise gilt für den Handel mit Unterschriften. Doch Vorsicht: Am Markt sind auch viele Fälschungen unterwegs.
Von Ralf Strasser, MZ

Peter Alexander, Heinz Rühmann, der erste Mensch auf dem Mond – ihre Unterschrift kann etwas wert sein – muss aber nicht. Foto: Schönberger

Regensburg.Die Unterschrift war schon im Mittelalter gebräuchlich. Sie legitimierte als Signatur manch hochkaiserliches Dokument. Heute ist sie fest im Zivilrecht verankert und bei Eheschließungen gern gesehene Pflicht. Doch Unterschriften sind auch begehrt. Etwa als Autogramm von Stars und Persönlichkeiten. Der Münchner Wolfgang Maier hat viele davon. über 140 000. „Europaweit die größte Privatsammlung“, sagt Maier, der quasi mit den Erzeugern der Unterschriften auf „Du und Du“ ist. „Fast alle Unterschriften habe ich mir selbst von den Persönlichkeiten besorgt.“ Für ihn als Sammler haben die Autogramme einen hohen Wert. Meist einen ideellen, auch wenn ein „Klaus Kinski“ für ihn unbezahlbar sei, wie Maier betont. Unterschriften sammeln ist ein beliebtes Hobby. Viele tausend Autogrammsammler sind in Vereinen organisiert, ergattern, tauschen oder kaufen die Signaturen ihrer Lieblinge.

Das kostet Geld. Auch wenn ein „Franz Beckenbauer“ aus den 80ern nur zwölf Euro kostet und ein Volker Rühe für läppische 3 Euro zu haben ist, so kann die Unterschrift von Elvis Presley schon mal 3000 Euro kosten. Taugt das Autogramm als Geldanlage? „Ja und nein“, sagt Markus Brandes. Der Schweizer Handschriftenhändler gilt als fundierter Kenner unter den Jägern der Autogrammschätze und betreibt die Internetplattform www.brandesautographs.com. „Es kann sogar ein Millionengeschäft sein, aber nicht für einen Schriftzug der Siegerin von Germany Next Top Model. Das interessiert in ein paar Jahren niemanden mehr, für einen „Vater-Sohn-Brief“ des Nobelpreisträgers Dr. Francis Crick über seine Entschlüsselung der DNA allerdings schon. Der wurde in New York für umgerechnet 4,5 Millionen Euro an einen unbekannten Bieter verkauft.

Viele Beispiele

Es sind die Autographen, die Unterschriften und Handschriften berühmter Persönlichkeiten, mit denen man Geld verdienen kann. Ein Geschäft, das auch für Investoren interessant ist und in Fonds mündet. „Man kann durchaus ein Hundertstel von Albert Einstein als wertsteigernde Anlage kaufen.“ Beispiele gibt es genug: Zahlte man für einen Anton Bruckner vor 50 Jahren noch ein paar Mark, sind es jetzt 5000 Euro, die man dafür auf den Tisch legen muss. Ein Martin Luther King kostet mittlerweile 2500 Euro, Al Capone: 15 000 Euro, ein undatiertes Albumblatt von Friedrich Hölderlin: 20 000 Euro, ein Brief von Nikolai Gogol an Gräfin Wielgorskaja von 1845: 300 000 Euro, ein handgeschriebener Brief von Beethoven: ein sechsstelliger Betrag. Mindestens. „Für einen Mozartbrief an seine Constanze hat seinerseits ein japanischer Interessent gar einen Blankoscheck ausgestellt und Richard Wagners Entwurf zur Tannhäuser-Ouvertüre erzielte 130 000 Euro bei einer Auktion von Stargardt in Berlin“, sagt Hans Schmid, Sammler aus Germering.

Markus Brandes vergleicht den Autographenhandel mit dem Wertpapierhandel. „Aktien investieren in die Zukunft, Autographen sind in die Zeitgeschichte gerichtet. Verknappung steigert den Preis, Angebot und Nachfrage sind die bestimmenden Elemente.“ Doch Vorsicht mit den jungen beziehungsweise alten Pferden. Nicht jede berühmte Persönlichkeit ist ihr Geld wert. „Helmut Kohl zum Beispiel hat alles unterschrieben, was man ihm vorgelegt hat, auch der Fußballer Fritz Walter ging mit seiner Unterschrift inflationär um“, sagt Dr. Heinz-Ulrich Kammeier von der Arbeitsgemeinschaft der Autographensammler. Will heißen: Was sich nicht rarmacht, bringt auch nichts.

Anders bei William Shakespeare, eine Unterschrift von ihm wäre unbezahlbar: Es gibt keine. Zumindest nicht im Handel: „Von dem englischen Dramatiker sind nur sechs bis acht Unterschriften bekannt und die befinden sich allesamt im Britischen Museum.“ Wertsteigerung sei auf jeden Fall vorprogrammiert, meinen die Sammler, auch wenn es durchaus einmal in die andere Richtung gehen kann.

Viel kriminelle Energie

„Ein Paul Heyse war früher interessant, jetzt kaum mehr“, meint Schmid. Doch „die Zeitkapsel mit eingebauter Wertsteigerung“ (Markus Brandes) hat auch ihre Schattenseiten, es wird viel kriminelle Energie in Fälschungen eingesetzt, die mit bloßem Auge als solche nicht zu erkennen sind. Hier helfen starke elektronische Lupen oder Densitometer, die die Farbdichte und optische Dichte von Dokumenten messen können. „Das ist wie bei Sherlock Holmes“, meint Brandes, der bis ins Detail recherchiert, und etwa mit dem Bleianteil in der Tinte das Jahr der Entstehung feststellen kann. „Bei Autogrammen nützt das aber nicht viel, denn wie will der Laie eine an sich echte Unterschrift einer Sekretärin von der Unterschrift der Persönlichkeit unterscheiden?“, fragt Schmid. Hier können allenfalls Vergleichsarchive wie www.isitreal.com nützlich sein.

Ein Autogramm ist eine eigenhändig geschriebene Unterschrift. Autogramme sind immer auch Autographen, das heißt eigenhändige Schriftstücke. Der Begriff „Autogramm“ wird vor allem verwendet, wenn eine berühmte Person eine Unterschrift auf ein Foto, eine CD, in ein Buch oder Ähnliches schreibt. Ein Autograph ist die eigenhändige Niederschrift eines Verfassers (meist einer berühmten Persönlichkeit) oder eines Komponisten. Als öffentliches und privates Sammelobjekt werden Autographe besonders geschätzt, wenn sie eine Unterschrift tragen. Sammler raten vom Kauf über die Internetplattform Ebay ab. Die Gefahr eine Fälschung zu kaufen, sei hoch. Besser: Im Fachhandel kaufen oder bei renommierten Auktionshäusern und Börsen. Vorsicht: Bei Star-Autogrammen könnten auch Sekretärinnen unterschreiben, Stempel-Signaturen und Schreibautomaten sind gebräuchlich.

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