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Studie

Daten liegen ungenutzt herum

Der Mittelstand sammelt eifrig Daten. Doch er wertet sie viel zu wenig aus, um davon zu profitieren.
Von Bernhard Fleischmann

Er präsentierte die Studie in Regensburg. Commerzbank-Firmenkundenchef Christian Feil Foto: Bernhard Fleischmann
Er präsentierte die Studie in Regensburg. Commerzbank-Firmenkundenchef Christian Feil Foto: Bernhard Fleischmann

Regensburg.Der Mittelstand in Deutschland hat großen Nachholbedarf beim Umgang mit Daten. Zu diesem Ergebnis kommt die Mittelstandsstudie „Big Data, Smart Data – Lost Data?“ der Commerzbank. Die Kernerkenntnis der Befragung lautet: Die Unternehmer erheben viele Daten, aber sie lassen entscheidende außer Acht. Vor allem nutzen sie das gewonnene Datenmaterial ungenügend.

Rund 2000 mittelständische Unternehmer hat das Marktforschungsinstitut TNS im Auftrag der Commerzbank für die Studie befragt, 325 davon in Bayern. Gleich vorab: Obwohl die Ergebnisse auch nach Bundesländern aufgeschlüsselt wurden, ergab sich kein nennenswerter regionaler Unterschied. Christian Feil, Niederlassungsleiter Firmenkunden der Bank in Regensburg, stellte das Zahlenwerk und seine Analyse gestern in Regensburg vor. Er kommentiert das Datenwerk so: „Viele Unternehmen im Mittelstand haben kein Erkenntnisproblem, sondern ein Nutzungsproblem. Das liegt insbesondere an internen Strukturen, Prozessen und der Führungskultur, die oft noch nicht bereit sind, aus dem riesigen Potenzial von Big Data sinnvoll genutzte Daten abzuleiten.“

Big Data ist nach der Definition die große Datenmenge aus unterschiedlichen Quellen, Smart Data sind die daraus aufgearbeiteten Daten, die genutzt werden können. Feil identifiziert beim Mittelstand großen Nachholbedarf. Er hinke im internationalen Vergleich bei diesem Thema hinterher.

Ergebnis: Das falsche Produkt

Zwei Drittel der Unternehmen messen digitalen Daten zwar eine zentrale Bedeutung zu. Die Mehrheit aber erfasse vor allem interne Daten wie Finanzen, Lagerbestände etc. Den Blick auf den Markt und die Kunden richteten die wenigsten per systematischer Datenanalyse. „Aber genau da läge das größte Potenzial“, bemerkt Feil. Dies führe immer wieder dazu, dass Unternehmen Produkte oder Dienstleistungen entwickeln und auf den Markt bringen, „die keiner braucht oder will“. Oder die für den Kunden schlecht zu benutzen und zu bedienen sind.

Bei der Anwendung von Kundendaten bleiben die Unternehmen sozusagen auf halber Strecke stehen, lautet eine Erkenntnis aus der Studie. Zwar nutzten sie Daten für bessere Entscheidungsprozesse, Automatisierung oder dafür, individuelle Angebote und Produkte zu schaffen. Aber nicht einmal ein Drittel verwende die Daten dafür, das Sortiment zu verbessern oder gar neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Das bedeute, dass die in Big-Data-Analysen steckenden Vorteile bei weitem nicht ausgeschöpft würden.

„Der Chef sollte nicht der Datenspezialist im Unternehmen sein.“ Christian Feil, Commerzbank-Niederlassungsleiter Firmenkunden in Regensburg

Das liegt der Analyse der Studie zufolge auch daran, dass Big-Data-Nutzung erst dann zu einem erfolgreichen Geschäftsmodell wird, wenn Spezialisten die Auswertung über Abteilungen hinweg übernehmen. Doch das sei zu selten der Fall. Nur 30 Prozent der Unternehmen hätten interne Spezialisten dafür. Gar nur zehn Prozent griffen auf externe Experten zurück. Meist sei die Datenauswertung zumindest auch Chefsache. Für Feil ein großer Fehler: Der Chef sei bei anderen Aufgaben wichtiger und besser aufgehoben. Häufig seien sowohl Mitarbeiter als auch die Führung nicht ausreichend dafür qualifiziert. Daran scheitere in Bayern bei 41 Prozent der Unternehmen eine umfassendere Datennutzung. Auch diese Aussage spricht laut Feil dafür, das Thema Daten an Spezialisten zu übertragen.

Cyber-Kriminalität nimmt zu

Weil Daten zunehmend die Lebensgrundlage von Unternehmen bilden, wachsen die damit zusammenhängenden Gefahren. Was Viren und Trojaner betrifft – die gefühlte Bedrohung übersteige die tatsächliche Schädigung erheblich. Dennoch gebe es keinen Grund zu Sorglosigkeit. Denn die Cyber-Kriminalität nehme zu. Beim Thema Datendiebstahl sieht Feil eine „kritische Sorglosigkeit“. Allein die Commerzbank habe im vergangenen Jahr in Deutschland 100 Millionen Euro vor dem Zugriff durch Kriminelle retten können. Sie nutze dafür Daten, um auffällige, nicht plausible Vorgänge identifizieren zu können.

Intelligenter Umgang mit Daten sei auch für Banken ein entscheidender Faktor, sagt Feil. Unternehmer erwarteten heute von ihrem Institut, dass es ihnen dank sinnvoll aufbereiteter Daten hilft. Das tut die Bank etwa mit einem Cash-Radar, der die Liquidität von Unternehmen auch für die Zukunft im Auge behält.

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