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Finanzen

Der globale Abwärtsstrudel der Währungen

Rubel, Lira, Rand, Real und Hongkong-Dollar stürzen immer weiter ab. Warum ist das so? Fünf Währungen im Überblick

Russland verzeichnet gerade massive Kurseinbrüche an der Börse und muss eine Talfahrt des Rubels hinnehmen. Foto: Pavel Golovkin/AP/dpa
Russland verzeichnet gerade massive Kurseinbrüche an der Börse und muss eine Talfahrt des Rubels hinnehmen. Foto: Pavel Golovkin/AP/dpa

Rubel: DIE US-Sanktionen zeigen Wirkung

Nach der Ankündigung neuer US-Sanktionen hat die russische Währung allein diese Woche mehr als zehn Prozent ihres Wertes verloren. Am Mittwoch mussten für einen Dollar erstmals seit Ende 2016 über 65 Rubel gezahlt werden. Die Sanktionen treffen Russland ins Mark. Sie richten sich gegen 38 Firmen und Einzelpersonen, darunter sieben Oligarchen. Betroffen sind einige der reichsten Russen und deren Firmen, die eng mit Präsident Wladimir Putin verbunden sind. „Die Sanktionen sollen es den Unternehmen so gut wie unmöglich machen, ihre Geschäfte in Dollar abzuwickeln“, sagt Eugen Weinberg, Experte bei der Commerzbank.

Auch der Staat ist betroffen. Das Finanzministerium hat bereits eine für Mittwoch vorgesehene Anleiheauktion abgesagt. Warnungen Trumps, Raketen nach Syrien zu schicken, sorgten zuletzt für zusätzlichen Druck.

Die Sanktionen sollen es den Unternehmen so gut wie unmöglich machen, ihre Geschäfte in Dollar abzuwickeln.“

Eugen Weinberg, Experte der Commerzbank

Lira: Erdogans verfehlte Finanzpolitik

Die türkische Währung stürzt ins Bodenlose. Am Mittwoch mussten für einen Dollar bis zu 4,19 Lira und für einen Euro 5,19 Lira hingeblättert werden – beides ist so viel wie nie zuvor. Die globale Verunsicherung macht der Währung zu schaffen, aber das eigentliche Problem liegt tiefer. Experten verweisen darauf, dass die türkischen Importe die Exporte chronisch übersteigen. Zudem ist die Inflation mit über zehn Prozent extrem hoch, ohne dass die Notenbank die Zinsen deutlich anhebt. Trotz einer guten Konjunktur fordert Staatschef Erdogan sogar Zinssenkungen. Experten warnen: Es drohe eine Überhitzung der Wirtschaft, also eine durch günstige Kredite zu hohe Produktion, die die Nachfrage übersteigt und in eine Stagnation oder gar Rezession umschlägt. Die Zentralbank „hat und wird notwendige Maßnahmen ergreifen, wenn dies erforderlich ist“, versicherte Ministerpräsident Binali Yildirim am Mittwoch.

Hongkong-Dollar: Währungskopplung steht auf der Probe

Er ist ein Sonderling unter den Währungen, weil er in Eigenregie von der chinesischen Metropole verwaltet wird. Der Kurs ist weitgehend an den US-Dollar gekoppelt. Angesichts der jüngsten Zinserhöhungen durch die US-Notenbank Fed können Anleger ohne das Risiko hoher Kursschwankungen von Hongkong-Dollar in höher verzinste US-Papiere wechseln.

Das stellt die Währungskopplung auf die Probe: Am Donnerstag fiel der Kurs des Hongkong-Dollar auf den schwächsten Stand seit über 30 Jahren. Jetzt könnten Eingriffe der Währungsbehörde nötig werden, was aber wiederum die Zinsen steigen lassen dürfte. Das ist gefährlich, denn seit Jahren sorgten Niedrigzinsen für einen Boom an Hongkongs Immobilien- und Aktienmarkt. Eine zu rasante Kehrtwende könnte zu Preiseinbrüchen führen.

Real: Hohe Schulden und viel Korruption

Die brasilianische Währung hat innerhalb eines Monats sieben Prozent an Wert verloren und ist diese Woche auf den schwächsten Stand seit Ende 2016 bei 3,43 Real je Dollar gefallen. Zwar ist Brasiliens Wirtschaft nach zwei Jahren Rezession zuletzt wieder gewachsen. Das Land schreckt aber Anleger wegen einer hohen Verschuldung und vor allem wegen politischer Turbulenzen ab – da viele Spitzenpolitiker sich Korruptionsvorwürfen gegenübersehen. Der laut Umfragen aussichtsreichste Kandidat bei den Präsidentschaftswahlen im Oktober, Ex-Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva, ist bereits wegen Korruption zu einer Haftstrafe verurteilt. Seine Arbeiterpartei (PT) hält aber trotzdem an seiner Kandidatur fest. Wirtschaftlich bedrohen zudem die US-Strafzölle Brasilien als zweitwichtigsten Stahllieferanten der USA.

Rand: Politische Skandale bestimmten den Kurs

Südafrikas Währung geriet zuletzt unter Druck und verlor innerhalb von zwei Wochen rund vier Prozent an Wert. Der Kurs der Landeswährung war in Südafrika lange Zeit stark durch politische Skandale bestimmt. Unter anderem durch unberechenbare Personalwechsel im Finanzministerium hatte Ex-Präsident Jacob Zuma die Landeswährung immer wieder stark unter Druck gebracht. Seit dem Amtsantritt seines Nachfolgers Ramaphosa hat sich die Lage zwar beruhigt. Jetzt ist der Rand wieder auf den schwächsten Stand seit Zumas Sturz gefallen.

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