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Gebäck

Der Herr der Kekse geht von Bord

Der Bahlsen-Senior-Chef zieht sich zurück. Die Nachfolgeregelung läuft längst nicht überall so reibungslos wie bei Bahlsen.
Von Ralf E. Krüger, dpa

Werner Michael Bahlsen zieht sich zurück. Foto: Peter Steffen/dpa
Werner Michael Bahlsen zieht sich zurück. Foto: Peter Steffen/dpa

Hannover.Beim Keks-Fabrikanten Bahlsen sieht Senior-Chef Werner M. Bahlsen sein Haus bestellt. Wenige Tage nach seinem 69. Geburtstag kündigte der bisherige Firmenlenker daher seinen Rückzug aus dem Alltagsgeschäft an: „Wir schreiben das nächste Kapitel.“

Künftig wird ein vierköpfiges Manager-Team die Geschäfte führen. Dann ist – kurz vor dem 130-jährigen Bestehen des Traditionsunternehmens aus Hannover – kein Familienmitglied mehr für das operative Geschäft zuständig. Wie lange, hängt vom Nachwuchs ab. Und das ist nicht nur bei Bahlsen der Fall.

Schwierige Nachfolgersuche

„Nachfolger sind gegenwärtig leider absolute Mangelware“, warnte die IHK Niedersachsen in einer Studie zu Familienbetrieben. Bundesweit stehen nach Erkenntnissen der mittelständischen Wirtschaft jedes Jahr fast 30 000 Familienbetriebe zur Übergabe an. In Niedersachsen, wo Bahlsen seinen Stammsitz hat, hat nach Erkenntnissen der IHK aber gerade mal jeder fünfte Seniorunternehmer die Nachfolge für sich und sein Unternehmen verbindlich geregelt. Die Firmenpatriarchen tun sich oft schwer mit der Suche nach einem passenden Nachfolger. Bahlsen will seinen vier Kindern im Alter zwischen 20 und 30 Jahren Zeit geben. Der älteste, Johannes, soll in der Zwischenzeit die Interessen der Geschwister im neu geschaffenen Verwaltungsrat vertreten, in dem er gemeinsam mit dem Vater sitzen wird. Der Senior-Chef, der sich nun mehr um die strategische Ausrichtung kümmern will, glaubt, damit einen innovativen Weg gefunden zu haben.

Die Praxis vergangener Tage, dass Tochter oder Sohn den Betrieb automatisch übernehmen, ist keine Selbstverständlichkeit mehr; Kindern und Enkeln fehlt oft die Lust am Einstieg ins Geschäft, zumal ihnen der Arbeitsmarkt attraktive Alternativen bietet.

„Die Mehrheit der Unternehmer bewegt sich leider auf dünnem Eis: Wenn der Ernstfall eintritt, wird es viele Unternehmen kalt erwischen“, mahnte der niedersächsische IHK-Hauptgeschäftsführer Horst Schrage.

Weichen frühzeitig gestellt

Wie wichtig frühzeitige Nachfolgereglungen sind, wurde dieser Tage deutlich: Das Verschwinden von Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub ist zwar ein massiver Einschnitt für die Handelskette. Das mehr als 150 Jahre alte Mülheimer Familienimperium sieht sich aber solide aufgestellt, wie der jüngere Bruder Christian klarstellte, der kürzlich die Tengelmann-Führung übernommen hat.

Die Nachfolge nicht früh genug anzugehen, kann zum Problem werden. Denn sonst kann es zu überstürzten Wechseln führen, die gestandene Unternehmen ins Wanken bringen können. Auch bei Bahlsen hat der von Bord gehende Senior-Chef bereits vor Jahren die Weichen für künftige Entwicklungen gestellt. Ein Schritt in diesem Transformationsprozess ist die Abgabe des Alltagsgeschäfts. „Ich will es nicht so machen wie mein Vater, der bis 80 noch ins Büro gegangen ist“, erklärte er. Bahlsens 30-jähriger Sohn Johannes, der im neu geschaffenen Verwaltungsrat Zeit zum Entwickeln bekommt, jedenfalls sieht sich gut gerüstet: „Ich war bei vielen Dingen dabei und kenne einen Großteil der Führungskräfte.“

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