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Konjunktur

Der Motor kommt ins Stottern

Bei den Automobilzulieferern sind die fetten Jahre vorüber. Sie fürchten den Domino-Effekt der schwächelnden Autobauer.
Von Nico Esch

Auch börsennotierte Zulieferer wie Continentalhaben ihre Erwartungen für das laufende Jahr zurückgeschraubt.Foto: Holger Hollemann/dpa
Auch börsennotierte Zulieferer wie Continentalhaben ihre Erwartungen für das laufende Jahr zurückgeschraubt.Foto: Holger Hollemann/dpa

Stuttgart.Es ist der klassische Domino-Effekt. Wann immer die großen Autokonzerne mit Problemen zu kämpfen haben, schlägt das zwangsläufig auf die Zulieferer durch. Nach Jahren, in denen es immer nur nach oben ging, ist die Sorge nun vielerorts groß. Und nachdem schwächelnde Konjunktur und ein teurer technologischer Wandel zuerst die großen Hersteller ins Schwanken brachten, häufen sich nun die Einschläge auf der Ebene darunter. Die Folge: Gewinnwarnungen, Stellenstreichungen, Werksschließungen oder noch schlimmer.

„Entscheidend ist: Die Kapazitäten und das Know-how haben wir.“

Roman Zitzelsberger

„Wir haben einige Super-Jahre erlebt“, sagt Branchenexperte Peter Fuß von der Beratungsgesellschaft Ernst & Young (EY). „Diese Feierlaune ist jetzt vorbei.“ Das gelte für Hersteller wie Zulieferer gleichermaßen. Und eigentlich ist es ja auch nur logisch: „Für jedes Auto, das nicht produziert wird, werden auch die Teile nicht produziert“, sagt Fuß. Dazu komme, dass auch die Zulieferer viel Geld in die Hand nehmen müssten, um bei den großen Trends Elektromobilität oder autonomes Fahren am Ball bleiben zu können. „Ich kann nur für Innovationen ausgeben, was ich anderswo verdiene. Es wird gespart werden müssen.“

Auto

Continental senkt Geschäftsziele

Etwa zwei Millarden weniger – Autozulieferer Continental senkt seine Umsatzerwartungen.

Die Liste der prominenten Fälle ist lang: Die börsennotierten Zulieferer Continental und Schaeffler haben ihre Erwartungen für das laufende Jahr zurückgeschraubt. Auch Branchenprimus Bosch ist vorsichtig, im Diesel-Bereich stehen dort weitere Stellen auf der Kippe. Mahle in Stuttgart ist auf Sparkurs, streicht Stellen und schließt eines seiner Werke, das stark an der Verbrenner-Technologie hängt. Auch Conti hat für ein Werk das Aus verkündet.

Verlagerung der Arbeitsplätze

Marquardt, ein Spezialist für Schalt- und Bediensysteme aus dem Süden Baden-Württembergs, verlagert Hunderte Arbeitsplätze ins Ausland. Beim Filterspezialisten Mann+Hummel sollen weltweit 1200 Stellen wegfallen. Der österreichische Anlagenbauer Andritz streicht bei seiner deutschen Tochterfirma, dem Pressenhersteller Schuler, rund 500 Stellen. Und Anfang der Woche meldete der Anlagenbauer Eisenmann aus Böblingen, der unter anderem Lackieranlagen für die Autobranche baut, Insolvenz an. Als Grund wurden hohe Verluste wegen Problemen mit einigen Großprojekten genannt.

Nicht nur, aber vor allem das Autoland Baden-Württemberg ist stark betroffen. Allein hier arbeiten rund 470 000 Menschen in der Autoindustrie oder oder in deren direkten Umfeld. Und allein hier, das hat die IG Metall kürzlich bei ihren Betriebsräten abgefragt, hat jedes zweite Unternehmen aus den betroffenen Branchen mehr oder weniger harte Sparprogramme aufgelegt.

Man stecke in der Klemme zwischen steigenden Lohnkosten auf der einen Seite und dem Kostendruck, den die Autokonzerne weiterreichten, auf der anderen Seite, sagt Stefan Wolf, Chef des Zulieferers ElringKlinger und zugleich Vorsitzender des Arbeitgeberverbandes Südwestmetall, am Rande einer Branchentour, die das Stuttgarter Wirtschaftsministerium organisiert hat. Einziger Ausweg: selbst Kosten sparen, effizienter werden.

„Die Automobilindustrie steht vor dem größten Wandel ihrer Geschichte.“

Stefan Wolf

„Die Automobilindustrie steht vor dem größten Wandel ihrer Geschichte“, betont Wolf. Um darin zu bestehen, brauche es Technologieoffenheit und mehr Zusammenarbeit, zwischen Politik und Wirtschaft, aber auch von Konzernen untereinander, zum Beispiel beim Aufbau einheitlicher Systeme und Plattformen. „Da ist noch zu viel Egoismus“, kritisiert er. Dass VW jetzt alle Kraft in batterieelektrisch betriebene Fahrzeuge stecke, hält Wolf, ein überzeugter Verfechter der Brennstoffzelle, für „absolut falsch“.

Strategien

  • Mehrgleisig: Die Innovationskraft wird zwar stark auf die Zukunftstechnologien gelenkt. Den meisten Umsatz bringen aber nach wie vor die Verbrenner.

Für die IG Metall steht naturgemäß die Sorge der Beschäftigten um ihre Jobs im Fokus. Jetzt nur in den „Arbeitsplatzverteidigungsmodus“ zu schalten und sich nicht um die Zukunft zu kümmern, hält Landeschef Roman Zitzelsberger nicht für den richtigen Weg. „Klingt komisch, dass ich das sage“, schiebt er vorsichtshalber gleich hinterher.

Aber es sei eben wichtig, sich dem Wandel zu stellen, ihn aktiv anzugehen. „Entscheidend ist: Die Kapazitäten und das Know-how haben wir“, betont Zitzelsberger. Was fehle, seien Mut und eine politische Gesamtstrategie. Und: „Wir müssen die digitale Kompetenz der Mitarbeiter weiterentwickeln.“

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