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Technik

Der Traum vom autonomen Lufttaxi

Die Luftfahrt-Branche sieht sich im Aufbruch: Bei der Zukunft des Fliegens soll nichts mehr unmöglich sein.
Von Burkhard Fraune und Julia Kilian, dpa

Auf der ILA ist ein Airbus-Citytaxi-Modell zu sehen. Foto: Hirschberger/dpa
Auf der ILA ist ein Airbus-Citytaxi-Modell zu sehen. Foto: Hirschberger/dpa

Berlin.Das hören stolze Luftfahrt-Ingenieure nicht gern: „Vergessen Sie, was Sie wissen!“ Der Pilot André Borschberg ist nach Berlin gekommen, um ein Wort zu bekämpfen: „unmöglich“. Vor zwei Jahren umrundete der Schweizer im Solarflugzeug Solar Impulse die Welt. „Wir hatten keine Erfahrung im Flugzeugbau, keine Ressourcen, keine Infrastruktur“. Aber man habe die richtige Einstellung gehabt. Borschberg ist überzeugt: Wenn es um die Zukunft des Fliegens geht, braucht die ehrwürdige Industrie einen neuen Geist.

Doch die Branche sieht sich längst im Aufbruch. Unter Forschern ist von einem „Zeiten-Sprung“ die Rede wie beim Übergang ins Jet-Zeitalter. Das Sinnbild dafür ist die Vision vom Flugtaxi, die auch auf der Luftfahrtmesse ILA in Schönefeld Dauerthema ist.

Es gibt schon ein Lufttaxi-Modell

„Es geht primär um Effizienz, es geht darum, Emissionen zu senken und um autonomes Fliegen“, beschreibt Airbus-Chef Tom Enders die Trends. „Die Innovation wird sich in den nächsten Jahren beschleunigen, es wird eine aufregende Zeit.“

In Schönefeld steht ein eher schlichtes Modell eines Lufttaxis: Der City-Airbus sieht aus wie vier Porzellanteller mit angehängter Passagierkabine. Es gibt keine großen Rotorblätter mit gewaltigem Getriebe wie bei Hubschraubern, stattdessen acht kleine Rotoren in vier leichten Ringen am Cockpitdach. Das spart bei dem Elektroflieger Gewicht und Kosten. „Es ist so gedacht, dass jedermann sich das Lufttaxi leisten kann“, versprechen die Fachleute am Messestand. Ende 2018 soll ein Demonstrationsmodell abheben, fünf Jahre später dann könne der Viersitzer ausgereift und zugelassen sein, sowohl zum Flug mit Pilot als auch ohne.

Weltweit tüfteln nach Branchenschätzungen längst etwa 50 Unternehmen an Flugtaxis. Eine Firma in Neuseeland plant, in drei Jahren eine Senkrechtstarter für zwei Personen abheben zu lassen. In China könnten Menschen in einer Art Drohne abheben.

„Das Vehikel an sich ist kein Hexenwerk“, sagt Rolf Henke, Vorstandsmitglied beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Warum gibt es dann noch kein Lufttaxi? „Es ist das gleiche Thema wie beim autonomen Auto: Die Technik ist da, aber wer trägt eigentlich die Verantwortung?“

Wenn das Flugtaxi am Parkplatz neben einem landet...

Damit seien viele Fragen verbunden. „Wie wollen wir das Flugtaxi betreiben? Wie wird es gesteuert und überwacht? Was ist mit der Cyber Sicherheit?“ Es sei auch noch gar nicht klar, ob wirklich alle Menschen Lufttaxis wollen. „Stellen sie sich vor, sie stehen auf einem Parkplatz und plötzlich landet ein Flugtaxi neben ihnen. Das wirbelt sehr viel Staub auf.“

Die Hersteller dagegen sehen vor allem das Marktwachstum. Erstmals sind im vergangenen Jahr die Menschen 4,1 Milliarden mal in Flugzeuge gestiegen. Zehntausende neue Piloten würden in den nächsten Jahren gebraucht, sagt Airbus-Chef Enders. Ohne autonomes Fliegen sei das Wachstum gar nicht zu bewältigen. Die Flugtaxis werden da aber zunächst nicht helfen. Mit heutiger Batterietechnik werden sie sich wohl erst eine Viertelstunde lang in der Luft halten können. Ohne die Vision aber gehe es nicht, meint Éric Trappier, der Chef des französischen Flugzeugbauer Dassault: „Wir sollten die Passagiere träumen lassen.“

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