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Industrie

Die glücklichen Autozulieferer

Läpple stellt Karosserieteile für Luxuswagen her. Keines der vielen Probleme der Autoindustrie plagt die Teublitzer.
Von Marion Koller

  • Läpple Automotive in Teublitz leidet kaum unter Nachwuchsproblemen, weil sich eine eigene Ausbildungs-GmbH darum kümmert. Fotos: Läpple
  • Die Roboter in Aktion Foto: Läpple
  • Vorstandssprecher Klemens Schmiederer Foto: Läpple
  • Geschäftsführer Oliver Wackenhut Foto: Läpple
  • In der Qualitätssicherung Foto: Läpple

Teublitz.Dieselaffäre, Umstellung auf Elektroantriebe, Fachkräftemangel: Viele Probleme beschäftigen die deutsche Autoindustrie. Doch der Zulieferer Läpple in Teublitz macht sich deswegen keine Sorgen. Das Unternehmen mit 850 Mitarbeitern in der Oberpfalz und 450 am Stammsitz Heilbronn produziert Karosseriebauteile für Premiummarken. BMW, Mercedes, Audi und Porsche zählen zu den Abnehmern. Läpple kennen nur Insider. Die Blechteile, die in Teublitz geformt werden, kennen aber viele. Wer einen BMW auf der Straße vorbeigleiten sieht, blickt wahrscheinlich auch auf ein Läpple-Produkt. Die Kühlerhaube, die Stoßstangen oder die Türen könnten aus Teublitz kommen.

Leichtes Umsatzwachstum erreicht

Im Schatten der großen Automobilstandorte Regensburg/Dingolfing/Ingolstadt und Stuttgart gedeiht Läpple ausgesprochen gut. Vorstandssprecher Klemens Schmiederer und Geschäftsführer Oliver Wackenhut sind zufrieden mit der Entwicklung. Im Geschäftsjahr 2017 hat die Läpple Gruppe das Umsatzziel von 443 Millionen Euro und damit ein leichtes Wachstum erreicht. Im Jahr zuvor waren es 439 Millionen Euro. Die Umsatzrendite bewegt sich planmäßig zwischen fünf und sieben Prozent.

Roboter im alten Eisenwerk

Das Unternehmen hat 2017 allein in Teublitz fünf Millionen Euro investiert, vor allem in neue Produkte und modernste Prozesse. „Wir sehen unsere Chance im Leichtbau“, sagt Wackenhut. Aluminium, hochfester und normaler Stahl werden dafür verwendet.

Klemens Schmiederer und Oliver Wackenhut führen durch die weitläufige Produktionshalle. Dafür müssen sie und die MZ-Besucherin in Sicherheitsschuhe und orangefarbene Signalwesten schlüpfen.

Ein Einblick in die Produktion von Läpple Automotive in Teublitz

Bis 1990 produzierte das Eisenwerk Maxhütte-Haidhof in der Industriehalle Stahl. Ein Jahr nach der Pleite zog Läpple ein. Riesige Stahl- und Aluminiumrollen lagern heute dort. Roboter mit orangefarbenen Greifarmen formen daraus die Blechteile für Luxusautos. „Über die Pressenlinie laufen 80 unterschiedliche Produkte“, ruft Oliver Wackenhut. Er muss den Roboterlärm übertönen.

Mercedes-Kotflügel laufen vom Band

Maschinenbedienerin Claudia Laschinger steckt die Innenteile von Motorhauben zusammen. Michael Schöberl nimmt am Band die fast fertigen Mercedes-Kotflügel entgegen und kontrolliert sie. Rund 100 Lastwagen mit Karosseriebauteilen verlassen das Werk täglich.

Geschäftsführer Wackenhut führt an der Ersatzteilefertigung vorbei und zeigt das volle Hochregallager. Die Produktion von Original-Ersatzteilen für Marken von Mercedes bis Ford ist ein wichtiges Geschäft für die Teublitzer.

Karosserieteile aus Blech werden in Teublitz produziert. Foto: Läpple
Karosserieteile aus Blech werden in Teublitz produziert. Foto: Läpple

„Natürlich ist die Dieselaffäre hart für die Branche“, sagt Vorstandssprecher Schmiederer. Doch Läpple Automotive sei antriebs-unabhängig. Dem Zulieferer ist es egal, ob er die Karosserieteile für Dieselautos, Benziner oder E-Mobile presst.

Die E-Mobilität sieht Schmiederer als Chance. Er erwartet zahlreiche neue Modelle der Premium-Autobauer und damit ein wachsendes Geschäft für Läpple.

Auch der Fachkräftemangel lässt die Teublitzer kalt.

Ausbildung wird großgeschrieben bei dem Zulieferer. Foto: Läpple
Ausbildung wird großgeschrieben bei dem Zulieferer. Foto: Läpple

Das Familienunternehmen, das 2019 den 100. Geburtstag feiert, hat schon immer großen Wert auf die eigene Ausbildung gelegt. Es gab eine eigene Lehrwerkstatt. 1986 wurde eine Ausbildungsgesellschaft gegründet und 2007 entstand die Läpple Ausbildungs-GmbH als eigenständiges Unternehmen innerhalb der Gruppe. Jedes Jahr beginnen etwa 40 bis 50 Azubis bei der GmbH. So zieht die Unternehmensgruppe den eigenen Nachwuchs heran, vom Zerspanungsmechaniker bis zum Mechatroniker. Die Ausbildungs-GmbH qualifiziert aber auch Langzeitarbeitslose und Berufsunfähige für die Bundesarbeitsagentur.

„In der Produktentwicklung suchen wir Leute.“ Geschäftsführer Oliver Wackenhut

Für die Ausbildungsstellen bewerben sich viel mehr junge Leute als genommen werden. Weitere Ingenieure aber könnte der Zulieferer brauchen. „In der Produktentwicklung suchen wir Leute“, sagt Oliver Wackenhut. Auch Maschinenbau- und Wirtschaftsingenieure sowie Verfahrenstechniker fehlen. Mit Praktika, Begleitung von Masterarbeiten und Traineeprogrammen lockt Läpple Automotive.

Der neue Metall-Tarifvertrag ermöglicht eine Reduzierung der Arbeitszeit für junge Eltern und pflegende Angehörige. Doch nur eine Hand voll Beschäftigte im Werk Teublitz hat Interesse signalisiert.

Die Lohnsteigerungen im Metallbereich will Vorstandschef Schmiederer durch Rationalisierungsanstrengungen ausgleichen. Wackenhut ergänzt: „Logistikprozesse müssten optimiert werden. Das richtige Material muss zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein.“ Auch den Maschinenpark modernisiert das Unternehmen.

Alle Aktien in Familienhand

Die Herstellung von Autoteilen macht laut Vorstandssprecher Schmiederer 80 bis 85 Prozent des Läpple-Geschäfts aus. Die Gruppe baut auch Produktionsanlagen und formt Blechteile für Haushaltsgeräte. Die AG mit ihren vier Tochtergesellschaften beschäftigt 2500 Menschen. Sie wappnet sich für die Zukunft und ist doch das traditionelle Familienunternehmen geblieben, das Fabrikant August Läpple 1919 gründete. Alle Aktien befinden sich in Familienhand.

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Die Gesprächspartner

  • Klemens Schmiederer:

    Seit 2017 ist der 58-Jährige Vorstandssprecher der Läpple AG. Schmiederer arbeitet am Stammsitz in Heilbronn. Zuvor war er Vorstand bei der TÜV Süd AG, wo er den Bereich Mobility in Europa verantwortet hat. Er begann seine Karriere bei Behr, einem Erstausrüster für Fahrzeugklimatisierung.

  • Oliver Wackenhut:

    Der Geschäftsführer der Läpple Automotive GmbH ist seit 2011 verantwortlich für die Standorte Heilbronn und Teublitz. Er pendelt jede Woche mehrmals hin und her. Wackenhut (46) ließ sich bei Läpple zum Werkzeugmechaniker ausbilden, studierte Maschinenbau und fing 1999 wieder bei Läpple an.

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