MyMz
Anzeige

Digitales

Die Jahresplanung verliert an Bedeutung

Big Data ändert die Firmendenke und zwingt Controller zum Rollenwechsel – ein Thema für das Wirtschaftszeitung Forum.
Von Marianne Sperb, MZ

Martin Angerer, Siegfried Gänßlen, Dr. Nicolas Maier-Scheubeck und Prof. Dr. Uwe Seidel (von links) beim Forum „Controlling 4.0“
Martin Angerer, Siegfried Gänßlen, Dr. Nicolas Maier-Scheubeck und Prof. Dr. Uwe Seidel (von links) beim Forum „Controlling 4.0“ Foto: altrofoto.de

Regensburg.Unternehmen sind immer stärker vernetzt, die Masse an Daten nimmt rasant zu, genau wie das Tempo, in dem sie gewonnen, analysiert und umgesetzt bzw. zur Vorausplanung eingesetzt werden. Mit Big Data kommt auf Controller ein Rollenwechsel zu. Das Wirtschaftszeitung Forum „Controlling 4.0“ untersuchte am Donnerstag in unserem Medienhaus, wie Digitalisierung die Unternehmenssteuerung verändern wird.

Dr. Nicolas Maier-Scheubeck, Geschäftsführer der Maschinenfabrik Reinhausen (MR), Siegfried Gänßlen, Vorstandsvorsitzender des Internationalen Controller Vereins, und Prof. Dr. Uwe Seidel, der an der OTH Regensburg Rechnungswesen, Controlling und Projektmanagement lehrt, leuchteten die Entwicklung aus. Den Abend moderierte Martin Angerer, Redaktionsleiter der Wirtschaftszeitung. Das anspruchsvolle Thema fand enormes Echo; der Abend vor 120 Controllern und Unternehmern war bereits zwei Wochen vor dem Termin ausgebucht.

120 Gäste kamen zum Wirtschaftszeitung Forum „Controlling 4.0“ am Donnerstag in unser Medienhaus, im Foto (von links): Nicolas Maier-Scheubeck, Verleger und Herausgeber Peter Esser, Chefredakteur Manfred Sauerer und Siegfried Gänßlen (von links)
120 Gäste kamen zum Wirtschaftszeitung Forum „Controlling 4.0“ am Donnerstag in unser Medienhaus, im Foto (von links): Nicolas Maier-Scheubeck, Verleger und Herausgeber Peter Esser, Chefredakteur Manfred Sauerer und Siegfried Gänßlen (von links) Foto: altrofoto.de

Mit Laptops, einer guten Idee und einer Finanzierung können heute ganze Industrien umgewälzt werden. Datenanalysen ändern die Firmendenke; Firmen entstehen, reifen und sterben schneller. Der Großteil der Unternehmen ist aber bisher wenig eingestellt auf die Neuerungen. Nach einer aktuellen Studie von Roland Berger und ICV sehen sich nur 33 Prozent der befragten Unternehmen mit einer eigenen Strategie ausreichend vorbereitet auf die digitale Transformation. Die Studie ergab einen „besorgniserregenden Bedeutungsverlust des Controllings“. Siegfried Gänßlen und Maier-Scheubeck sehen die Digitalisierung dagegen als Chance für Controller – falls einige Bedingungen erfüllt sind. „Das Denken von Controllern ist auf Effizienz und profitables Wachstum ausgerichtet“, sagte Gänßlen. „Das funktioniert prima in Zeiten der stabilen Verhältnisse.“ In Zeiten rasanten Wandels müssten Manager aber ureigene Denkmuster in Frage stellen.

Öfter etwas schnell ausprobieren

Controller müssten lernen, mit strategischer und operativer Unsicherheit umzugehen, öfter etwas schnell auszuprobieren statt es langwierig zu entwickeln und Signale schnell zu interpretieren. Die Digitalisierung wird die Unternehmenssteuerung automatisieren und verschlanken, so Gänßlen. Controller würden Freiraum gewinnen, gleichzeitig verlagere sich der Kern ihrer Arbeit: von reaktiv-analytisch nach proaktiv-prognostizierend, vom Systemnutzer zum Systemgestalter. Der Takt wird schneller. Und die Jahresplanung verliert an Bedeutung.

Daten – die Währung der Zukunft

Industrie 4.0 verändert Geschäftsmodelle fundamental. MR hat sich früh umgestellt. Aus Industrie 4.0 ist dort mit der Vernetzungslösung ValueFacturing sogar ein eigenes Geschäftsmodell entstanden.

Dr. Maier-Scheubeck beleuchtete, wie Controlling 4.0 Entscheidungen stützt und ging in seinem Vier-Punkte-Papier auf Herausforderungen ein, denen sich Controller als Business-Partner stellen müssen. Denn Smart Factories, in denen Prozesse, Maschinen und Menschen digital vernetzt sind, ermöglichen schnelles Reagieren, aber die Datenflut, die permanent ausgespuckt wird, muss in Echtzeit ausgelesen und vor allem: bewertet werden.

Controller im Verein

  • Der Verein:

    Der Internationale Controller Verein (ICV) wurde 1975 durch Absolventen der CA controller akademie gegründet. Der Verein zählt aktuell 6000 Mitglieder (100 Firmenmitgliedschaften) in 30 Ländern. 60 regionale und branchenbezogene Arbeitskreise sind in 15 Ländern Europas aktiv.

  • Der Arbeitskreis Oberpfalz:

    2016 wurde der Arbeitskreis Oberpfalz des ICV gegründet, initiiert von Christian Kaiser, dem Leiter Controlling unseres Medienhauses. Er wollte nicht akzeptieren, dass ausgerechnet das wirtschaftsstarke Ostbayern keinen eigenen Arbeitskreis hat, in dem sich Controller regelmäßig austauschen.

Daten sind die Währung der Zukunft, so Maier-Scheubeck. Die Gleichzeitigkeit von Geschehen, Erfassen und Bewerten biete enorme Potentiale – nicht zuletzt automatisiert bessere Antworten auf alte Fragen.

„Controlling 4.0“ ist Thema der Beilage der Wirtschaftszeitung am 17. März.

Weitere Beiträge aus der Wirtschaft lesen Sie hier.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht