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Entwicklung

Die Trinkmilch macht’s nicht mehr

Im Regensburger Milchwerk endet ein Traditionsprodukts. Der Wettbewerb zwingt Bayernland zu einer Spezialisierung.
von Roman Hiendlmaier, MZ

Flasche leer, dafür den Becher voll Frischkäse: Bayernland-Produktionschef Dr. Norbert Bauer beendet die Milchproduktion in Regensburg. Foto: Lex

Regensburg. Etwas nostalgisch wird Dr. Norbert Bauer schon, wenn er sagt, dass es „bald aus is‘“ mit der Abfüllung der Domspitz-Trinkmilch . Am 31. Mai dreht der Bayernland-Geschäftsführer buchstäblich den Hahn ab, dann fließen die letzten Liter durch die Tetra-Anlage des Regensburger Milchwerks. Bauer ist qua Amt jedoch weniger Nostalgiker, vielmehr Leiter der Produktion von fünf Standorten der Bayernland eG. Mit einer Jahresabsatzleistung von gut 350000 Tonnen Milchprodukten im In- und Ausland gehört die Genossenschaft zu den führenden Vermarktern in Deutschland.

Dabeisein ist schon eine Leistung

Seit 2008 gehören die Milchwerke Regensburg und Amberg zur Bayernland eG, Nürnberg, und mischen in einer Branche mit, die zu den härtesten gehört: dem Lebensmittelmarkt. Dominiert von mächtigen Discountern und Lebensmittelketten, die im Gegensatz zu den Molkereien auch international agieren, sind die Mengen hoch, die Preise niedrig – auskömmlich nur für die besten Lieferanten.

„Dass wir da überhaupt noch dabei sind, ist schon eine Leistung,“ sagt Bauer, „aber keinesfalls eine Überlebensgarantie“. Die ehemalige Domspitzmilch verkaufte Joghurt, Desserts, Frischkäse, Butter, Magermilch- und Molkenpulver – und eben Frischmilch. Die meisten Produkte liefern die Oberpfälzer auch heute noch, nur unter anderem Namen, oft unter einer Eigenmarke eines Einzelhändlers, für den Kunden nur mehr über das EWG-Zeichen erkennbar.

Der Wettbewerb zwingt zu weiterer Spezialisierung: „Qualität, Quantität und Flexibilität“, zählt Bauer als die Erfolgsfaktoren der Zukunft auf. Bestehen kann nur, wer was kann, je hochwertiger, umso besser. Und hier schließt sich auch der Kreis, der die „Domspitzmilch“ außen vorlässt: Die Standorte Amberg, Bayreuth, Fürth, Kemnath und Regensburg können gut Käse. „Vor allem bei dem in Regensburg produzierten Doppelrahmfrischkäse sowie bei den in Amberg hergestellten Sorten Mozzarella und Kerniger Frischkäse wächst der Absatz erfreulich,“ sagt Bauer. Das gilt auch für die Perspektive: Deutschland ist das Land der Käseliebhaber. Während bei der Milch der Absatz zuletzt stagnierte und die Milchverkäufer auf einen heißen Sommer hoffen, können deren Kollegen von der Käse-Fraktion auf Statistiken setzen, die da lauten: 2011 hat jeder Deutsche 23,1 Kilo Käse verputzt, rund 200Gramm mehr als im Vorjahr. Trend 2012: weiter steigend.

„Milch oder Frischkäse – für beides war am Standort Reinhausen kein Platz,“ sagt Geschäftsführer Bauer. Also fiel die Wahl wegen der höheren Wertschöpfung auf den Frischkäse, für den in der 3500-Quadratmeter-Trinkmilch-Abfüllhalle in neueste Technik investiert wird. Für die Mitarbeiter werde sich dadurch wenig ändern, auch für rund 1500 Milchbauern nicht: „Wir brauchen in Regensburg zwar etwas weniger Milch. Die frei werdende Milch verarbeiten wir an den anderen Standorten – das wird kein Problem“. Die Maßnahme wird nach Ansicht Bauers auch nicht die letzte bleiben. Fakt ist, dass Regensburg im Bayernland-Verbund mit Frischkäse, Butter und Sahne der Schwerpunkt der Milchfett-Verarbeitung ist. So steht in Regensburg die zweitgrößte Butterei Bayerns. Auch die Butaris-Produktion wird 2013 in Regensburg ihren Platz finden.

Milchpreis im Sinkflug

Bis dahin hofft Bauer auf einen stabilen Absatz. Der Milchmarkt verlaufe zyklisch. Nach dem Krisenjahr 2009 stieg der Auszahlungspreis für die Milchbauern wieder erfreulich an. Der Milchpreis 2011 zählte sogar zu den besten seit Jahren. Allerdings stiegen im Gegenzug auch die Betriebsmittelkosten für die Erzeuger.

Zurzeit sei die Lage wieder angespannt, sagt der Milch-Manager mit jahrzehntelanger Erfahrung. Das müsse jedoch nicht lange so bleiben: Das Angebot sei größer als die Nachfrage, weil zu wenig in die Exportmärkte abfließe. Da ein gutes Fünftel der deutschen Milchprodukte ins Ausland gehe, ist die Belastung durch die Finanzkrise umso deutlicher. Bauer hegt die Hoffnung, dass das zyklische Tal nicht allzu lang und tief sein wird. Nicht zuletzt komme auch die Bayernland -Strategie der Verwertungsvielfalt positiv zum Tragen. Damit lässt sich eine gewisse Stabilität und hohe Flexibilität erreichen – zumindest bis Herbst/Winter 2012. Für diesen Zeitraum erwarten Marktbeobachter die Stabilisierung des Milchmarktes, dann jedoch ohne die Domspitzmilch.

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