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Digitalisierung hält Einzug in Fertigung

Harald Schmid, Gründer und Geschäftsführer der Gramm UG, spricht über die Vorteile der additiven Fertigung.
Von Maria Stich, Wirtschaftszeitung

Harald Schmid Foto: Istvan Pinter
Harald Schmid Foto: Istvan Pinter

Regensburg.Herr Schmid, 3-D-Druck ist gerade in aller Munde und wird als eine der großen Technologien der Zukunft gesehen. Auch Ihre Firma bietet Dienstleistungen in diesem Bereich an. Was ist die genaue Geschäftsidee hinter „Gramm“?

Harald Schmid: Wir stellen Lösungen für die additive Fertigung, also für den 3-D-Druck, bereit. Unsere Vision ist es, ein weltweites Netzwerk zu schaffen, das die Handhabung von Werkstoffen so einfach macht, wie es das Internet für Informationen und Daten tut. Sprich: ein World Wide Manufacturing Web. Mit der additiven Fertigung wird ja im Prinzip eine ganze Industrie digitalisiert. Mit der Digitalisierung der Datenverarbeitung, also dem Internet, hat eine immense Wertschöpfung stattgefunden und die ganze Welt hat sich verändert. Das Gleiche hält jetzt analog in die Fertigung von Gegenständen Einzug.


Wie kann man sich Ihre Dienstleistungen für Unternehmen konkret vorstellen?

Einer unserer Services besteht im Design und Engineering für Unternehmen. Man kann also mit einem Bauteil zu uns kommen und es so umdesignen lassen, dass man es mithilfe des 3-D-Drucks fertigen kann. Eine spezielle Software optimiert das Bauteil automatisch. Wir fertigen zwar für Firmen auch direkt Einzelteile an, aber zunächst geht es uns um die Lösungen. Wie sieht das Bauteil aus, wie ist es orientiert, welches Verfahren ist sinnvoll? Neben Design und Engineering unterstützen wir Firmen auch durch Trainings und Workshops. So lernen sie selbst, in welchen Fällen eine additive Fertigung Sinn ergibt.

Worin liegen die Vorteile, von einer herkömmlichen auf additive Fertigung umzusteigen?

Mit additiver Fertigung lassen sich Bauteile schneller, leichter und oft auch günstiger herstellen. Nehmen wir als Beispiel einen einfachen Würfel: Bisher wurde er zerspant, sprich auf allen Seiten wurde das überschüssige Material abgeschnitten. Mit der additiven Fertigung kann man den Würfel aushöhlen und im Inneren stattdessen eine Gitterstruktur aufbauen. Dadurch ist er fast genauso stabil, aber deutlich leichter. In ein bewegtes System eingebaut, wird der Wirkungsgrad verbessert. Das ist eine ganz einfache Umkonstruktion, die Kosten spart. Außerdem kann man Gegenstände lokal und dezentral herstellen, lange Transportwege fallen weg. Das ist sehr effizient. Und man muss nicht auf Halde produzieren, sondern wirklich nur das, was gebraucht wird. Dadurch gibt es natürlich auch viel weniger Verschwendung.

Stichwort „Produktion on demand“?

Genau, daraus ergibt sich noch ein weiterer Vorteil additiver Fertigung: die individualisierte Massenfertigung. Die Produkte können individuell an die Bedürfnisse des Kunden angepasst werden. Schuhe wären dafür zum Beispiel hervorragend geeignet: Jeder Fuß ist anders geformt, es gibt keinen Schuh, der allen Menschen passt. Dass das ein echtes Problem ist, sieht man daran, wie viele Menschen Einlagen tragen. Mit additiver Fertigung könnte man den Fuß digital vermessen. Der Kunde sucht sich nur das Design aus und am nächsten Tag kann er den perfekt sitzenden Schuh abholen.

In welchen Bereichen ist der Einsatz von 3-D-Druckern noch denkbar?

Das ist sehr vielfältig. In China und Dubai werden heute schon ganze Gebäude gedruckt. Dadurch werden die Grundstückspreise zwar nicht niedriger. Aber vielleicht lassen sich dadurch die Kosten für ein Eigenheim senken. Ein weiteres Einsatzgebiet ist, Ersatzteile für den Körper wie Muskeln, Organe oder Knochen zu bauen. Zahn- oder Hüftimplantate werden heute schon in großer Zahl additiv gefertigt, weil es wirtschaftlicher ist. Vor einiger Zeit haben wir anhand eines CT-Scans ein Schädelplattenimplantat für einen Patienten konstruiert und gedruckt. Die anschließende Operation hat aufgrund des präzisen Fittings nur halb so lange gedauert wie veranschlagt, was enorme Kosten gespart hat.

Dieser Text ist ein Beitrag aus der Wirtschaftszeitung. Hier geht es zum E-Paper: www.die-wirtschaftszeitung.de/epaper

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